Dienstag, 10. Juni 2008

Strassenkontrollen in Mexiko

Inspiriert wurde dieser Artikel durch einen aktuellen Beitrag in der Mexiko-Community

Wenn man in Mexiko mit dem Auto unterwegs ist, ist es nicht selten, dass man von Leuten in dieser oder jener oder einer ganz anderen Uniform angehalten wird.
Manchmal sind diese Leute auch bewaffnet.
Dabei geht es bei weitem nicht immer darum, narcotraficantes (Drogenhaendler oder -transporteure) ausfindig zu machen, denen die Regierung unter Felipe Calderón etwas entgegensetzen will. Die Meinungen ueber den Sinn dieser Form der Auseinandersetzung mit dem organisierten Verbrechen gehen weit auseinander, was aber hier nicht das Thema sein soll.

Eine themenbezogene Kurzbeschreibung dreier Stationen meines Rueckweges vom letzten Urlaub an der Pazifikkueste soll dazu dienen, unerfahrenen Selbstfahrern in Mexiko ein ungefaehres Bild zu zeichnen, was sie in dieser Hinsicht erwarten koennen und gleichzeitig etwas die moeglicherweise vorhandene Sorge zu nehmen.

#1) Zoologisch - sanitaer: Pflanzen, Obst, Gemuese und Tiere

Auf dem Weg von Puerto Vallarta nach Norden die Kuestenstrasse Nayarits entlang kommt man an einen Punkt, an dem es in die Berge geht, wenn man ueber Compostela ins Inland (z. Bsp. Guadalajara) moechte. Kurz bevor man diesen erreicht, gibt es eine erste Kontrolle ein paar hundert Meter hinter dem Doerfchen "La Cuata". Hier wird geprueft, ob man Fruechte bei sich hat, die nicht aus der Region ausgefuehrt werden duerfen. Das Schlimmste, was einem passieren kann ist, dass einem die Fruechte abgenommen werden. Die Beamten sind freundlich, die Uniformen erinnern ein wenig an Pfadpfinder.
Hintergrund dieses Kontrollpostens ist die Cochinilla Rosada, eine Plage, von der die Region um Nayarits Hauptstadt Tepíc noch frei (waehrend der Rest des Bundeslandes von ihr "geplagt") ist und die u.a. auf diese Weise von dort ferngehalten werden soll. Ca. 30 Millionen Pesos gibt die Regierung Nayarits jaehrlich fuer diesen Zweck aus.
Anmerkung: In einigen Teilen Mexikos gibt es Fruechte oder Pflanzen, deren versuchte Ausfuhr das Gesetz mit empfindlichen Strafen ahnden kann, so zum Bsp. der PEYOTE in San Luis Potosí!

#2) Die Umfrage

Das war ganz neu fuer mich. Ich erinnere mich nicht genau daran, wo sich dieser "Kontollpunkt" befand - irgendwo zwischen Nayarit und Jalisco. Auch diese (jungen, wahrscheinlich Studenten o.aehnliches) Leute waren in unbedrohlich wirkende Uniformen gekleidet und sehr freundlich und sie hielten JEDEN PkW an (einige Reisende wussten wohl bescheid und gingen der Sache aus dem Weg, indem sie "ueber den Acker" auswichen ... eine andere Moeglichkeit gab es nicht).
Eine kurze Befragung fuer die Statistiken der Tourismusbehoerde stand an.
"Woher kommen Sie gerade?
Woher sind Sie?
Welche Art von Urlaub haben Sie gemacht? (all incl., individual etc.)
Wie lange waren Sie, wo Sie waren?"
und so weiter.
Harmlos.
Aergerlich war nur, dass mindestens 5 der megalangen LkWs, die nicht angehalten wurden und die ich vorher in Schwerstarbeit auf der einspurigen (pro Richtung) Strasse ueberholt hatte, wieder an mir vorbeizogen.

#3) Das Militaer

Viele mexikanische Bundeslaender haben an ihrer Grenze einen solchen Kontrollposten. Optisch und psychologisch sieht es hier etwas anders aus. Militaerische Uniformen, teilweise Gesichtsmasken. Waffen. Barrikaden.
Trotzdem Standard.
Am suedlichen Kontrollpunkt von Aguascalientes (Bundesstaat), den ich aus Richtung Mexiko-Stadt (und Guadalajara, und León und Pazifikstrand und...und...und) passieren muss, wurde ich noch nie angehalten. Angeblich geht es dort in erster Linie um den Drogentransport und die Soldaten achten nur auf "verdaechtige" Nummernschilder.
Trotzdem wuerde ich an solchen Checkpoints etwas Vorsicht mit der Wortwahl und dem Auftreten empfehlen, falls man doch gebeten wird, an die Seite zu fahren und sich dadurch sehr belaestigt fuehlt. Das mexikanische Militaerpersonal fuehlt sich manchmal ein wenig erhaben ueber Gesetz und Anstand, vor allem, wenn man die Last eines solch attraktiven Postens noch dazuaddiert.

Fazit:
Wenn man in Mexiko mit dem Auto unterwegs ist, muss man bei jeder Grenzueberschreitung zwischen zwei Bundesstaaten mit mindestens einer Kontrolle rechnen - moeglicherweise mehr. Auch fern der Bundesstaatsgrenze.

Extra:
Hinzu kommt die in letzter Zeit deutlich verstaerkte Aktivitaet und Praesenz der in erster Linie foederalen Polizeikraefte ueberall im Land. Ausgestattet mit militaerischem Equipment, aber nicht in gruen, wie die militaerischen Kollegen. In Aguascalientes herrschen die Farben Blau und Schwarz vor.
Kugelsichere Weste: sichtbar.
Gesichtsmaske: wahrscheinlich.
Bewaffnung: schwer
Einsatzort: ueberall und ueberraschend (ich selbst habe sie bisher nur auf Strassen, die nach Norden fuehren, aktiv gesehen - im Norden liegt der ganz grosse Markt)
Einsatzzeit: jederzeit und ueberraschend

Diese Leute setzen in jeder Minute an jedem Tag ihr Leben aufs Spiel.
Selbst in dem Wissen, dass moeglicherweise der masterplan ihres Einsatzes laengst an den Gegner verkauft wurde.
Bei denen wuerde ich mich im (unwahrscheinlichen) Falle eines Falles wie ein Lamm unter Narkose auffuehren. Lockerer als bei diesen Leuten kann ein Finger kaum am Abzug liegen, was nur allzu verstaendlich ist.

5 Kommentare:

jule hat gesagt…

Ach, ich lese deinen Blog so gerne! :-) Macht Spass zu Lesen und man kann sich vieles richtig bildlich vorstellen!!

Schreib doch mal ein Buch - einen Käufer hättest du doch schon, nämlich mich!

Wolltest du nicht noch auch nen Beitrag über Duschgele in Mexico schreiben? *blinzel*

lg, jule

No Ghosts Here hat gesagt…

Ach ja, das Buch, liebe Jule.
Zwei Fragen muesste mir jemand dazu beantworten:
1) Welches zuerst?
2) Welcher Verleger ist bereit, mir 13,8 Mio. Euro vorzuschiessen, damit ich in Ruhe dran arbeiten koennte?
;-)

So ein Buch ist naemlich nicht so ein simples einfach-auf-die-Tasten-Geklopfe wie diese Blogeintraege hier.

Aber - unter uns - so ein paar Anzeichen verdichten sich. Kannst mich ja schonmal bei jedem Dir bekannten Verlag ins Gespraech bringen. ;-)

Ach ja, und der Seife - Duschgel - Artikel kommt bestimmt.

Und danke auf jeden Fall fuer die Ermunterung!!!!!!
So etwas tut der Bloggerseele gut.

Andreas Bohn hat gesagt…

Wir wurden mal auf dem Weg von Playa Ventura nach Acapulco mal angehalten.

Wir waren auf dem Heimweg, es war bereits dunkel, Evelyn saß hinten neben Citlali, beide schliefen. Am Kontrollposten wurden selektiv Autos herausgewunken, darunter ich.

Als ich die Tür öffnete und die Innenbeleuchtung anging, erkannte der Posten erst, daß ich nicht alleine unterwegs war und er fragte, mit überraschtem, leicht entrüstetem Ton "Sie haben Famile dabei?" "Ja, warum?" fragte ich, woraufhin er sich entschuldigte und mich aufforderte, sofort weiterzufahren.

Scheinbar sehe ich ohne Begleitung etwas Narco aus.

jule hat gesagt…

Hehe, wenn du dein Buch als dann fertig hast, dann kannst du ja mich bei deinem Verlag runterbringen.

Zu mir ist in meinem alten Blog auch schon gesagt worden, ich müsse ein Buch schreiben - aber da hab ich auch immer gesagt:

Worüber bitte schön? Mein Leben ist gar nicht so spannend... ;-)

Ja, mal sehen. Wenn ich von der Muse geküsst werde - dann gerne. :-

absoluteblogger hat gesagt…

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