Mittwoch, 19. Oktober 2011

Was?! Na klar weiß ich, wie das geht! - Eine fotografische Gedächtnisstütze

Ich könnte bestimmt zwei Stunden lang darüber reden, warum Ihr so lange nichts von mir gehört habt. Weitere zwanzig Stunden könnte ich darüber reden, was in der Zwischenzeit alles passiert ist. Tue ich aber nicht.

 Genauso wenig wie ich mich dazu verleiten lasse, zu versprechen, dass jetzt in diesem Blog alles wieder so wird wie es einmal war. Wäre ja auch doof.

 Zeit vergeht. Leute entwickeln sich weiter. Technik schreitet voran. 8 Monate sind eine so lange und doch so kurze Zeit im Leben eines Menschen.

Gut und kurz: Es geht mir ziemlich gut. Vor allem, was meine Gesundheit verglichen mit den ersten vier Jahren meines Lebens anbelangt. Lassen wir - zumindest für den Moment - doch Details einfach beiseite und Bilder für sich bzw. mich sprechen:

SCHARF

Da mag jemand um ein Vielfaches besser aussehen als ich. Ich habe gelernt, was man tun muss, um solche Leute (in diesem Fall meine Cousine, Papis Patenkind) in den fotografischen Fokusschatten zu stellen:



TOMATEN AUF DEN AUGEN? - Nein, Tomate (mex) auf dem Löffel

Richtig gelesen. Das, was Ihr da auf meinem Löffel seht, nennt man in Mexiko "Tomate". Was Ihr und der Rest der Welt als "Tomate" kennt, wird hier als "Jitomate" bezeichnet. Wobei das "J" weich wie in "weich" ausgesprochen wird.

So ein Ding von meinen Gesichtsmuskeln aus gesteuert zu balancieren, ist doch nun wirklich kein Problem:




WAS WAR ZUERST? - MILKA ODER SCHOKOLADE (náhuatl: xocolatl )?

Gleich noch einmal etwas, um die Herkunft von Wörtern und Sprachen etwas besser zu verstehen.
Sowieso gilt: Eine Torte auf dem Tisch ist überhaupt nichts wert, solange mein Gesicht nicht in sie hinein gedrückt wurde. Nicht einmal eine Schokoladentorte:




JEMANDEM SAND IN DIE AUGEN STREUEN

Das kann ich bestimmt genauso gut wie gewisse Fernsehfiguren. Am besten aber kann ich das im Selbstversuch. Das hätte auch ins Auge gehen können:




ROLLING, ROLLING, ROLLING

Es will mir wohl niemand erzählen, wie man einen Roller zu benutzen hat, oder!?



STECKER UND STECKDOSE

So eine Zeltstange ist eine prima Sache. Und mir ist auch 100%-ig klar, wohin die gehört. Das hier ist nur eine Notlösung. Aber im Zweifelsfall: Steckt die Zeltstange einfach in den nächstgelegenen Auspuff. Daraus wird entweder ein ziemlich aufgeblasenes Auto oder ein ziemlich schwebendes Zelt:

Freitag, 18. Februar 2011

Doppel-OP mit Stimmverlust - und ich tanze schon wieder

Doppel-OP mit Stimmverlust - und ich tanze schon wieder, Aguascalientes, Behinderung, Down-Syndrom, krank, Maximilian, Medizin, Mexiko,

Wie so oft kam alles ganz anders.

Vorgesehen war am vergangenen Sonntag ein Mini-Eingriff, um meine Gallenblase zu entfernen - mit ihr die Wahrscheinlichkeit, dass sich dort dauernd neue Steine bilden würden. Und jetzt ist sie nicht mehr in mir drin, diese kleine Blase.

Das "alles ganz anders" bezieht sich auf den Umstand, dass es nicht nur diese kleine Blase ist, die man mir entnommen hat. Dr. Vargas nutzte die Gelegenheit, auch gleich meinen Blinddarm zu zu entfernen. Denn beim Ansatz der Laparoskopie hatte er festgestellt, dass mein Blinddarm nicht nur schon ganz ordentlich entzündet war (wahrscheinliche "Explosion" innerhalb der nächsten 4 bis 6 Wochen), sondern dass er er auch an einem Platz da mitten zwischen meinen Organen saß, wo er gar nicht hingehörte (angeblich genetisch bedingt).

Also entschied Dr. Vargas schnurstracks: "Raus mit dem Ding!"
Wofür wir ihm recht dankbar sind.

Somit wurde allerdings aus der laparoskopischen Angelegenheit eine ganz normale Chirurgie. Was nichts anderes als einen weiteren Schnitt an meinem Torso bedeutet. Diesmal vertikal. Bei Gelegenheit werde ich Papi mal beauftragen, ein Foto davon zu machen. Die Wunde verheilt prächtig und reiht sich prima in meine Sammlung ein, so viel kann ich Euch schon verraten.

Trotzdem gab es diesmal IM NACHHINEIN ein wenig elterliche Sorge. Zuerst einmal wollte ich nicht so richtig aus der Narkose aufwachen, ich brauchte in diesem Fall etwa 3 Stunden. Bis ich überhaupt aus der OP-Abteilung herauskam. Als ich dann endlich in meinem Bettchen landete (ganz neue Kinderstation im IMSS Hospital N° 1 Aguascalientes, super-mega-angenehm), war ich immer noch ziemlich "betrunken" und hatte eine Menge Beschwerden. Fakt ist aber, dass dies eher der Normalzustand nach einer solchen OP ist. Was mir bis dahin bzgl. Sofort-Erholung passiert war, gehört anscheinend in die Kategorie "außergewöhnlich".

Knappe 24 Stunden nachdem ich den OP verlassen hatte, schickte man mich auch schon wieder nach Hause. In eine Woche unglaublichen Nichts-Tuns. Die ersten 24 Stunden habe ich mich nicht bewegt. Ich lag auf dem Rücken. Und wenn jemand gefragt hätte, was ich denn gerade so tun würde, hätte man geantwortet: "Er liegt auf dem Rücken." Ich habe mich weder nach links noch nach rechts gedreht. Dann wurde irgendwann mein erstes Bad zur Notwendigkeit.

Und dieses wurde zu einem kleinen Drama. Denn ich wollte mich nicht nur nicht selbst bewegen, sondern ich wollte genausowenig, dass mich jemand anderer bewegt. Schon gar nicht in Richtung differierender Temperaturen. Trotzdem musste es getan werden. "Er zitterte wie Espenlaub" bekam eine neue Bedeutung. Aber es gelang. Glücklicherweise hatten Mami und Papi schon Erfahrung mit diesem ersten Bad nach einer OP. Bei dem es unter anderem darum geht, erstmals die Wunde freizulegen und zu reinigen.

Das Phänomen wurde Mami und Papi nur schrittweise bewusst. Das nämlich, was mit meiner Stimme passierte. Es passierte eigentlich gar nichts mit ihr, sie war nur einfach verschwunden. Ich bewegte meine Lippen wie immer - aber die dazugehörigen Geräusche kamen nicht. "Mamá", "ába" und so weiter ... mit "e", "i", "o" und "u" habe ich es noch nicht so eilig. Nachdem Papi das Internet und Mami fast schon einen Spezialisten befragt hatten, kam sie zurück. Und im Gleichschritt mit dieser Rückkehr verschwanden die Schmerzen und das Unwohlsein.

Gestern (Donnerstag) erlaubte man mir zum ersten Mal, wieder vor die Tür zu gehen. Heute habe ich schon wieder wie üblich zu "Tatiana" getanzt. Wow!

Übermorgen ist mein Termin zum Fäden ziehen. Bei dem man uns auch sagen wird, ob ich am Montag wieder in meine neue Übergangs-Kita gehen kann.

Ich darf ALLES essen.
Ich muss (zusätzlich zu dem Herz-Kram, der noch bis April gilt) ausser einem Antibiotikum (und dieses auch nur noch 3-mal) KEINE neuen Medikamente nehmen.

Was will ich eigentlich mehr?

Mittwoch, 9. Februar 2011

Galle, Blase, Zauberlehrling

Es gibt kulante Supermärkte in Mexiko.
Das muss man einfach einmal festhalten.
Nach mehr als einem Jahr seit dem Kauf einer Kinder-Videokamera konnte mein big brother Niklas selbige - nicht mehr richtig funktionierend - im Costco Aguascalientes ohne Probleme gegen ein anderes Produkt umtauschen. Er entschied sich für einen Baukasten für Zauberlehrlinge.

Und seit er diesen besitzt, arbeitet er mit ihm. Investiert mehr Zeit in ihn als in seine Deutsch-Hausaufgaben. Und erzielt Resultate. Klasse!

Ich dachte mir, dass es mir auch gefallen würde, ein wenig zaubern zu können. Und siehe da: ICH KANN. Ich kann Dinge verschwinden lassen. Ganz einfach und so gut wie unauffindbar. Man muss sie nur in meiner Reichweite lassen. Das neuste Beispiel ist die Fernbedienung unseres Fernsehers. Die ist momentan ganz einfach weg. Jedem ist klar, dass ich sie unsichtbar gemacht habe. Und jedem ist klar, dass ich nicht verraten werde, wo sie eventuell abgeblieben sein könnte. Ist doch auch logisch: Ich spreche doch noch gar kein Wort. Mit so etwas wie Sprechen muss man auch nicht belästigt werden, wenn man mal gerade 4 Jahre alt ist, oder?

Während Mami und Papi und Niklas die Fernbedienung suchen, überlege ich gerade, warum diese "richtigen" Zauberer ihre Fähigkeiten nicht in den Dienst von "richtigen Wichtigkeiten" stellen. Das wäre doch eine feine Sache. Ich habe da zum Beispiel so einen doofen Stein in meiner Gallenblase. "Abrakadabra - weg ist er!" wäre mir als Behandlungsmethode sehr willkommen. Da dies anscheinend nicht so einfach funktioniert, habe ich mal wieder einen schnittigen Termin gemacht.

Sonntag, 13. Februar 2011.
08:00 Uhr.

Da es immer wieder Leute gibt, die (aufgrund von Internetweisheiten) mehr wissen als behandelnde Ärzte, will ich die mich betreffenden und auf die nicht leakande Wikipedia beschränkten Internetweisheiten hier gern verlinken:
Gallenstein
Cholezystektomie
Laparoskopische Chirurgie

Es könnte also sein, dass Dr. Vargas mir mit einem minimalen Eingriff schlichtweg die Gallenblase entfernen wird. Was soll ich auch mit so einer Gallenblase anfangen, wo ich doch jederzeit viel wichtigere Dinge verschwinden lassen kann?

Montag, 10. Januar 2011

Rausschmiss nach 3 Tagen - Diskriminierung kann schmerzhaft sein



Herzlich willkommen im Jahr 2011!
Ich wünsche Euch von ganzem (und repariertem) Herzen, dass es ein unter möglichst vielen Aspekten erfolgreiches und vor allem mit prächtiger Gesundheit einhergehendes Jahr sein mag.

Obwohl der Titel dieses Beitrags nicht viel Gutes erwarten lässt, möchte ich Euch doch nicht vorenthalten, dass ich ein paar herrliche Wochen erleben durfte. Besonders aufregend wurde es fraglos ab dem Datum, welches ich Euch als "V I E R" vorstellte.

Ins Detail will ich hier aber gar nicht (mehr) gehen, sondern eher Anschluss an die "Last Days in Paradise" suchen. Denn plötzlich haben wir ein Problem. Ein Problem, das dadurch erzeugt wurde, dass ich als behindert gelte. Ich habe nicht vor, hier aus Begriffsdefinitionen Pferde zu machen und selbige zu besteigen. Aber erzählen will ich Euch von dem Problem:

Alles begann ziemlich viel versprechend.
Während der Weihnachtsferien gelang es Mami und Papi getreu (nicht nur Klischee-)mexikanischer zeitlich betrachteter Bedürfnis-Aktion-Handhabe, ein potentiell neues Paradies für mich aufzutun. Für die kommenden etwa 7 Monate, bevor es mich eigentlich in den "Kinder" a.k.a. "Preescolar" verschlagen soll.
Wie es aber manchmal mit Last-Minute-Entscheidungen so ist, konnte es besser kaum kommen. Mami und Papi hatten schon vor geraumer Zeit eine Art Prioritätenliste erstellt, die es im Nachhinein relativ einfach machte, die für uns alle vorteilhafteste KiTa für mich auszuwählen. Ganz oben in dieser Liste stehen nicht etwa Punkte wie "behindertengerecht" oder ähnliche, mit meinem Extrachromosom im Zusammenhang stehende Punkte. Dort stehen Begriffe, die nicht als Pro oder Kontra, sondern als schlichte Bedingungen verstanden werden müssen. Im Sinne des Wortes: Voraussetzungen, deren Nicht-Erfüllung meinen Besuch der Institution nahezu unmöglich machen würde.

Es geht da um Dinge wie "Ab wieviel Uhr werden die Kleinen empfangen?" (aufgrund unserer familiären Situation ist bei diesem Punkt "7 Uhr" als Antwort notwendig - gar nicht so einfach zu finden in Aguascalientes) oder die Kosten (da gibt es ein eindeutiges Limit).

Von den ersten 10 Punkten dieser Prioritätenliste erfüllte das vermeintliche neue Paradies 8. Eine tolle und unerwartete Punktzahl. Die erwähnten "Bedingungen" erfüllte sie komplett. Um nur 2 der "fetten" Vorteile zu nennen:
- Im Auto brauchen wir von der Höhle aus etwa 28,3 Sekunden (Ich laufe zwar jeden Tag besser, aber längere Strecken wie vielleicht 250 Meter sind morgens um 7 Uhr und mit Zeitdruck noch nicht unbedingt empfehlenswert).
- Mathematik: 2 Erzieherinnen kommen auf 8 Kinder. Wieviele Kinder kommen auf eine Erzieherin? Wieviele Erzieherinnen bekomme ich ab?

Kurz und gut: Das war eine feine Sache.

Ich habe keine Ahnung, wie Mami so direkt reagiert hätte. Aber Mami hat heute nicht gearbeitet (um an einer Elternversammlung in Niklas´ Schule teilzunehmen [mit 9,8 wurden seine jetzt schon viel ernsthafter bewerteten schulischen Leistungen des letzten bimestres 2010 benotet] und mehrere Einrichtungen auf der Suche nach einer neuen Sprachtherapie für mich aufzusuchen - nachdem ich altersbedingt keinen Platz mehr im Teletón habe) und so ergab es sich sich, dass Papi mich aus dem vermeintlichen neuen Paradies abholte. Ich schlief gerade, wie ich das Mittags gern tue, und Papi meint, dass er sich den literarisch so häufig zitierten Eiszapfen, zu dem sein Herz in jenem Moment wurde, nicht anmerken ließ.

Papi war es nämlich, der sich - um endlich Sinn und Verstand in den vorhergehenden Absatz zu bringen - die Worte der sichtlich verlegenen Chefin der KiTa anhören musste, laut denen ich dort plötzlich dank Anweisung von höheren Positionen aus nicht mehr sein dürfte. Dies trotz aller vorhergehender Versicherungen, dass ein Kind mit Down-Syndrom doch keinerlei Problem wäre.

In beziehungsweise ab diesem Moment kann ich nun viele Dinge in die Waagschale werfen. Was besagt das Gesetz? Bin ich eine Gefahr für Andere? Bremse ich die Anderen in ihrer Entwicklung? Hat man Angst vor mir? Wer? Warum? .....

Was am Ende übrig blieb, war ein einfacher und schlimmer Gedanke: "Ich gehöre nicht zu ihnen."
Was kann es Schlimmeres geben?

Schuldig bin ich Euch aber noch die wahrhaftig angebrachte Begründung (der Oberen):
"Mögliche Konvulsionen" (Krämpfe, Zuckungen)
Etwas, das mir noch nie passiert ist und wahrscheinlich auch nie passieren wird.
Etwas, das nicht in Einklang zu bringen ist mit meinem Mosaik-Down-Syndrom.
Aus welchem Finger hat man sich dieses fadenscheinige Argument gesogen?

Ich könnte verstehen, dass man mich loswerden wollte, wenn ich die anderen Kinder bedrohen, beissen, kratzen, verletzen, schlagen, in ihrem Lernprozess aufhalten ... oder sonst etwas würde. Ich könnte verstehen, dass die Erzieherinnen sich mit mir unwohl fühlen wuerden, wenn die Gefahr bestünde, dass ich plötzlich einen Herzanfall bekäme, epileptische Anfälle hätte, an meinem eigenen Erbrochenen ersticken könnte.

Nun ist aber - zumindest bisher - nichts von dem Genannten der Fall.
Ich beisse, kratze und haue schonmal, aber kaum mehr als andere Kinder.

Ich kann mich allerdings Siebentausend mal nach Gründen fragen.
Und das bringt mich keinen Schritt weiter.
Weiter bringt mich die Beantwortung der Frage: "Was nun?"
Sollen Mami und Papi auf die Barrikaden gehen?
Oder vielleicht doch besser der Devise folgen: "Wo man mich nicht haben will, da will ich auch nicht hin!"?

Ein Problem hierbei ist das Fehlen von Alternativen.
Wenn wir - die "Bedingungen" vorausgesetzt - einen Laden finden würden, der 5/10 (Prioritätenliste) erreicht, könnten wir uns glücklich schätzen. Aber vielleicht haben wir "glücklich" aufgebraucht. Denn seit meiner erfolgreichen Herz-OP hatten wir - den Umständen entsprechend - ziemlich viel davon.

Festzuhalten bleibt, dass ich nun endlich gemerkt habe, dass ich anders bin.
Die Gesellschaft und ihre Gesetzgeber tun so, als wollten sie alles dafür tun, damit einem Kind (oder auch nicht Kind) eine solche Erfahrung erspart bleibt. Gelungen ist dies der Gesellschaft und ihren Gesetzgebern nicht. Ich kann nicht penetrant-ignorant behaupten, dass ich doch dazu gehöre, solange man mir auf die beschriebene Weise das Gegenteil beweist. Ich muss allerdings ganz-sehr-doll auch sagen, dass es der Gesellschaft (inklusive ihrer Gesetzgeber) zumindest zum Teil doch gelingt. Denn die Begleitumstände der ersten 4 Jahre meines Lebens sprechen ihre eigene Sprache.

Samstag, 25. Dezember 2010

V I E R

Ihr müsst meinen Papi fragen, wo das Audio (wieder einmal) geblieben ist.
Und Ihr müsst meinen Papi fragen, um zu erfahren, was nach dem "Un(m)fall" am Ende des Videos passierte.
In erster Linie wurde dieses Video für meine Patentante verinternetisiert.
Aber Ihr alle wollt mich doch auch immer wieder sehen.
Also seht mich:

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Last Days in Paradise

In wenigen Tagen cumple ich años.
Vier, um genau zu sein.
Ist das eigentlich zu fassen?

Allerdings ist dies in meinem Fall ein etwas kritisches Alter. Denn ich werde fliegen. Nicht im Flugzeug, sondern raus. 4 Jahre ist die Grenze, die man auf der chronographischen Skala sowohl im Teletón als auch in meiner KiTa gezogen hat, was einen weiteren Verbleib anbelangt.

Somit heißt es morgen also Abschied nehmen aus der Geborgenheit meiner KiTa. Es folgen zwei Wochen Urlaub und dann ...
Und dann?
Ja, das ist das "lustige" an der ganzen Sache. Es gibt noch kein "und dann". Es ist nämlich gar nicht so einfach, mich irgendwo unterzubringen, was vor allem daran liegt, dass ich Windelfreiheit und Sprache betreffend etwas langsamer bin als andere. Es ist schon kurios: Ist das Leben einmal gerettet, werden diese schnöden Alltagsprobleme wieder zu richtigen Problemen.

8 Monate muss ich erst einmal über die Bühne bringen, dann wäre eigentlich mit dem Eintritt in das Bildungsniveau dran, welches man hier in Mexiko "Kinder" oder auch "preescolar" nennt. Stress machen wir uns deshalb aber nicht - dieses Verhalten haben wir während der letzten Jahre gelernt - sondern halten es eher mit dem letzten deutschen Kaiser und einer seiner bekanntesten Aussagen: "Schaun mer mal."

Irgendwann wird es hier vielleicht einmal Beiträge von mir geben, in denen es mir gar nicht erst einfällt, über meinen Gesundheitszustand zu reden. Noch ist dies aber in weiter Ferne. Allerdings gibt es durchaus Positives zu berichten - zumindest wenn man akzeptieren kann, dass eine weitere notwendige Operation etwas Positives ist.

Der Plan zur Entfernung meines Gallenblasensteins (ich habe mittlerweile festgestellt, dass der Begriff "Galle" gar nicht korrekt ist, um das Organ zu bezeichnen) nimmt gar nicht so langsam Formen an. Vorgestern hatte ich einen Termin beim behandelnden (und spaeter operierenden) Urologen - Dr. Vargas - und der beurteilt meinen Zustand als sehr gut, andererseits will er diesen Zustand auch beibehalten und folgerichtig nicht mehr lange mit der OP warten. Noch im Januar soll es passieren. Details, wenn es Details zu berichten gibt.

Vor 4 Tagen hatte ich die erste komplette Nachuntersuchung meines Herzens. "Hervorragend" war hier das Qualitätsurteil von Brenda. Arme Brenda! Sie ist noch so jung und nimmt sich Fehlschläge in ihrem Beruf so sehr zu ihrem eigenen Herzen. Ich kenne zwar keine Einzelheiten, aber mir ist bekannt, dass 2 der Kinder, die mit mir zusammen operiert wurden, noch immer in relativ kritischem Zustand sind. Ich mag gar nicht dran denken, muss es aber doch immer wieder tun.

Mein nächster Kardio-Check steht dann im April oder Mai 2011 an.

Und abschließend kann ich Euch noch eine freudige Nachricht mitteilen: Bald wird es hier wieder Bilder von mir geben.

Geruhsame Feiertage wünscht Euch schon jetzt:
Euer Max

Dienstag, 19. Oktober 2010

Der Campingrucksack

"¡Parece que se va de campamento!! - das waren die Worte, mit denen Papi am Freitag, als er mich abholte, von meiner KiTa-Erzieherin empfangen wurde. Ein Blick auf meinen kleinen Rucksack erklärte dann auch sofort, was gemeint war. Links baumelte eine am Handgriff befestigte volle Plastiktüte herunter, rechts dasselbe.

In diesen Tüten waren aber keineswegs Zelt, Schlafsack und Campingkocher verstaut, sondern schmutzige Wäsche. So ziemlich alles, was ich jenem Freitag an Kleidung mitgenommen hatte, war vollgep...... und vollgesch.... .

Und das hatte eine prima Ursache: Am Donnerstagabend wurde mir die Sonde aus meinem Vorderausgang entfernt. Endlich! Und trotz Warnung des Herrn Dr. Vargas gab es keine schlimmeren Folgen. Ein klein wenig Unwohlfühlen, mehr nicht.

Die Sache da unten scheint also wieder zu funktionieren, allerdings noch recht unkontrolliert. Da ich aber sofort wieder den gestrengen Regeln hinsichtlich der Dies-und-Das-Macherei in der KiTa unterworfen wurde, war mir auch gleich am nächsten Morgen das Benutzen von Windeln wieder hundertprozentig verboten worden. Mit vollem Einverständnis Mamis und Papis.

Nun ja, das ging zwar in die Hose - aber nur im physischen Sinn.

Samstag, 4. September 2010

Wenn Unbegreifliches passiert

Und wieder ist eins vollbracht.
Eines dieser Wunder, die die Damen und Herren im weißen Kittel jeden Tag unzählige Male auf diesem Planeten vollbringen.
Und je näher ich dran war, desto unfassbarer wurde es für mich.
Nahe dran ist dabei ja noch eine glatte Untertreibung - denn das Wunder fand sozusagen in mir drin statt.

Und besser hätte es anscheinend kaum laufen können.

Noch am Dienstagabend erfuhren wir, dass man die Behandlung per Vene bezüglich der Langzeitfolgen als zu risikoreich ansehen würde, also wurde von vornherein auf OP am offenen Herzen umdisponiert. Um 8 Uhr sollte es losgehen am Donnerstag, es wurde kurz nach 9 daraus.

Papi meint, für ihn sei das Beeindruckendste an dem ganzen Prozess meine Verabschiedung gewesen. Als ob ich zu einer feinen fiesta aufbrechen würde, verabschiedete ich mich strahlend und winkend von Mami und Papi, als die Ärzte mich in die Katakomben entführten, die zum Operationssaal führen. Da war nichts mit Medicomania. Und das immerhin in dem Moment, in dem es Eltern das Herz zerbrechen will. In dem Gedanken wie "Ist es das letzte Mal, dass ich mein Kind lebend sehe?" unvermeidlich erscheinen.

5 Stunden waren für die OP angesetzt, aber bereits nach 3-einhalb Stunden wurden Mami und Papi gerufen - der Eingriff wäre schon beendet. Ein kurzes und banges Restwarten und die Frau Doktor erschien mit der frohen Nachricht im Gepäck: Alles sei bestens verlaufen, ich war bereits dabei aufzuwachen und in etwa einer Stunde könnten sie mich sehen. Gleichzeitig klärte sie Mami und Papi darüber auf, dass es eine weise Entscheidung gewesen war, eine "richtige" Operation durchzuführen, denn aus verschiedenen Gründen hätte bei der "Regenschirmvariante" per Vene große Gefahr bestanden, dass sich das Implantat bald wieder gelöst hätte. Und dann hat man ein echtes Problem. Gar nicht so sehr, weil das Loch wieder unverschlossen ist, sondern vielmehr weil das Implantat dann irgendwo im Blutkreislauf herumschwimmt. Überleben unwahrscheinlich.

Direkt nach der OP kam ich auf die Intensivstation. Ein Aufenthalt hier für mindestens 24 Stunden ist obligatorisch nach einer solchen Prozedur. Und trotzdem erfüllte ich nicht einmal dieses Soll, auch hier ging es schneller. Der erste Anblick meines Körpers war trotz aller Vorbereitung und Erfahrung ein Schock für Mami und Papi. Dabei geht es nicht um die ganzen Schläuche, an die mein Körper angeschlossen war oder um die Sauerstoffmaske. Es ist die Operationswunde, die einfach furchtbar aussieht, obwohl es sich um eine blitzsaubere Sache handelt.

In der Nacht auf der Intensivstation bekam ich etwas erhöhte Temperatur, was Papi, der sich zu der Zeit im Hospital aufhielt, aber nicht in Panikzustände versetzte, da alles im Rahmen des Normalen und zu Erwartenden lag. Mit immer noch ein wenig erhöhter Temperatur wurde ich dann schon nach 20 anstatt der oben angesprochenen 24 Stunden auf mein neues Zimmer verlegt. Jetzt war Mami bei mir und ich zeigte ihr und den vielen Besuchern, wie bärenstark ich bereits wieder war. Nicht zu fassen!

Und wenn jetzt keine Probleme mehr auftreten, dann komme ich schon am Montag, sprich übermorgen, nach Hause. Und mein Leben geht irgendwie nicht nur weiter, sondern auf eine gewisse Weise beginnt es noch einmal von vorn. Und das ist fantastisch.

Danksagung

Ich möchte nicht versäumen, folgenden Personen und Institutionen meinen zutiefst empfundenen Dank aussprechen:

- dem Patrocinato Corazón Amigo für die finanzielle Absicherung
- dem Hospital Cardiológica de Aguascalientes für das Bereitstellen der notwendigen Räumlichkeiten und Ausrüstung
- dem kompletten medizinischen Team - namentlich genannt sein sollen Frau Dr. Issadora Marmolejo und Dra. Brenda - für ihre hervorragende Arbeit
- allen Leuten, die ihr Blut für mich gespendet haben; Allen, die versucht haben, ihr Blut für mich zu spenden und Allen, die bereit waren, ihr Blut für mich zu spenden
- allen Leuten, die - in welcher Form auch immer - Anteil an meiner Situation genommen haben und nehmen.


Mit ein wenig Glück wird es in den nächsten Tagen auch ein paar Fotos geben.

Und damit wünsche ich Euch ein feines Wochenende

Euer Max

Dienstag, 31. August 2010

Heiteres Termineraten oder Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Uhrwerk

Tja, Ihr Lieben.
Ich bin jetzt nicht so ganz schlüssig, wie ich Euch die jüngsten Ereignisse darbieten soll.
Auf gar keinen Fall möchte ich dem Ernst der Situation nicht gerecht werden, andererseits will ich sie auch nicht ernster darstellen, als sie ist. Und ich möchte auch keine Leute, Institutionen oder gar Nationen in irgendeine Schublade stecken.

Was also tun?

Wie wäre es mit "einfach erzählen, wie's rauskommt"?
Okay, ich unternehme den Versuch:


"Wenn der Vorbereitungsprozess zu Irgendetwas relativ chaotisch verläuft, gibt es eigentlich wenig Anlass zu glauben, dass es mit dem Vollzugsprozess anders aussehen wird." - dachte Papi schon vor ein paar Wochen.
Ohne Papi jetzt in einer Liga mit Konfuzius spielen lassen zu wollen, muss ich doch zugeben, dass sein Gedankengang nicht so falsch war.

Wir hatten heute um 14 Uhr einen Termin im Hospital, in dem mein Herz repariert werden wird. Mami und Papi und ich waren gebeten worden, dabei zu sein. Also standen wir um 13:30 Uhr zu dritt auf der Matte. Wir hatten nur eine ungefähre Vorstellung davon, worum es gehen würde. "Ein Gespräch mit den Ärzten" war mehr oder weniger der Einladungstenor gewesen.

Wir ungeduldeten uns ohne Probleme ... die Klinik bietet so viele schöne Ecken, in denen ich mich verstecken kann ... und um 14:30 Uhr gab es keinerlei Aufstand, als das Hospital uns in einer kleinen Futterbude um die Ecke zum Essen einlud. In jenem Moment erfuhren wir auch wieder ein paar Dinge. Der Termin war auf 14 Uhr gelegt worden, weil ein paar Doktoren aus Monterrey, die das Team des Hospitals in Aguascalientes bei den Operationen unterstützen werden, etwa eine halbe Stunde vorher am Flughafen Aguascalientes ankommen sollten.

Selbst mexikanische Inlandsflüge kommen nicht immer ganz pünktlich an und auch Doktoren haben um die besagte Uhrzeit herum manchmal Hunger. Dank eines komplett neuen Kommunikationssystems namens (deutsch) "Handy" erfuhr die Hospitalleitung recht schnell von der Verwirklichung der Hungerbekämpfungsmaßnahmen der Delegation aus Monterrey ... und reagierte.

Gegen 15:30 Uhr war das "um die Ecke-Futtern" erledigt und die komplette Mannschaft marschierte zurück um die Ecke. Und musste jetzt nur noch etwa 20 Minuten warten, um die Information zu erhalten, dass die Königsberger Delegation in ca. 10 Minuten eintreffen würde. Was sie tatsächlich tat.

Und das gab eine sehr fröhliche Begrüßungszeremonie zwischen allen Beteiligten, die sich größtenteils schon kannten. Aufgrund der Verspätung wurde schnell beschlossen, die in jenem Moment notwendigen Worte des Chefs der Königsberger Delegation direkt im Eingangsbereich zu sprechen anstatt im Konferenzzimmer der Klinik. Ein Teil der Worte befasste sich mit dem Vermitteln der Information, dass die gerade angekommene Delegation nur ungefähr die Hälfte der kompletten Delegation darstellte. Die wichtigen 50% der Delegation (sprich die entscheidenden Ärzte) fehlten noch und würden nicht rechtzeitig ankommen, um den vorgesehen Zeitplan der OPs einhalten zu können.

Für mich bedeutete das zu jenem Zeitpunkt nur den Unterschied zwischen einer verbrachten Nacht im Hospital oder zu Hause. Anstatt heute (Dienstag) Abend hospitalisiert zu werden, sollte dies nun morgen (Mittwoch) früh um 8 Uhr passieren. Somit die eigentliche OP eben auch nicht mehr am Mittwoch Morgen, sondern eher am Nachmittag. Viel mehr (ausser dem Essen) kam bei dem heutigen Termin dann auch gar nicht herum, aber mir gefielen diese Wartestunden dort trotzdem ganz gut.

Allerdings - am Mittwoch Nachmittag (also morgen Nachmittag) werde ich mich noch gar nicht im Hospital aufhalten, denn etwa 3 Minuten, bevor ich begann, Euch diesen Bericht zu schreiben, erreichte uns ein Anruf. Die aktuelle Einlieferungszeit lautet jetzt nicht mehr 8 Uhr morgens, sondern 7 Uhr abends am morgigen Mittwoch. Aktueller OP-Termin ist Donnerstag 8 Uhr morgens. Die noch unvollständige Königsberger Delegation hat noch ein wenig am Terminplan herumgefummelt.

Während ich hier die Finger auf die Tasten klopfe, sitzt Mami links von mir und ruft gerade alle Leute an, die höchstwahrscheinlich morgen gegen Mittag höchstpersönlich im "Hospital Cardiológica Aguascalientes" aufgelaufen wären und an der Rezeption nach meiner Zimmernummer gefragt hätten.

In Wirklichkeit ist natürlich nichts weiter passiert, als dass mein OP-Termin um 24 Stunden verschoben wurde. Und ich kann Euch garantieren, dass es nicht unbedingt negative Auswirkungen sind, die heute zu Buche geschlagen haben. Zum einen war da dieses gemeinsame Essen - bei dem plötzlich klar zu werden schien, dass wir (die Beteiligten, Auserwählten, Lotteriegewinner) jetzt keine Konkurrenten mehr sind. Konkurrenten um einen der wenigen zu vergebenden OP-Plätze. Plötzlich waren wir ein Team.
Und nach der Ankunft der "Vorhut" der Königsberger Delegation stellten wir gemeinsam außerdem einen starken Stimmungsumschwung fest. Von angespannten Nerven oder Körpern war auf einmal kaum noch etwas zu bemerken. Ein großer Optimismus machte sich breit.

Und die nächsten und neusten Veränderungen am planlosen Planspiel, die werdet Ihr hier natürlich auch so gut wie live erfahren.
Falls nicht bis morgen 19 oder übermorgen 8 Uhr .... na, dann bin ich eben gerade im OP.

Sonntag, 29. August 2010

So viel Herzblut ... und wie ich küsse

So, ein paar Fragen sind noch offen und zumindest ein Teil davon soll hier beantwortet werden.

Zuerst einmal ist da die Frage, ob wir das Soll an Blutspenden erfüllt haben.

Ja, wir haben.
(Und ich glaube, wir hätten auch die doppelte Anzahl erreicht, wenn ich mir so ansehe, wer allein hier vor Ort noch alles bereit war, zu versuchen, als Spender akzeptiert zu werden.
5 der Spenden werden übrigens, wenn ich sie nicht selbst benötige [Erklärung im folgenden Abschnitt], an ein Kind aus Zacatecas weitergespendet, deren sehr kleine Familie inkl. Freunde nicht in der Lage ist, so viele Blutspenden in Aguascalientes zu leisten und dessen herzliche Situation laut der Ärztin auch noch viel komplizierter ist als meine eigene.)



Daraus ergibt sich sofort die zweite Frage:
Warum so viele Blutspenden (10), wenn es doch eigentlich keine Operation am offenen Herzen sein soll?

Es geht hierbei darum, eine Notreserve zur Verfügung zu haben. Denn es kann sein, dass der Verschluss des Loches in meinem Herzen letztendlich aus irgendeinem Grund doch nicht per Vene (wie geplant) funktioniert. Papi benutzt da gern den Vergleich mit einer Geburt. Bis zum letzten Moment können alle Vorabuntersuchungen darauf hindeuten, dass einer natürlichen Geburt nichts im Wege steht. Und am Ende geht es dann doch nicht, weil Dieses, Jenes oder noch ganz etwas Anderes dazwischenkommt. Etwas ähnliches kann bei meiner Herz-OP auch passieren (z. Bsp., dass meine Venen ganz einfach zu eng sind). Für diesen Fall hat die ausführende Frau Doktor bereits angekündigt, ohne Umschweife zum Skalpell greifen zu wollen.


Auch die Frage nach dem "Wann" hat mittlerweile ihre Antwort gefunden:

Am Dienstag Abend soll ich hospitalisiert und am Mittwoch Vormittag operiert werden.


Was ist eigentlich mit meinen Zähnen (Karies) und meinem leichten Schnupfen?

Das mit den Zähnen ist terminlich wirklich schade gelaufen, da genau fuer den Tag meiner Herz-OP ein ziemlich kompletter Eingriff inklusive Anaesthesie im Teletón vorgesehen war. Diese Termine können dort ob der Nachfrage (die Eingriffe finden außerdem nur donnerstags statt, das C.R.I.T. ist keine Klinik) nur in etwa halbjährlichen Intervallen vergeben werden, dementsprechend ist der neue Termin (nachdem Papi den aktuellen selbstverständlich abgesagt hat) fuer Februar 2011 angesetzt. Mit etwas Glück komme ich aber trotzdem eher dran, da ich ob meines Alters eigentlich im Dezember "rausfliegen" werde aus dem Teletón-Programm, die Regeln aber besagen, dass ein bereits gemachter Termin gewährleistet werden muss. In solchen Fällen drängt die Direktion angeblich auf Vorverlegung.
Damit meine Karies und der leichte Schnupfen nicht zum Problem fuer die Herz-OP werden, nehme ich bereits seit einigen Tagen Antibiotika ein, womit sich meine Medikamentenzufuhr wieder einmal auf 5 verschiedene (einige davon mehrmals) Pillen, Tropfen und Säfte pro Tag beläuft.



Warum findet die Herz-OP jetzt schon statt, wo doch die Ärzte in "La Raza" in Mexiko-Stadt noch ein paar Jahre warten wollten?

Diese Frage wird mir sehr häufig gestellt. Grundsätzlich gilt, dass diese Art von OP umso sicherer ist, je größer das Herz des Patienten ist. Die Doktoren in Mexiko-Stadt waren sich zwar einig, dass mein Herz irgendwann repariert werden müsse, sahen aber keine Dringlichkeit. Daher der Plan, es erst in 2 oder 3 Jahren zu erledigen.
Nun ergab sich die Möglichkeit, die ganze Sache hier in Aguascalientes über die Bühne zu bringen, was selbstverständlich eine Unmenge Vorteile hat. Im Unterschied zu "La Raza" (Spezialitätenhospital des IMSS) reden wir hier vom "Hospital Cardiológica de Aguascalientes" - vor kurzem unter die 3 besten Privathospitale ganz Mexikos gewählt. Mit Spezialisierung auf Kardiologie. In "La Raza" wäre es letztendlich nur ein Arzt - wenn auch einer der renommiertesten des ganzen Landes - der sich um mein Herz gekümmert hätte, da die anderen Koryphaeen in "La Raza" eben in ihrer ganz bestimmten Spezialität Koryphaeen sind, nicht aber in der Kardiologie. Hier ist es jetzt ein ganzes Team von absoluten Herzspezialisten, welches sich bereits mehrfach zusammengesetzt hat und die ausführende Frau Doktor natürlich nicht allein lässt. Und dieses Team ist der Meinung, dass diese OP an meiner Pumpe durchaus jetzt schon vorgenommen werden kann, ohne dass irgendein größeres Risiko besteht.



Und dann war da noch die Neuigkeit "Wie ich küsse".

Ich bin nicht sicher, ob ich Euch überhaupt schon erzählt habe, dass ich nicht unbedingt der Knutsch- und Knuddeltyp bin. Selbst Umarmungen lasse ich nur von ganz, ganz wenigen Leuten zu, ohne dass ich sie wirklich beantworte. Mir ist dabei aber klar, dass die Leute solche Sachen gern mögen und es liegt in meiner Natur, den Leuten das geben zu wollen, was sie mögen.
Papi war es wieder einmal, dem da so ein komischer Einfall kam, der sowohl meiner eigenen "Schüchternheit" als auch dem Bedarf anderer Leute an Sympathiebezeugungen gerecht wird. Ich mache einen Knutschmund, drücke die Spitze meines Zeigefingers darauf und drücke dieselbe Spitze meines Zeigefingers dann auf die Wange des Sympathiebedürftigen. Ihr macht Euch kein Bild, was das fuer gigantische Reaktionen hervorruft. Bin ich wirklich so anders?
Naja, andererseits sind die Leute so bewusste Aktionen von mir einfach noch nicht gewohnt. Ich bin ja auch noch nichtmal 4 Jahre alt.
Sicher ist jedenfalls: Diese meine Art der Liebesbezeugung hinterlässt garantiert keine Knutschflecke!


Und wenn dieser kleine Bericht jetzt etwas "trockener" oder ernster klang als erwartet oder gewöhnlich, dann lasst Euch versichern, dass ich trotz aller optimistischen Gedankengänge ein klitzekleines bisschen nervös bin.

Donnerstag, 19. August 2010

Warum ich als Kleinkind Viagra nehme

Wenn ich mit meinen dreieinhalb Jahren "Sildenafil" - vom Medikamentenkonzern Pfizer unter dem Namen "Viagra" auf den Markt gebracht - täglich zu mir nehme, dann könnt Ihr Euch vorstellen, dass etwas im Busch ist.
Seit wenigen Tagen mehr als nur im Busch, denn nach monatelangem Chaos kann ich Euch nun verkünden, dass gestern, heute oder morgen in zwei Wochen mein Herz operiert werden wird (wenn nicht noch Krankheit oder anderes Ungemach dazwischen kommt).

Ich habe vorher nichts davon erzählt, da uns die Erfahrung gelehrt hat, dass uns eine große Enttäuschung nach einer großen Hoffnung allein im engsten Kreis schon genug zu schaffen macht. Und so toll herzliche Anteilnahme auch ohne Frage ist, meint Papi, dass die Nachfragen vieler, vieler lieber Leute im Falle einer Enttäuschung diese eher noch schlimmer macht. Ergo: Wer von nichts weiß, kann auch nicht nachfragen.

Aber der Reihe nach .... so gut es geht:

Vor einer ganzen Reihe von Monaten bekamen wir einen Anruf. Das "Patronato Corazón Amigo" würde in Zusammenarbeit mit dem "Hospital Cardiológica" Aguascalientes eine bestimmte Anzahl kostenloser Herzoperationen zur Verfügung stellen. Wenn wir interessiert wären, sollten wir uns bitte dann und dann zu einem ersten Kennenlerntermin einfinden. Was wir taten. Ich landete als Kandidat in den Listen. Und das Chaos nahm seinen Lauf.

Jede Menge Untersuchungen. Klar. Die sind notwendig. Ich blieb ein Kandidat. Es wurden bereits ungefähre erste OP-Termine genannt.

Dann kam es zur ersten Verschiebung. Leute vom Patronato müssten dieses und jenes sehen. Aber keine Bange, nur eine Verschiebung. So ging es weiter, ich blieb ein Kandidat.

Die Zeit ging ins Land, plötzlich hieß es wieder: Echokardiogramm.
Geschickterweise so organisiert, dass alle verbliebenen Kandidaten am selben Tag zur selben Uhrzeit bestellt wurden. Da Papi das nicht wusste, kamen wir nur etwa 15 Minuten vor diesem frühmorgendlichen Termin an und waren damit so ziemlich die Letzten (von wegen Unpünktlichkeit in Mexiko!!!), was bedeutete, dass die vollziehende Frau Doktor mich gerade noch so vor ihrer Mittagspause (zeitlich betrachtet nach mexikanischen Gepflogenheiten) auf ihren Tisch neben dem bunten Monitor bat.

Die Zeit war nun aber wirklich kein Problem.
Ein Problem war, dass bei dem Echo festgestellt wurde, dass der Druck in einer meiner Herzkammern etwas höher als der Normaldruck war. Zu hoch, um operiert werden zu können. So ein Mist!

Aber, oh Wunder ... ich blieb ein Kandidat!!!!!

Denn fuer solchen Überdruck gibt es zwar nicht unbedingt Ventile, aber es gibt pulmonal-arterielle Gefäßwiderstandsbrecher. Und um diesen Widerstand in meinem Inneren zu brechen, kam oben genanntes Produkt auf dem Hause Pfizer ins Spiel.

Da ich ein Kind bin, noch dazu ein kleines, brauche ich natürlich nicht die volle Ladung. Zwei Mal pro Tag ein Viertel einer solchen blauen Pille lautet mein Rezept. Habt Ihr schonmal versucht, eine Viagra-Pille zu vierteln? Im Wissen, dass jede einzelne der Pillen etwa 200 Peso (ungefähr 12,30 Euro) wert ist?! DARAUF hätte Papi mal mit der Videocam halten sollen.

Immer wenn Papi versucht hat, mal ein misslungenes Viertel zu stibitzen, gab's von Mami was auf die Finger. Aber das war erst, nachdem ich anfing, das Zeug überhaupt zu nehmen. Denn in dem Moment, als ich anfangen sollte, Viagra in mich zu stopfen .... die ersten drei Schachteln mit jeweils 4 Tabletten lagen bereit .... schlug jemand anderes zu. Herr Windpocker nämlich. Wow!

Eine Woche zu Hause bei Papi, das war toll. Und weil ihm irgendjemand jede Menge alternativmedizinische Tipps anvertraut hatte, kam ich in den Genuss von jeder Menge aufblasbarem Swimming Pool und vielen anderen Dingen. Die stürmischen Pocken nahmen auch wirklich einen Super-Verlauf und heilten hervorragend ab .... nur Viagra, das ging nicht in der Zeit. Puuuhhh. In der Zeit, die so langsam zu rennen begann.

Aber ich war noch immer ein Kandidat.
Sobald von den Doktoren der hohe Viagra-Daumen kam, legte ich los wie ein 95-jähriger Playboy mit eigenem Penthouse. Und es behaupte niemand, Viagra wäre wirkungslos! Zumindest wenn es um Überdruck geht - zum Unterdruckproblem kann ich bisher nichts sagen.

Festgestellt wurde die deutliche Verbesserung vor etwa zwei Wochen.
Und vor etwa einer Woche kam ein erneuter Anruf.
Ich bin jetzt kein Kandidat mehr .... wurde mir da mitgeteilt.
Ich bin jetzt eines von 5 ausgewählten Kindern, die operiert werden (wenn eben nicht noch Dieses oder Jenes dazwischen kommt).
So richtig fassen kann ich das noch nicht.
Und das Chaos hat jetzt erst so richtig begonnen.

So gut wie jeden Tag werden jetzt Tests gemacht.
Seit vorgestern bis zum 30. August muss ich außerdem 10 Leute finden, die bereit sind, Blut fuer mich zu spenden. Bis zu diesem Moment haben bereits 3 Blut gelassen. An dieser Stelle kurz: kein kleines, sondern ein riesengroßes Dankeschön an alle Leute, die ohne Wenn und mit noch viel weniger Aber bereit waren, sich fuer mich den Blutzapfhahn anlegen zu lassen, aber in diesem Fall aufgrund der lokalen Beschränkung der Aktion nicht helfen können!!!!!!!!!!!

Die OP wird am 1., 2. oder 3. September 2010 stattfinden.
Man wird mir dabei nicht den Brustkorb zerschmettern, sondern die notwendige Korrektur wird via Hauptvene vollzogen werden. Soweit ich es verstanden habe, wird das Ding, welches das Loch in meinem Herzen stopfen soll, regenschirmartig zusammengefaltet am Ende eines langen Drahtes befestigt und in eine Hauptader (die zu meinem kaputten Herz führt) eingeführt und durch diese Ader in Richtung Herz transportiert werden. Dort angekommen wird ein wenig herumgefummelt werden, bis das Ding korrekt in dem Loch sitzt. Bereit zum "Aufspannen des Regenschirms"....

Ok, ich will da jetzt nicht noch weiter ins Detail gehen, denn es handelt sich immerhin um mein Herz und nicht um Papis Auto, bei man mal schnell einen Draht in irgendeinen Schlauch schieben kann.

Eine Sache will ich noch erzählen.

Nachdem die Entscheidung gefallen war, dass ich kein Kandidat mehr bin, wurde ich zu einer Pressekonferenz gebeten. Ich ging hin und drei der 5 Kinder, die operiert werden, waren auch da. Bei dieser Pressekonferenz ging es unter anderen Dingen darum, dass die Supermarktkette "OXXO" dem Patronato einen Scheck überreichte. Einen Scheck über knapp 200.000 Peso. Resultierend aus der Aktion "Redondeo" (Aufrunden).

Warum ich dies erzähle?
Ganz einfach.
Es gibt nach wie vor unwahrscheinlich viele Gerüchte bezüglich Hilfsaktionen wie eben zum Beispiel dieser - man wird in Mexiko oft an einer Supermarktkasse gefragt, on man nicht gern einen Centavo-Betrag dieser oder jener Aktion zugute kommen lassen würde.
Was auch immer dahinter stecken mag, was auch immer hinter den Kulissen vorgehen mag: WAS DABEI HERAUSKOMMT, IST FUER DIE BETROFFENEN WIE DAS GESCHENK IHRES LEBENS!

Donnerstag, 12. August 2010

Die Erleuchtung - Naturphänomen Wetterleuchten in Mexiko (Video)

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Gestern Nacht wurde ich durch ein Naturschauspiel geweckt, welches zwar ganz typisch in Mexiko oder zumindest in der Region von Aguascalientes ist, das ich aber noch nie in solch einer Intensität miterleben durfte. Das wirklich Beste habe ich nicht mit der Kamera festhalten können, aber vielleicht gibt das folgende Video doch einen kleinen Eindruck des Gesehenen wieder. Am Himmel über Aguascalientes in südlicher Richtung wetterleuchtete es, das es eine Freude war. So gut wie alle Nachbarn waren aus ihren Betten gekrochen, um sich das anzusehen. Das Videofenster gibt nur einen Teil des Gesamtbildes wieder - der ganze Himmel war voll von Blitzen und Leuchten. Da ich nicht weit genug von künstlichen Lichtquellen wegkam, lässt leider auch die Schärfe zu wünschen übrig:

Dienstag, 3. August 2010

Das neue Mexiko-Forum: Ein Board für Insider, Experten, Interessierte und Freunde

Nur damit nicht irgendjemand irgendwann sagt: "Hätte ich das gewusst!"

Es gibt ein neues Mexiko-Board.
Gedacht ist es als Ergänzung zur bewährten Community, in der man zig-Tausende Beiträge zum Thema "Mexiko" findet.

Die Ausrichtung bzw. der Schwerpunkt des neuen Forums - made by cabronsito - liegt in den Interessen absoluter Mexikokenner. Per Definition geht es um das, was Leute interessiert, die
- in Mexiko leben
- in Mexiko gelebt haben oder
- in Mexiko leben wollen.

Dabei handelt es sich aber nur um eine unzulängliche orientierende Definition.
Generell ist jeder willkommen, der ein wie-auch-immer-geartetes-Interesse am Board haben könnte .... solange es sich um Interesse im positiven Sinne handelt.
"Idiotensicher" im wahrsten Sinne des Wortes ist das Forum.
Und sooo viele "Idioten" gibt es ja gar nicht, wie wir wissen.

>>> ZUM FORUM

Mittwoch, 30. Juni 2010

Mexiko: Das Fußball-WM-Spiel Deutschland - Argentinien im Kino

Am kommenden Samstag steigt es wieder, ein WM-Viertelfinale unserer Mannschaft gegen Diego Maradonas Argentinier.
Kurioserweise fordern viele meiner mexikanischen Freunde ausgerechnet von mir, dass "wir" (wieder einmal) Rache für das Ausscheiden der Mexikaner gegen Argentinien nehmen müssen.
Nun, dass Deutschland die Argentinier nach Hause schickt, dagegen habe ich überhaupt nichts einzuwenden. Mit "Rache" allerdings tue ich mich ein wenig schwer.

Wie auch immer - für diejenigen, die es nicht wussten und die das eventuell interessiert: In Mexiko kann man sich dieses Spiel im KINO ansehen. Und zwar bei Cinepolis (möglicherweise auch in anderen Kinos).

Wenn Ihr wissen möchtet, ob das Cinepolis in Eurer Nähe dabei ist (in Aguascalientes wird uns diese Möglichkeit vorenthalten):

>>> Zur Kinosuche

Mittwoch, 23. Juni 2010

Operation gelungen - Patient .... ein wenig verwirrt

Es muss ja nicht immer Maximilian sein.
Heute war Niklas mit einem kleineren operativen Eingriff dran ... sein erster übrigens.

Gegen Mittag meiner Zeit rief ich die Cabronsita auf dem Handy an und sie wollte mich sofort an Niklas weiterleiten.
Folgender Dialog ergab sich.

Papi?

Hey, mein Held! Hast Du das geschafft!

Papi??!!!!

ja, super, alles ist vorbereitet! Was willst Du sehen, essen, trinken?!!!

Papi??!!!

Was ist denn los?

Aber ich werde doch gerade erst operiert werden!

(Stimme der cabronsita aus dem Hintergrund)
"Niklas, Du wurdest doch schon operiert!!!"

Ich : "Niklas, die OP ist schon vorbei!!!"

was?!!! ....


Er hat es gar nicht mitbekommen.
Das Schlimmste sind die Schmerzen, die er JETZT hat.
Ansonsten alles i. O.

Donnerstag, 21. Januar 2010

Was Mamis Abwesenheit in der vergangenen Nacht mit einem korrupten Beamten zu tun hat

Update:

Es ist jetzt 20:12 und vor etwa 2 Minuten kam der Anruf, dass die beiden nun endlich "drin" sind. Meine Mami ist also mittlerweile knapp 23 Stunden vor Ort.


Wir 3 Männer - mittlerweile alle schon wieder gesund - haben die letzte Nacht allein in der Höhle verbracht. Für mich, wenn ich einmal genau nachdenke, die allererste komplette Nacht ohne Mami, von Krankenhausaufenthalten einmal abgesehen.

Was ist passiert?

In Aguascalientes wird demnächst ein neues Hospital unter der Regie des "Instituto Mexicano de Seguro Sociál" (kurz IMSS) gebaut werden. Dieser Umstand hat die Schaffung einer ganzen Menge Arbeitsplätze als Folge. Immer noch heißbegehrte Arbeitsplätze, wie sich herausstellte. Wohl weniger wegen der Bezahlung selbst als wegen der Jobsicherheit und der Sozialleistungen.

Da man im IMSS viel Wert auf familiäre Bindungen legt, hat man sich folgendes System bei der Vergabe der Arbeitsplätze ausgedacht:
Jeder Mitarbeiter darf einen Familienangehörigen empfehlen, wobei den Mitarbeitern mit der längsten Zugehörigkeit der Vorzug gegeben wird.
Wie es der Zufall will, ist meine Mami beim IMSS beschäftigt und ihre Zugehörigkeit könnte man so bezeichnen, dass Mami sich zu 100% um mich kümmern können wird, wenn ich 10 Jahre alt werde (ich bin gerade 3 geworden).

Nun hat meine Mami eine Schwester - aus deren Bauch übrigens in den nächsten Tagen mein/e jüngste/r Cousin/e kommen wird, die trotz Universitätsstudiums und ursprünglich ganz anderer Pläne für ihr Arbeitsleben mittlerweile doch die Sicherheit eines Jobs im IMSS vorziehen würde. Also hat Mami sich vorgenommen, sich um die Angelegenheit zu kümmern.

Man sagt, das Interesse wäre eigentlich gar nicht sehr groß gewesen, beim IMSS vorstellig zu werden, und das aus gutem Grund. Angeblich hätte der Verantwortliche beim "sindicato" (Gewerkschaft, zuständig für die Einstellungen und Verträge) gegen ein geringes Entgelt bereits Zusagen für alle zu vergebenden Stellen gemacht. Dieses Pro-Kopf-Entgelt kann man etwa mit 1500 multiplizieren, denn um so viele Arbeitsplätze geht es ungefähr.

Da man in Mexiko aber anscheinend doch einige Dinge verbessern möchte, hat man gestern ein Signal gesetzt. Der genannte Beamte wurde kurzerhand entmachtet und es sollen Leute aus der Zentrale des IMSS in Mexiko-Stadt kommen und die Angelegenheit über die Bühne bringen. Um 10:30 Uhr heute sollen die Tueren geöffnet werden, wobei aber schon vorher "fichas" vergeben wurden.

Als diese Information durchsickerte, liefen die Telefonleitungen unserer Stadt heiß.
Gestern Abend gegen 19:00 standen schon etwa 200 Leute Schlange, um eine dieser begehrten "fichas" zu ergattern. In diesem Moment sind es über 2000.
Und meine Mami entschied sich kurzerhand, sich unters Volk zu mischen, obwohl sie niemanden fand, der heute für sie arbeiten könnte - so etwas geht im IMSS - da alle in Frage kommenden Kolleginnen selbst in der Schlange stehen.

Die Entscheidung wurde kurzerhand gegen 9 Uhr gestern Abend getroffen. Papi packte Mami alles zurecht, was von Nutzen sein könnte: Campingstuhl, Schlafsack, Kaffee & Tee etc.
Das meiste davon war unnötig, wie sich herausstellte, denn - wie auch immer sie es bewerkstelligt hat - Mami fand einen Parkplatz für ihr Auto direkt neben der Schlange. Der Campingstuhl, den sie jemand anderen benutzen ließ, markiert ihren Platz und sie verbrachte den größten Teil der kalten Nacht schlafend im Auto, wie sie uns gerade per Telefon berichtete.

Ihre "ficha" hat sie und meine Tante, die anwesend sein muss, ist mittlerweile vor Ort. Für die Zeit, die Mami wegen dieser Aktion nicht an ihrem Arbeitsplatz sein kann, gibt es eine Sondergenehmigung. Es dürfte also in diesem Moment einige unangenehme Szenen geben im IMSS Aguascalientes, da das Gros der Angestellten entschuldigt fehlt.

Jetzt fehlt nur noch, dass die ganze Aktion auch von Erfolg gekrönt wird. Aber selbst im Falle eines negativen Ausgangs ist Mami meine Heldin Tages.

Hier in der Höhle wäre ihr übrigens wahrscheinlich das Auto aufgebrochen worden, denn Mamis Auto übernachtet auf der Straße und als ich mich mit Papi in aller Frühe auf den Weg in meine KiTa machte, entdeckten wir, dass unserem Höhlennachbar die Autoscheibe eingeschlagen wurde, um das Radio zu klauen. Und Mami "vergisst" nur allzu gern, ihr Radio zu verstecken, wenn sie ihr Auto für längere Zeit abstellt.

Habt eine feine Restwoche
Euer Max

Sonntag, 17. Januar 2010

Calendario escolar 2009 - 2010 Aguascalientes, México (Abríl, Feria de San Marcos, Semana Santa)

Como buenos ciudadanos hidrocálidos sabemos que nuestras vacaciones escolares en abríl difieren de las del resto de república. Y como por otra parte nos es tan fácil encontrar el calendario escolar 2009 / 2010 de Aguascalientes en la red simplemente lo voy a copiar para ustedes:

Imagen © IEA Aguascalientes

Calendario escolar 2009 - 2010 Aguascalientes, México Abríl, Feria de San Marcos, Semana Santa

Para ver el calendario más grande haga Click aqui.

Mittwoch, 11. November 2009

Jeden Morgen komme ich am Therapiezentrum vorbei

Und ich habe Euch ja schon erzählt, dass ich mich mittlerweile etwas auskenne in meiner Stadt und jedes Mal verrückt spiele, wenn wir dort vorbei fahren.
Leider ist der Grund für dieses eigenartige Verhalten für dieses Jahr leider schon vorbei. Der Zyklus meiner Wassertherapie ist zu Ende. Sowas Doofes aber auch.

Jeden Morgen komme ich am Therapiezentrum vorbei, storytellers, Maximilian, Behinderung, Down-Syndrom, Aguascalientes, Mexiko,

Na, vielleicht ist es aber auch besser so, denn auch tagsüber ist es momentan relativ frisch (Ihr in Zentraleuropa lacht nicht darüber! Ich bin Mexikaner und dementsprechend an die hiesigen Klimaverhältnisse gewöhnt. Alles, was unter 20°C um die Mittagszeit ist, nenne ich "frisch") und krank werden möchte ich nach Möglichkeit nicht so bald wieder.

Auf der anderen Seite beginnt sofort ein neuer Zyklus meiner physischen Therapie. Und das ist jetzt In Di Vi Du Al - Therapie! Der Armando kümmert sich nur um mich! (Bisher war es immer in einer kleinen Gruppe, die aus ungefähr 2 Kindern pro Therapeut bestand.) Und da wir da jetzt schon richtig feine Sachen machen, freue ich mich auf diese Stunde genau so wie ich mich vorher auf das Wasser gefreut habe. Gestern war die erste Session und ich wollte gar nicht, dass sie aufhört. Als Papi mich dann um 07:45 Uhr in die Kinderkrippe brachte, fragten alle, warum ich denn so ....hmmm.... unfreundlich gesinnt war.

Aber morgen ist schon die nächste Stunde.
Und selbst an der Sprachtherapie habe ich Freude im Moment.
Und auch bei den Ärzten weine ich nicht mehr.
Toll, oder?

Montag, 2. November 2009

Maximilian: Und ich hatte doch noch mein Halloween (Video)

Da Papis Fotokamera meist nicht will, musste jetzt eben die Videokamera herhalten, damit Ihr zumindest einen klitzekleinen Eindruck von meinem gestrigen Ausflug bzw. von meinem Halloweenkostüm bekommt, das ich nun doch noch vorführen konnte. Gut geht´s mir aber immer noch nicht - jetzt wird es schon bald eine Woche. Sieht man mir auch an, oder? Jetzt schlafe ich wenigstens ruhig und friedlich und ohne Beschwerden, während ich im Traum diese Zeilen schreibe.




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Freitag, 23. Oktober 2009

Maximilian: Als der Tank leer war

So, nun hat Papi mich doch endlich an seinen PC gelassen.
Ich hätte Euch sooo vieeel zu erzählen!
Aber ich muss mich kurz fassen, also nur das Wichtigste:

Ich habe jetzt meine erste post-OP-Runde durch die Praxen der Teletón-Ärzte fast komplett hinter mich gebracht. Und alle diese Ärzte haben mich zwischen gut und ausgezeichnet beurteilt. Das geht von Neuro, Ortho, Pedia u.v.m. über Psycho, Sprache, Lungen/Atmung u.v.m. bis hin zu Nutri (Ernährung), Kardio, Denti (Zähne) u.v.m.!

Toll!
Aber ich habe auch keinerlei Hemmungen!
Ich will jetzt zum Beispiel endlich laufen. Frei laufen. Meine Lauf-Therapeutin sagt, ich schaffe das bis Weihnachten. Kann ich Mami und Papi und meiner Taufpatin (die zu X-mas aus Deutschland herkommen wird) eine größere Freude und mir selbst einen größeren Gefallen tun?
Vielleicht nicht, denn vielleicht wünschen sich Mami und Papi manchmal insgeheim, dass ich still, brav und unbeweglich in meinem Bettchen liegen bleibe wie ich es früher tat. Denn eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist - vor allem jetzt, wo ich (fast) überall ankomme, solange ich mich irgendwo festhalten kann - alles, was ich nur irgendwie in die Finger bekomme, so weit wie möglich wegzuwerfen. Das macht Laune!!!
Vor allem, wenn es so schön laut scheppert, weil es sich um Porzellan oder so etwas handelt. Das kann ich dann sogar hören!

Und ich bin jetzt endlich, endlich im Tank! "El Tanque" ist die kleine Schwimmhalle im Therapiezentrum. Nach einem Tanktag redet Papi immer als "Fisch" von mir. Warum wohl?
Nur ist dieser Tage irgendwie einfach das Wasser aus dem Tank weggelaufen. Tank leer - kein Fisch. Tank muss neu gefüllt und Inhalt dann auf Temperatur gebracht werden. Das dauert. Hoffentlich nächste Woche wieder.

Aguascalientes, Behinderung, Down-Syndrom, Fotos, krank, Maximilian, Medizin, Mexiko, storytellers,
Kamera kaputt, also leider kein aktuelles Foto, aber immerhin ein Foto von mir!

Und ich bin seit meiner Operation gar nicht krank gewesen! Erinnert Ihr Euch, dass ich früher am laufenden Bandwurm eine Halsentzündung oder andere Kleinigkeiten hatte? Nix da im Moment. Papi wickelt mich aber auch jeden Morgen schön ein, denn mittlerweile ist hier in Aguascalientes / Mexiko der Sommer in den Winter übergegangen. Herbst gibt es nie so richtig. Und den Unterschied merkt man nur an den Temperaturen, in erster Linie den Nachttemperaturen, weil tagsüber ist es nach wie vor ziemlich warm.

Meine Operationsnarbe sieht schrecklich aus! Für jemanden, der einen solchen Anblick nicht kennt. Für Mami und Papi und die Ärzte sieht sie großartig aus. Und ich mache Popo!!! Ihr macht euch kein Bild. Doof, dass ich immer noch Windeln brauche. Aber die kombinierte Ärzte-Power meinte angeblich, dass der Moment, um mich an die Toilette zu gewöhnen, noch nicht ganz da ist. So richtig können wir alle das nicht glauben, aber andererseits wollen wir den Ärzten vertrauen. Und da unsere Finanzen eh ein wohl vertrautes Dauerproblem sind, kommt es darauf nun auch nicht mehr an. Meint Papi. Finanziell betrachtetes Popo.

Krabbeln! Ihr wusstet doch, dass ich das eigentlich komplett überspringen wollte? Nun - ich habe folgendes getan:
Vor ein paar Wochen habe ich einfach zwei Kinder gebissen. Denn ich bin schlauer als viele Leute glauben. So eine bissige Aktion hat nämlich Folgen. Ich wurde reaktionell in meiner Kinderkrippe in die nächst "größere" Gruppe umgesiedelt. Und ob Ihr´s glaubt oder nicht - ich war keine zwei Tage in der neuen Gruppe, als ich anfing, richtig toll zu krabbeln. Ganz wichtig sei das, sagen die Ärzte, um dann bald vernünftig zu laufen. Aber die Ärzte kennen eben meine Strategie nicht.

Ist eine Vollnarkose ein Schatten am Horizont?
Ja, ist sie!
Der einzige Schatten im Moment.
Es geht um meine Zähne. Auf meinen unteren Weisheitszähnen sitzt ein wenig Karies. Und es gibt nichts, womit man das hätte verhindern können, sagt die Frau Zahndoktor. Aber das und noch einiges mehr in meinem Mund muss behandelt werden. Obwohl ich mittlerweile meine elektrische Brummmm...Summmm...Zahnbürste liebe.
Da habe ich vielleicht sogar einen wertvollen Tipp für meine Kumpels und deren Eltern:
Zwischen den Zähnen sorgt Zahnseide für Sauberkeit!
Und dort, wo Zähne und Zahnfleisch zusammentreffen, sorgt Reiben mit Gaze für kleine Wunder!
Wie auch immer, ich muss wohl oder übel unter den Hammer die Zahnarztlampe. Etwa eine Stunde wird das dauern, was die Frau Doktor da mit mir anstellen will.
Vorteil: Es wird im Teletón stattfinden (= keine großen Kosten für Papi)
Nachteil: Die bereits erwähnte Narkose. Aber Mami & Papi haben sich davon überzeugen lassen, dass es so besser ist, denn es wird weh tun und ich könnte Probleme mit Verkrampfungen oder sogar mit meinem immer noch kaputten Herzen bekommen, wenn wir es ohne das dope machen würden.

Apropos mein kaputtes Herz: Da gibt es kaum Neuigkeiten (@ Gabriela). Es ist kein Notfall, es ist sehr stabil, aber es muss irgendwann gestopft werden, das Loch. Mindestens ein Jahr zwischen Reparatur der Kolostomie und der des Herzens, sagen die Ärzte. Also frühestens September 2010. Im Hospital "La Raza" in Mexiko-Stadt. Au weia - eigentlich will ich nicht wirklich daran denken. Aber ich muss - wir müssen - das wohl irgendwann.

So viel mehr hätte ich Euch gern erzählt, bevor ich ins Detail gehe ... aber Papi braucht die Leitung schon wieder.

Bis zum nächsten Mal also.
Habt ein feines Wochenende!
Euer Max

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