Mittwoch, 19. Oktober 2011

Was?! Na klar weiß ich, wie das geht! - Eine fotografische Gedächtnisstütze

Ich könnte bestimmt zwei Stunden lang darüber reden, warum Ihr so lange nichts von mir gehört habt. Weitere zwanzig Stunden könnte ich darüber reden, was in der Zwischenzeit alles passiert ist. Tue ich aber nicht.

 Genauso wenig wie ich mich dazu verleiten lasse, zu versprechen, dass jetzt in diesem Blog alles wieder so wird wie es einmal war. Wäre ja auch doof.

 Zeit vergeht. Leute entwickeln sich weiter. Technik schreitet voran. 8 Monate sind eine so lange und doch so kurze Zeit im Leben eines Menschen.

Gut und kurz: Es geht mir ziemlich gut. Vor allem, was meine Gesundheit verglichen mit den ersten vier Jahren meines Lebens anbelangt. Lassen wir - zumindest für den Moment - doch Details einfach beiseite und Bilder für sich bzw. mich sprechen:

SCHARF

Da mag jemand um ein Vielfaches besser aussehen als ich. Ich habe gelernt, was man tun muss, um solche Leute (in diesem Fall meine Cousine, Papis Patenkind) in den fotografischen Fokusschatten zu stellen:



TOMATEN AUF DEN AUGEN? - Nein, Tomate (mex) auf dem Löffel

Richtig gelesen. Das, was Ihr da auf meinem Löffel seht, nennt man in Mexiko "Tomate". Was Ihr und der Rest der Welt als "Tomate" kennt, wird hier als "Jitomate" bezeichnet. Wobei das "J" weich wie in "weich" ausgesprochen wird.

So ein Ding von meinen Gesichtsmuskeln aus gesteuert zu balancieren, ist doch nun wirklich kein Problem:




WAS WAR ZUERST? - MILKA ODER SCHOKOLADE (náhuatl: xocolatl )?

Gleich noch einmal etwas, um die Herkunft von Wörtern und Sprachen etwas besser zu verstehen.
Sowieso gilt: Eine Torte auf dem Tisch ist überhaupt nichts wert, solange mein Gesicht nicht in sie hinein gedrückt wurde. Nicht einmal eine Schokoladentorte:




JEMANDEM SAND IN DIE AUGEN STREUEN

Das kann ich bestimmt genauso gut wie gewisse Fernsehfiguren. Am besten aber kann ich das im Selbstversuch. Das hätte auch ins Auge gehen können:




ROLLING, ROLLING, ROLLING

Es will mir wohl niemand erzählen, wie man einen Roller zu benutzen hat, oder!?



STECKER UND STECKDOSE

So eine Zeltstange ist eine prima Sache. Und mir ist auch 100%-ig klar, wohin die gehört. Das hier ist nur eine Notlösung. Aber im Zweifelsfall: Steckt die Zeltstange einfach in den nächstgelegenen Auspuff. Daraus wird entweder ein ziemlich aufgeblasenes Auto oder ein ziemlich schwebendes Zelt:

Donnerstag, 27. Januar 2011

Da hat aber jemand mächtig abgezahnt


Mami und Papi stehen (noch ein wenig) unter Schock.

Ich selbst stehe (noch ein wenig) unter dem schützenden Schirm einer Vollnarkose.

Und habe zwangsläufig ein kleines "S-Z-Problem".
(Nein, nicht "ß-Problem" - aber Ihr werdet das schon verstehen.)

Passiert ist Folgendes:

Die langfristig geplante und mittlerweile äußerst notwendige Chirurgie meiner Beißwerkzeuge wurde nicht überraschend aber doch sehr plötzlich und kurzfristig vorverlegt und fand heute statt. Vier Stunden dauernd und unter der oben erwähnten Schirmherrschaft lässt sich kein anderer Begriff als "Chirurgie" anwenden.

Es ist nicht so, dass es mir schlecht ginge. Auf gar keinen Fall. Direkt nach der OP kam ich nach Hause und verlangte nach meiner Lieblingstanzlehrerin (Papi dreht da bestimmt bald ein youtubisiertes Filmchen) , deren DVD mir auch gewährt wurde, obwohl ich eigentlich im Bettchen liegend ausruhen sollte, was sich allerdings nur durch den Einsatz sehr reißfester Stricke hätte realisieren lassen.

Bevor ich die OP antrat, war uns allen klar gewesen, dass es da eine ganze Menge Dinge in meinem Mund zu erledigen gab. Wie viele "Dinge" es aber wirklich werden würden, war weder Mami noch Papi in ihren jeweils schlimmsten Zahn-Albträumen erschienen.

Die medizinische Unabdingbarkeit der heute vorgenommenen Reparaturen - vor allem hinsichtlich der optimalen, gesunden und geometrisch-symmetrischen Entwicklung der in einigen Jahren ans Licht meines Mundinneren dringen wollenden "richtigen" Zähne - ist verständlich und akzeptiert. Das (schockierende ... siehe Satz N°1 dieses Beitrags) Problem ist wohl eher der optisch-ästhetische Aspekt. Wir alle wissen, dass Gottfried Kellers "Leute machende Kleider" in den knapp 140 Jahren seit ihrer Ersterwähnung kaum an Relevanz verloren haben ... aber wenn wir einmal etwas genauer hinter die Kulissen der "Erste-Welt-Werbe-Anschläge" unserer Tage linsen, müssen wir uns dann nicht eingestehen, dass "Kollgahte&Co" die von Gottfried beschriebenen Prioritäten ein wenig relativiert haben?

Als der Mann mit dem betäubenden Beruf Mami fragte, ob ich denn schon einmal operiert worden wäre, fing sie mit einem Affenzahn an aufzuzählen. Nach etwa der Hälfte der beschriebenen OPs aus der Vergangenheit winkte der Herr Doktor ab. Und machte sich an seine Arbeit.
Graf Zahn aus der Sesamalllee wäre mit allen Fingern seiner beiden Hände nicht in der Lage gewesen, nachzuvollziehen, wie viele meiner Milchdingens mir gezogen wurden.
Die komplette obere Reihe. Und mehr als halbe untere. Ersetzt wurde die ganze Geschichte mit Metallkronen. Wenn also in der englischen Monarchie jede/r König/in seine ganz eigene Krone bekommen hätte - ich habe mehr als alle zusammen.


Auch wenn es den Anschein hat, als könne man sich daran gewöhnen, sieht das Ergebnis im ersten Moment doch ziemlich schrecklich aus. Aber was soll ich tun? In Bayern sagt man "mia zahn mia", ich sage "Ich bin ich". Fertig. (Obwohl es zugegebenermaßen ein wenig Überwindung kostete, dieses Foto zu zeigen.)

Ein gefährlicher Mensch bin ich jetzt geworden. Sozusagen ein Bisswunder. Die Frau Doktor sagt, wenn ich jetzt jemanden beiße, dann würde dieser ernsthaft verletzt werden.

Als Zahnehäubchen wurde dann auch noch festgestellt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach meine Mandeln raus müssen. Prima! Hab ich doch den Operationssaal schon richtig vermisst.

Einen Vorteil der zahnigen Angelegenheit muss ich aber dennoch erwähnen.
Da die Frau Doktor darauf besteht, mich weiter zu behandeln, komme ich wohl in den Genuss, in meinem Therapiezentrum (Teletón) weitermachen zu können, in dem normalerweise bei Erreichen des vierten Lebensjahres Feierabend ist. Vor allem die Sprachtherapie ist da jetzt ganz wichtig. Und da werden im Teletón eben nicht nur Qualität, sondern auch niedrige Kosten geboten. Was die OP betrifft, haben wir noch nicht einmal Anzahnung geleistet.

Nun gut, es geht also munter weiter.
Meine Geschichte bleibt weiterhin eher eine Krankengeschichte.
Wenn man das so sehen will.
Ich will nicht.
Und auf dem Zahnfleisch gehe ich noch lange nicht.

Samstag, 15. Januar 2011

Erfreulich: Kehrtwende in der "D-Frage"

Sport, storytellers, Philosophisches, Maximilian, Mexiko, Down-Syndrom, Diskriminierung, Behinderung, Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bzw. Herr Löw muss(te) die "K-Frage" klären; bei der Borussia aus Dortmund ist selbst nach dem Sieg in Leverkusen und dem heute folgenden Sieg-Vermasselns des Vereins aus der bayrischen Hauptstadt (im Prinzip alle "Fach-Weltler" beziehen sich bei ihrem unvermeidlichen Senf bzgl. des kommenden deutschen Meisters in der ersten Fußball-Bundesliga auf die Punktedifferenz zwischen dem BVB und dem FCB, selbst wenn die beiden nach dem heutigen Spieltag - egal ob Hannover gleich gewinnt oder auch nicht - 4 Tabellenplätze trennen) das "M-Wort" tabu.

Meine ganz eigenen Probleme sind bekanntermaßen bescheidenerer Natur und meine ganz persönliche "K-Frage" ist ohne Frage die Frage nach einem Kindergarten, der mich akzeptiert. In diesem Zusammenhang war schnell das "D-Wort" zur Stelle. Ob berechtigt oder nicht, ist schwierig zu entscheiden, denn da kommt es auf die Sichtweise jedes Einzelnen an. Und man muss außerdem den Weg über die Definition und das Verständnis des Wortes "Diskriminierung" in der jeweiligen Sprache gehen, um urteilen zu können.

So einfach ist das nämlich gar nicht mit dieser viel zitierten Gleichbehandlung, auf die ich angeblich ein Recht habe. Denn Gesetze machen manchmal eine ziemlich komplizierte Angelegenheit daraus. Wohl der Regierung, die in dieser Hinsicht einen Weg findet, mit dem alle Beteiligten zufrieden sind.
Vielleicht muss ich hier einmal klarstellen, dass ich aus logischen Gründen gar nicht auf eine gesetzestreue "Gleichbehandlung" aus bin. Sondern viel eher auf eine "Gleichbehandlung" auf Basis des gesunden Menschenverstandes.

Ich versuche mal, es zusammenzufassen: Ich wünsche mir die Chance, mich unter meinen gegebenen Voraussetzungen so gut wie möglich entwickeln zu können, ohne Andere in ihrer Entwicklung zu behindern. Nicht mehr, nicht weniger.

Was aber - bevor wir uns der Philosophie noch mehr hingeben - ist da nun eigentlich mit diesem Rausschmiss gewesen?
Die kurze Antwort lautet: Er wurde nie wirklich vollzogen.
Denn an dem Abend und in der Nacht, nachdem ich den Beitrag geschrieben hatte, wurden noch zahlreiche Telefongespräche geführt. Deren erstes Resultat war, dass ich noch mindestens bis zum Wochenende bleiben konnte, damit Mami und Papi überhaupt die Möglichkeit bekämen, etwas anderes zu finden. Deren zweite Konsequenz war, dass sofort am nächsten Tag eine "Ssjuprweisr" ihren kompletten Arbeitstag mit mir verbrachte. Begleiterscheinend reichten Mami und Papi noch ein paar Kopien von Untersuchungsergebnissen und Ähnlichem ein - und die Sache war geritzt.

Gabriela hat recht behalten: "Bis dahin hätte er bestimmt alle um den Finger gewickelt" (siehe Kommentar hier - nur, dass es viel schneller ging)

Es war Angst.
So gut wie sicher.
Angst vor etwas, das mir hätte passieren können.
Angst aufgrund fehlender Erfahrung und fehlenden Wissens.

Ihr solltet mal sehen, wie ich heute (nach nur einer Woche) willkommen geheißen und verabschiedet werde in diesem meinem neuen Paradies!

Ob Ruud "Van the Man" Nistelrooy in die spanische Hauptstadt zurückkehrt?

Montag, 10. Januar 2011

Rausschmiss nach 3 Tagen - Diskriminierung kann schmerzhaft sein



Herzlich willkommen im Jahr 2011!
Ich wünsche Euch von ganzem (und repariertem) Herzen, dass es ein unter möglichst vielen Aspekten erfolgreiches und vor allem mit prächtiger Gesundheit einhergehendes Jahr sein mag.

Obwohl der Titel dieses Beitrags nicht viel Gutes erwarten lässt, möchte ich Euch doch nicht vorenthalten, dass ich ein paar herrliche Wochen erleben durfte. Besonders aufregend wurde es fraglos ab dem Datum, welches ich Euch als "V I E R" vorstellte.

Ins Detail will ich hier aber gar nicht (mehr) gehen, sondern eher Anschluss an die "Last Days in Paradise" suchen. Denn plötzlich haben wir ein Problem. Ein Problem, das dadurch erzeugt wurde, dass ich als behindert gelte. Ich habe nicht vor, hier aus Begriffsdefinitionen Pferde zu machen und selbige zu besteigen. Aber erzählen will ich Euch von dem Problem:

Alles begann ziemlich viel versprechend.
Während der Weihnachtsferien gelang es Mami und Papi getreu (nicht nur Klischee-)mexikanischer zeitlich betrachteter Bedürfnis-Aktion-Handhabe, ein potentiell neues Paradies für mich aufzutun. Für die kommenden etwa 7 Monate, bevor es mich eigentlich in den "Kinder" a.k.a. "Preescolar" verschlagen soll.
Wie es aber manchmal mit Last-Minute-Entscheidungen so ist, konnte es besser kaum kommen. Mami und Papi hatten schon vor geraumer Zeit eine Art Prioritätenliste erstellt, die es im Nachhinein relativ einfach machte, die für uns alle vorteilhafteste KiTa für mich auszuwählen. Ganz oben in dieser Liste stehen nicht etwa Punkte wie "behindertengerecht" oder ähnliche, mit meinem Extrachromosom im Zusammenhang stehende Punkte. Dort stehen Begriffe, die nicht als Pro oder Kontra, sondern als schlichte Bedingungen verstanden werden müssen. Im Sinne des Wortes: Voraussetzungen, deren Nicht-Erfüllung meinen Besuch der Institution nahezu unmöglich machen würde.

Es geht da um Dinge wie "Ab wieviel Uhr werden die Kleinen empfangen?" (aufgrund unserer familiären Situation ist bei diesem Punkt "7 Uhr" als Antwort notwendig - gar nicht so einfach zu finden in Aguascalientes) oder die Kosten (da gibt es ein eindeutiges Limit).

Von den ersten 10 Punkten dieser Prioritätenliste erfüllte das vermeintliche neue Paradies 8. Eine tolle und unerwartete Punktzahl. Die erwähnten "Bedingungen" erfüllte sie komplett. Um nur 2 der "fetten" Vorteile zu nennen:
- Im Auto brauchen wir von der Höhle aus etwa 28,3 Sekunden (Ich laufe zwar jeden Tag besser, aber längere Strecken wie vielleicht 250 Meter sind morgens um 7 Uhr und mit Zeitdruck noch nicht unbedingt empfehlenswert).
- Mathematik: 2 Erzieherinnen kommen auf 8 Kinder. Wieviele Kinder kommen auf eine Erzieherin? Wieviele Erzieherinnen bekomme ich ab?

Kurz und gut: Das war eine feine Sache.

Ich habe keine Ahnung, wie Mami so direkt reagiert hätte. Aber Mami hat heute nicht gearbeitet (um an einer Elternversammlung in Niklas´ Schule teilzunehmen [mit 9,8 wurden seine jetzt schon viel ernsthafter bewerteten schulischen Leistungen des letzten bimestres 2010 benotet] und mehrere Einrichtungen auf der Suche nach einer neuen Sprachtherapie für mich aufzusuchen - nachdem ich altersbedingt keinen Platz mehr im Teletón habe) und so ergab es sich sich, dass Papi mich aus dem vermeintlichen neuen Paradies abholte. Ich schlief gerade, wie ich das Mittags gern tue, und Papi meint, dass er sich den literarisch so häufig zitierten Eiszapfen, zu dem sein Herz in jenem Moment wurde, nicht anmerken ließ.

Papi war es nämlich, der sich - um endlich Sinn und Verstand in den vorhergehenden Absatz zu bringen - die Worte der sichtlich verlegenen Chefin der KiTa anhören musste, laut denen ich dort plötzlich dank Anweisung von höheren Positionen aus nicht mehr sein dürfte. Dies trotz aller vorhergehender Versicherungen, dass ein Kind mit Down-Syndrom doch keinerlei Problem wäre.

In beziehungsweise ab diesem Moment kann ich nun viele Dinge in die Waagschale werfen. Was besagt das Gesetz? Bin ich eine Gefahr für Andere? Bremse ich die Anderen in ihrer Entwicklung? Hat man Angst vor mir? Wer? Warum? .....

Was am Ende übrig blieb, war ein einfacher und schlimmer Gedanke: "Ich gehöre nicht zu ihnen."
Was kann es Schlimmeres geben?

Schuldig bin ich Euch aber noch die wahrhaftig angebrachte Begründung (der Oberen):
"Mögliche Konvulsionen" (Krämpfe, Zuckungen)
Etwas, das mir noch nie passiert ist und wahrscheinlich auch nie passieren wird.
Etwas, das nicht in Einklang zu bringen ist mit meinem Mosaik-Down-Syndrom.
Aus welchem Finger hat man sich dieses fadenscheinige Argument gesogen?

Ich könnte verstehen, dass man mich loswerden wollte, wenn ich die anderen Kinder bedrohen, beissen, kratzen, verletzen, schlagen, in ihrem Lernprozess aufhalten ... oder sonst etwas würde. Ich könnte verstehen, dass die Erzieherinnen sich mit mir unwohl fühlen wuerden, wenn die Gefahr bestünde, dass ich plötzlich einen Herzanfall bekäme, epileptische Anfälle hätte, an meinem eigenen Erbrochenen ersticken könnte.

Nun ist aber - zumindest bisher - nichts von dem Genannten der Fall.
Ich beisse, kratze und haue schonmal, aber kaum mehr als andere Kinder.

Ich kann mich allerdings Siebentausend mal nach Gründen fragen.
Und das bringt mich keinen Schritt weiter.
Weiter bringt mich die Beantwortung der Frage: "Was nun?"
Sollen Mami und Papi auf die Barrikaden gehen?
Oder vielleicht doch besser der Devise folgen: "Wo man mich nicht haben will, da will ich auch nicht hin!"?

Ein Problem hierbei ist das Fehlen von Alternativen.
Wenn wir - die "Bedingungen" vorausgesetzt - einen Laden finden würden, der 5/10 (Prioritätenliste) erreicht, könnten wir uns glücklich schätzen. Aber vielleicht haben wir "glücklich" aufgebraucht. Denn seit meiner erfolgreichen Herz-OP hatten wir - den Umständen entsprechend - ziemlich viel davon.

Festzuhalten bleibt, dass ich nun endlich gemerkt habe, dass ich anders bin.
Die Gesellschaft und ihre Gesetzgeber tun so, als wollten sie alles dafür tun, damit einem Kind (oder auch nicht Kind) eine solche Erfahrung erspart bleibt. Gelungen ist dies der Gesellschaft und ihren Gesetzgebern nicht. Ich kann nicht penetrant-ignorant behaupten, dass ich doch dazu gehöre, solange man mir auf die beschriebene Weise das Gegenteil beweist. Ich muss allerdings ganz-sehr-doll auch sagen, dass es der Gesellschaft (inklusive ihrer Gesetzgeber) zumindest zum Teil doch gelingt. Denn die Begleitumstände der ersten 4 Jahre meines Lebens sprechen ihre eigene Sprache.

Freitag, 22. Oktober 2010

Schade: Wenn "Pan de Muertos" zur Chefsache wird

Na, da hat Papi heute aber Pech gehabt!

Seit kurzer Zeit vermittelt er Sprachkenntnisse in einer Schule für angehende Leute jenes Berufs, der bei Anwesenheit von zu Vielen bekanntermaßen den Brei verdirbt.
Klassische zweijährige Ausbildung mit Chef-Diplom etc..

Heute nun wurde Papi vom Chef der Schule, der nicht nur sein eigener sondern selbstverständlich auch selbst ausgebildeter und erfahrener Chef ist, darum gebeten, die Klasse etwas zu verkürzen. Der Grund hierfür war die Ankunft hoch wichtigen Besuchs.

Ein bekannter mexikanischer Chef wurde erwartet, der den jungen Leuten zeigen würde, wie man "Pan de Muertos" herstellt. Jener Chef hat sogar ein Buch geschrieben, in dem es um die Herstellung von mexikanischem "pan" geht.

Der Chef der Schule lud Papi ein, sich die etwa drei Stunden dauernde Sache doch einfach anzusehen. Leider aber hatte Papi schon seine nächste Session im zeitlichen Nacken sitzen und keine Möglichkeit mehr, abzusagen.

Schade eigentlich.

Immerhin kann ich Gutes aus der KiTa berichten. Nach der Erfahrung mit dem Campingrucksack scheint nun eine richtige Trockenperiode bei mir einzusetzen. Denn ich habe jetzt schon zwei Tage hinter mir, an denen ich trotz Windelverbots nicht ein einziges Kleidungsstück beschmutzt oder auch nur befeuchtet hätte. Ist das nicht super?

Ganz ohne Negatives geht es andererseits aber auch nicht: Gestern meinte einer meiner KiTa-Gruppen-Freunde, mir ein fein hartes Plastikspielzeug an den Mund knallen zu müssen. Sieht ulkig aus, so eine aufgeplatzte Lippe.

Grrrrrrrrrrrrrrrrrrrr ....

Habt ein feines Wochenende!

Dienstag, 19. Oktober 2010

Der Campingrucksack

"¡Parece que se va de campamento!! - das waren die Worte, mit denen Papi am Freitag, als er mich abholte, von meiner KiTa-Erzieherin empfangen wurde. Ein Blick auf meinen kleinen Rucksack erklärte dann auch sofort, was gemeint war. Links baumelte eine am Handgriff befestigte volle Plastiktüte herunter, rechts dasselbe.

In diesen Tüten waren aber keineswegs Zelt, Schlafsack und Campingkocher verstaut, sondern schmutzige Wäsche. So ziemlich alles, was ich jenem Freitag an Kleidung mitgenommen hatte, war vollgep...... und vollgesch.... .

Und das hatte eine prima Ursache: Am Donnerstagabend wurde mir die Sonde aus meinem Vorderausgang entfernt. Endlich! Und trotz Warnung des Herrn Dr. Vargas gab es keine schlimmeren Folgen. Ein klein wenig Unwohlfühlen, mehr nicht.

Die Sache da unten scheint also wieder zu funktionieren, allerdings noch recht unkontrolliert. Da ich aber sofort wieder den gestrengen Regeln hinsichtlich der Dies-und-Das-Macherei in der KiTa unterworfen wurde, war mir auch gleich am nächsten Morgen das Benutzen von Windeln wieder hundertprozentig verboten worden. Mit vollem Einverständnis Mamis und Papis.

Nun ja, das ging zwar in die Hose - aber nur im physischen Sinn.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Weder aussondiert noch windelfrei und der Stein im Weg

Klingt irgendwie negativ, dieser Titel, oder?
Vielleicht negativer als die Lage eigentlich ist.

Denn zuerst einmal ist alles bestens, wie Dr. Vargas vorgestern festgestellt hat. Dabei geht es um meinen Vorderausgang. Die Sonde sitzt da jetzt seit über einer Woche drin und erfüllt ihren Zweck. Keine Schwellungen, keine Infektionen ... keine Probleme. Den etwas erhöhten Aufwand in mehrerlei Hinsicht sehen Mami und Papi nicht als Problem. Ich selbst auch nicht.

Allerdings bleibt die Sonde mindestens noch eine knappe Woche drin. Das hat aber einen Grund. Und zwar den, dass sich meine Blase wieder an ihre Tätigkeit gewöhnen (und diese Funktion kontrolliert und bestätigt werden) muss. Dazu machen wir diesen Ausgang per Sonde nach einem genauen Zeitplan jeden Tag ein wenig länger und in immer kürzeren Abständen einfach dicht. Gestern war es jeweils eine Stunde (Dichtmachen) mit 4 Stunden Abstand. Heute mit 3 Stunden Abstand. Morgen auch mit 3 Stunden Abstand, aber dann schon 2 Stunden am Stück Dichtmachen.

Ich hoffe einfach mal, dass das alles so klappt und ich am nächsten Wochenende wieder ganz normal pullern werden kann. Denn es ist so langsam tatsächlich an der Zeit. In zwei Monaten fliege ich nämlich aus meiner KiTa - aufmerksame Zuhörer wissen das - und dann muss es irgendwie weitergehen. Die Situation ist generell gesehen gar nicht so schlecht hier in Mexiko. Trotz Extrachromosom würden mich ein paar Vorschulen aufnehmen. Verständlicherweise können diese mich leider nicht akzeptieren, wenn ich noch auf Windeln angewiesen bin.

Und dabei war ich auf einem richtig guten Weg, bevor sich das aktuelle Problem bemerkbar machte. In meiner KiTa hatte ich schon Windelverbot und mich im Durchschnitt nur noch etwa einmal pro Woche nass gemacht. Und jetzt stehe ich wieder doof da: Zwar schwindel- aber nicht windelfrei. Na ... vielleicht geht das ja ab nächstem Wochenende besser als erwartet.

Papi flüstert mir gerade ins fast taube Ohr, dass ich Euch Folgendes erzählen soll:
Wenn Tolkien seine Trilogie in der deutschen Version "Der Herr der Medikamente" genannt hätte, wäre ich wohl ein Kandidat auf den Posten der Hauptrolle geworden. Ich nehme sie einfach, die Medikamente. Ohne zu meckern und ohne das Gesicht zu verziehen. Das momentan zweifarbige Gesicht, weil ich es trotz aller Sorgfalt geschafft habe, vor ein paar Tagen so unglücklich hinzufallen, dass ich mir den Kopf (exakter: die Schläfe) an einem Möbelstück angeschlagen habe. Aufgeplatzt ist da nichts, aber ich habe jetzt ein schönes lila Boxerauge.

Dr. Vargas hat vorgestern auch endlich den Stein ins Rollen gebracht. Und mir nicht wirklich einen solchen in den Weg gelegt, als er klarmachte, dass er diese OP nicht vornehmen würde. Denn seine Begründung ist eine absolut nachvollziehbare: Fehlende Erfahrung bei dieser Art OP an Kindern.

Wenn ich aber Mamis und Papis Getuschel und den begleitenden Gesichtsausdruck richtig deute, ist die Entscheidung bezüglich des Arztes, der mir diesen Stein aus dem Weg räumen wird, schon gefallen. Dr. Velasquez ist der Name. Wenn ich mich an den exakten Namen des vorgesehenen Eingriffs erinnern könnte, würde ich mir keine Sorgen mehr um meine Vorschule machen. Auf jeden Fall soll ein erneuter Schnitt vermieden werden und Dr. Velasquez ist sich sicher, dass das bei mir möglich ist. Durch den Bauchnabel soll es gehen, sagt Wikipedia - daran erinnere ich mich. Schade eigentlich, dass mein Bauchnabel bei der Notoperation vor etwas mehr als 2 Jahren verlorenging. Aber ich bin überzeugt davon, dass Dr. Velasquez trotzdem den richtigen Eingang fuer sein Werkzeug finden wird, ohne mich komplett aufschneiden zu müssen.

Da nun in letzter Zeit doch irgendwie ziemlich viel an mir herumgeschnitten wurde und ich dabei immer und immer wieder den maximalen Narkosehammer verpasst bekam, will Dr. Velasquez mir ein wenig Erholung davon gönnen, was nichts anderes bedeutet, als dass er den ersten richtigen Stein-OP-vorbereitenden Termin auf das Ende der Weihnachtsferien gelegt hat. Das passt gut mit meinem Geburtstag zusammen und vielleicht sogar mit dem geplanten Narkosehammer-pflichtigen Großangriff auf alles, was mit meinen Zähnen nicht in Ordnung ist.

Übrigens dringt so langsam ... vielleicht noch ein wenig langsamer ... aber sicher die ganze Geschichte der Herz-OP in unser Bewusstsein. Mein Herz ist in Ordnung!!!! Die Bedeutung dieser Feststellung war bisher nicht so richtig greifbar. Sogar erste direkte physische Folgen scheinen sich anzudeuten. Wog ich direkt vor der OP noch 11,6 kg (mit 3 3/4 Jahren), bin ich jetzt innerhalb eines Monats kontinuierlich bis auf die 13 kg hochmarschiert.

Und irgendwann ... daran glaube ich fest ... kommt der Tag, an dem ich Euch einen Bericht schreiben werde, in dem Worte wie "Arzt, Hospital, Medizin, Operation" usw. nicht vorkommen.

Habt ein feines Restwochenende!
Euer Max

Samstag, 4. September 2010

Wenn Unbegreifliches passiert

Und wieder ist eins vollbracht.
Eines dieser Wunder, die die Damen und Herren im weißen Kittel jeden Tag unzählige Male auf diesem Planeten vollbringen.
Und je näher ich dran war, desto unfassbarer wurde es für mich.
Nahe dran ist dabei ja noch eine glatte Untertreibung - denn das Wunder fand sozusagen in mir drin statt.

Und besser hätte es anscheinend kaum laufen können.

Noch am Dienstagabend erfuhren wir, dass man die Behandlung per Vene bezüglich der Langzeitfolgen als zu risikoreich ansehen würde, also wurde von vornherein auf OP am offenen Herzen umdisponiert. Um 8 Uhr sollte es losgehen am Donnerstag, es wurde kurz nach 9 daraus.

Papi meint, für ihn sei das Beeindruckendste an dem ganzen Prozess meine Verabschiedung gewesen. Als ob ich zu einer feinen fiesta aufbrechen würde, verabschiedete ich mich strahlend und winkend von Mami und Papi, als die Ärzte mich in die Katakomben entführten, die zum Operationssaal führen. Da war nichts mit Medicomania. Und das immerhin in dem Moment, in dem es Eltern das Herz zerbrechen will. In dem Gedanken wie "Ist es das letzte Mal, dass ich mein Kind lebend sehe?" unvermeidlich erscheinen.

5 Stunden waren für die OP angesetzt, aber bereits nach 3-einhalb Stunden wurden Mami und Papi gerufen - der Eingriff wäre schon beendet. Ein kurzes und banges Restwarten und die Frau Doktor erschien mit der frohen Nachricht im Gepäck: Alles sei bestens verlaufen, ich war bereits dabei aufzuwachen und in etwa einer Stunde könnten sie mich sehen. Gleichzeitig klärte sie Mami und Papi darüber auf, dass es eine weise Entscheidung gewesen war, eine "richtige" Operation durchzuführen, denn aus verschiedenen Gründen hätte bei der "Regenschirmvariante" per Vene große Gefahr bestanden, dass sich das Implantat bald wieder gelöst hätte. Und dann hat man ein echtes Problem. Gar nicht so sehr, weil das Loch wieder unverschlossen ist, sondern vielmehr weil das Implantat dann irgendwo im Blutkreislauf herumschwimmt. Überleben unwahrscheinlich.

Direkt nach der OP kam ich auf die Intensivstation. Ein Aufenthalt hier für mindestens 24 Stunden ist obligatorisch nach einer solchen Prozedur. Und trotzdem erfüllte ich nicht einmal dieses Soll, auch hier ging es schneller. Der erste Anblick meines Körpers war trotz aller Vorbereitung und Erfahrung ein Schock für Mami und Papi. Dabei geht es nicht um die ganzen Schläuche, an die mein Körper angeschlossen war oder um die Sauerstoffmaske. Es ist die Operationswunde, die einfach furchtbar aussieht, obwohl es sich um eine blitzsaubere Sache handelt.

In der Nacht auf der Intensivstation bekam ich etwas erhöhte Temperatur, was Papi, der sich zu der Zeit im Hospital aufhielt, aber nicht in Panikzustände versetzte, da alles im Rahmen des Normalen und zu Erwartenden lag. Mit immer noch ein wenig erhöhter Temperatur wurde ich dann schon nach 20 anstatt der oben angesprochenen 24 Stunden auf mein neues Zimmer verlegt. Jetzt war Mami bei mir und ich zeigte ihr und den vielen Besuchern, wie bärenstark ich bereits wieder war. Nicht zu fassen!

Und wenn jetzt keine Probleme mehr auftreten, dann komme ich schon am Montag, sprich übermorgen, nach Hause. Und mein Leben geht irgendwie nicht nur weiter, sondern auf eine gewisse Weise beginnt es noch einmal von vorn. Und das ist fantastisch.

Danksagung

Ich möchte nicht versäumen, folgenden Personen und Institutionen meinen zutiefst empfundenen Dank aussprechen:

- dem Patrocinato Corazón Amigo für die finanzielle Absicherung
- dem Hospital Cardiológica de Aguascalientes für das Bereitstellen der notwendigen Räumlichkeiten und Ausrüstung
- dem kompletten medizinischen Team - namentlich genannt sein sollen Frau Dr. Issadora Marmolejo und Dra. Brenda - für ihre hervorragende Arbeit
- allen Leuten, die ihr Blut für mich gespendet haben; Allen, die versucht haben, ihr Blut für mich zu spenden und Allen, die bereit waren, ihr Blut für mich zu spenden
- allen Leuten, die - in welcher Form auch immer - Anteil an meiner Situation genommen haben und nehmen.


Mit ein wenig Glück wird es in den nächsten Tagen auch ein paar Fotos geben.

Und damit wünsche ich Euch ein feines Wochenende

Euer Max

Dienstag, 31. August 2010

Heiteres Termineraten oder Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Uhrwerk

Tja, Ihr Lieben.
Ich bin jetzt nicht so ganz schlüssig, wie ich Euch die jüngsten Ereignisse darbieten soll.
Auf gar keinen Fall möchte ich dem Ernst der Situation nicht gerecht werden, andererseits will ich sie auch nicht ernster darstellen, als sie ist. Und ich möchte auch keine Leute, Institutionen oder gar Nationen in irgendeine Schublade stecken.

Was also tun?

Wie wäre es mit "einfach erzählen, wie's rauskommt"?
Okay, ich unternehme den Versuch:


"Wenn der Vorbereitungsprozess zu Irgendetwas relativ chaotisch verläuft, gibt es eigentlich wenig Anlass zu glauben, dass es mit dem Vollzugsprozess anders aussehen wird." - dachte Papi schon vor ein paar Wochen.
Ohne Papi jetzt in einer Liga mit Konfuzius spielen lassen zu wollen, muss ich doch zugeben, dass sein Gedankengang nicht so falsch war.

Wir hatten heute um 14 Uhr einen Termin im Hospital, in dem mein Herz repariert werden wird. Mami und Papi und ich waren gebeten worden, dabei zu sein. Also standen wir um 13:30 Uhr zu dritt auf der Matte. Wir hatten nur eine ungefähre Vorstellung davon, worum es gehen würde. "Ein Gespräch mit den Ärzten" war mehr oder weniger der Einladungstenor gewesen.

Wir ungeduldeten uns ohne Probleme ... die Klinik bietet so viele schöne Ecken, in denen ich mich verstecken kann ... und um 14:30 Uhr gab es keinerlei Aufstand, als das Hospital uns in einer kleinen Futterbude um die Ecke zum Essen einlud. In jenem Moment erfuhren wir auch wieder ein paar Dinge. Der Termin war auf 14 Uhr gelegt worden, weil ein paar Doktoren aus Monterrey, die das Team des Hospitals in Aguascalientes bei den Operationen unterstützen werden, etwa eine halbe Stunde vorher am Flughafen Aguascalientes ankommen sollten.

Selbst mexikanische Inlandsflüge kommen nicht immer ganz pünktlich an und auch Doktoren haben um die besagte Uhrzeit herum manchmal Hunger. Dank eines komplett neuen Kommunikationssystems namens (deutsch) "Handy" erfuhr die Hospitalleitung recht schnell von der Verwirklichung der Hungerbekämpfungsmaßnahmen der Delegation aus Monterrey ... und reagierte.

Gegen 15:30 Uhr war das "um die Ecke-Futtern" erledigt und die komplette Mannschaft marschierte zurück um die Ecke. Und musste jetzt nur noch etwa 20 Minuten warten, um die Information zu erhalten, dass die Königsberger Delegation in ca. 10 Minuten eintreffen würde. Was sie tatsächlich tat.

Und das gab eine sehr fröhliche Begrüßungszeremonie zwischen allen Beteiligten, die sich größtenteils schon kannten. Aufgrund der Verspätung wurde schnell beschlossen, die in jenem Moment notwendigen Worte des Chefs der Königsberger Delegation direkt im Eingangsbereich zu sprechen anstatt im Konferenzzimmer der Klinik. Ein Teil der Worte befasste sich mit dem Vermitteln der Information, dass die gerade angekommene Delegation nur ungefähr die Hälfte der kompletten Delegation darstellte. Die wichtigen 50% der Delegation (sprich die entscheidenden Ärzte) fehlten noch und würden nicht rechtzeitig ankommen, um den vorgesehen Zeitplan der OPs einhalten zu können.

Für mich bedeutete das zu jenem Zeitpunkt nur den Unterschied zwischen einer verbrachten Nacht im Hospital oder zu Hause. Anstatt heute (Dienstag) Abend hospitalisiert zu werden, sollte dies nun morgen (Mittwoch) früh um 8 Uhr passieren. Somit die eigentliche OP eben auch nicht mehr am Mittwoch Morgen, sondern eher am Nachmittag. Viel mehr (ausser dem Essen) kam bei dem heutigen Termin dann auch gar nicht herum, aber mir gefielen diese Wartestunden dort trotzdem ganz gut.

Allerdings - am Mittwoch Nachmittag (also morgen Nachmittag) werde ich mich noch gar nicht im Hospital aufhalten, denn etwa 3 Minuten, bevor ich begann, Euch diesen Bericht zu schreiben, erreichte uns ein Anruf. Die aktuelle Einlieferungszeit lautet jetzt nicht mehr 8 Uhr morgens, sondern 7 Uhr abends am morgigen Mittwoch. Aktueller OP-Termin ist Donnerstag 8 Uhr morgens. Die noch unvollständige Königsberger Delegation hat noch ein wenig am Terminplan herumgefummelt.

Während ich hier die Finger auf die Tasten klopfe, sitzt Mami links von mir und ruft gerade alle Leute an, die höchstwahrscheinlich morgen gegen Mittag höchstpersönlich im "Hospital Cardiológica Aguascalientes" aufgelaufen wären und an der Rezeption nach meiner Zimmernummer gefragt hätten.

In Wirklichkeit ist natürlich nichts weiter passiert, als dass mein OP-Termin um 24 Stunden verschoben wurde. Und ich kann Euch garantieren, dass es nicht unbedingt negative Auswirkungen sind, die heute zu Buche geschlagen haben. Zum einen war da dieses gemeinsame Essen - bei dem plötzlich klar zu werden schien, dass wir (die Beteiligten, Auserwählten, Lotteriegewinner) jetzt keine Konkurrenten mehr sind. Konkurrenten um einen der wenigen zu vergebenden OP-Plätze. Plötzlich waren wir ein Team.
Und nach der Ankunft der "Vorhut" der Königsberger Delegation stellten wir gemeinsam außerdem einen starken Stimmungsumschwung fest. Von angespannten Nerven oder Körpern war auf einmal kaum noch etwas zu bemerken. Ein großer Optimismus machte sich breit.

Und die nächsten und neusten Veränderungen am planlosen Planspiel, die werdet Ihr hier natürlich auch so gut wie live erfahren.
Falls nicht bis morgen 19 oder übermorgen 8 Uhr .... na, dann bin ich eben gerade im OP.

Donnerstag, 19. August 2010

Warum ich als Kleinkind Viagra nehme

Wenn ich mit meinen dreieinhalb Jahren "Sildenafil" - vom Medikamentenkonzern Pfizer unter dem Namen "Viagra" auf den Markt gebracht - täglich zu mir nehme, dann könnt Ihr Euch vorstellen, dass etwas im Busch ist.
Seit wenigen Tagen mehr als nur im Busch, denn nach monatelangem Chaos kann ich Euch nun verkünden, dass gestern, heute oder morgen in zwei Wochen mein Herz operiert werden wird (wenn nicht noch Krankheit oder anderes Ungemach dazwischen kommt).

Ich habe vorher nichts davon erzählt, da uns die Erfahrung gelehrt hat, dass uns eine große Enttäuschung nach einer großen Hoffnung allein im engsten Kreis schon genug zu schaffen macht. Und so toll herzliche Anteilnahme auch ohne Frage ist, meint Papi, dass die Nachfragen vieler, vieler lieber Leute im Falle einer Enttäuschung diese eher noch schlimmer macht. Ergo: Wer von nichts weiß, kann auch nicht nachfragen.

Aber der Reihe nach .... so gut es geht:

Vor einer ganzen Reihe von Monaten bekamen wir einen Anruf. Das "Patronato Corazón Amigo" würde in Zusammenarbeit mit dem "Hospital Cardiológica" Aguascalientes eine bestimmte Anzahl kostenloser Herzoperationen zur Verfügung stellen. Wenn wir interessiert wären, sollten wir uns bitte dann und dann zu einem ersten Kennenlerntermin einfinden. Was wir taten. Ich landete als Kandidat in den Listen. Und das Chaos nahm seinen Lauf.

Jede Menge Untersuchungen. Klar. Die sind notwendig. Ich blieb ein Kandidat. Es wurden bereits ungefähre erste OP-Termine genannt.

Dann kam es zur ersten Verschiebung. Leute vom Patronato müssten dieses und jenes sehen. Aber keine Bange, nur eine Verschiebung. So ging es weiter, ich blieb ein Kandidat.

Die Zeit ging ins Land, plötzlich hieß es wieder: Echokardiogramm.
Geschickterweise so organisiert, dass alle verbliebenen Kandidaten am selben Tag zur selben Uhrzeit bestellt wurden. Da Papi das nicht wusste, kamen wir nur etwa 15 Minuten vor diesem frühmorgendlichen Termin an und waren damit so ziemlich die Letzten (von wegen Unpünktlichkeit in Mexiko!!!), was bedeutete, dass die vollziehende Frau Doktor mich gerade noch so vor ihrer Mittagspause (zeitlich betrachtet nach mexikanischen Gepflogenheiten) auf ihren Tisch neben dem bunten Monitor bat.

Die Zeit war nun aber wirklich kein Problem.
Ein Problem war, dass bei dem Echo festgestellt wurde, dass der Druck in einer meiner Herzkammern etwas höher als der Normaldruck war. Zu hoch, um operiert werden zu können. So ein Mist!

Aber, oh Wunder ... ich blieb ein Kandidat!!!!!

Denn fuer solchen Überdruck gibt es zwar nicht unbedingt Ventile, aber es gibt pulmonal-arterielle Gefäßwiderstandsbrecher. Und um diesen Widerstand in meinem Inneren zu brechen, kam oben genanntes Produkt auf dem Hause Pfizer ins Spiel.

Da ich ein Kind bin, noch dazu ein kleines, brauche ich natürlich nicht die volle Ladung. Zwei Mal pro Tag ein Viertel einer solchen blauen Pille lautet mein Rezept. Habt Ihr schonmal versucht, eine Viagra-Pille zu vierteln? Im Wissen, dass jede einzelne der Pillen etwa 200 Peso (ungefähr 12,30 Euro) wert ist?! DARAUF hätte Papi mal mit der Videocam halten sollen.

Immer wenn Papi versucht hat, mal ein misslungenes Viertel zu stibitzen, gab's von Mami was auf die Finger. Aber das war erst, nachdem ich anfing, das Zeug überhaupt zu nehmen. Denn in dem Moment, als ich anfangen sollte, Viagra in mich zu stopfen .... die ersten drei Schachteln mit jeweils 4 Tabletten lagen bereit .... schlug jemand anderes zu. Herr Windpocker nämlich. Wow!

Eine Woche zu Hause bei Papi, das war toll. Und weil ihm irgendjemand jede Menge alternativmedizinische Tipps anvertraut hatte, kam ich in den Genuss von jeder Menge aufblasbarem Swimming Pool und vielen anderen Dingen. Die stürmischen Pocken nahmen auch wirklich einen Super-Verlauf und heilten hervorragend ab .... nur Viagra, das ging nicht in der Zeit. Puuuhhh. In der Zeit, die so langsam zu rennen begann.

Aber ich war noch immer ein Kandidat.
Sobald von den Doktoren der hohe Viagra-Daumen kam, legte ich los wie ein 95-jähriger Playboy mit eigenem Penthouse. Und es behaupte niemand, Viagra wäre wirkungslos! Zumindest wenn es um Überdruck geht - zum Unterdruckproblem kann ich bisher nichts sagen.

Festgestellt wurde die deutliche Verbesserung vor etwa zwei Wochen.
Und vor etwa einer Woche kam ein erneuter Anruf.
Ich bin jetzt kein Kandidat mehr .... wurde mir da mitgeteilt.
Ich bin jetzt eines von 5 ausgewählten Kindern, die operiert werden (wenn eben nicht noch Dieses oder Jenes dazwischen kommt).
So richtig fassen kann ich das noch nicht.
Und das Chaos hat jetzt erst so richtig begonnen.

So gut wie jeden Tag werden jetzt Tests gemacht.
Seit vorgestern bis zum 30. August muss ich außerdem 10 Leute finden, die bereit sind, Blut fuer mich zu spenden. Bis zu diesem Moment haben bereits 3 Blut gelassen. An dieser Stelle kurz: kein kleines, sondern ein riesengroßes Dankeschön an alle Leute, die ohne Wenn und mit noch viel weniger Aber bereit waren, sich fuer mich den Blutzapfhahn anlegen zu lassen, aber in diesem Fall aufgrund der lokalen Beschränkung der Aktion nicht helfen können!!!!!!!!!!!

Die OP wird am 1., 2. oder 3. September 2010 stattfinden.
Man wird mir dabei nicht den Brustkorb zerschmettern, sondern die notwendige Korrektur wird via Hauptvene vollzogen werden. Soweit ich es verstanden habe, wird das Ding, welches das Loch in meinem Herzen stopfen soll, regenschirmartig zusammengefaltet am Ende eines langen Drahtes befestigt und in eine Hauptader (die zu meinem kaputten Herz führt) eingeführt und durch diese Ader in Richtung Herz transportiert werden. Dort angekommen wird ein wenig herumgefummelt werden, bis das Ding korrekt in dem Loch sitzt. Bereit zum "Aufspannen des Regenschirms"....

Ok, ich will da jetzt nicht noch weiter ins Detail gehen, denn es handelt sich immerhin um mein Herz und nicht um Papis Auto, bei man mal schnell einen Draht in irgendeinen Schlauch schieben kann.

Eine Sache will ich noch erzählen.

Nachdem die Entscheidung gefallen war, dass ich kein Kandidat mehr bin, wurde ich zu einer Pressekonferenz gebeten. Ich ging hin und drei der 5 Kinder, die operiert werden, waren auch da. Bei dieser Pressekonferenz ging es unter anderen Dingen darum, dass die Supermarktkette "OXXO" dem Patronato einen Scheck überreichte. Einen Scheck über knapp 200.000 Peso. Resultierend aus der Aktion "Redondeo" (Aufrunden).

Warum ich dies erzähle?
Ganz einfach.
Es gibt nach wie vor unwahrscheinlich viele Gerüchte bezüglich Hilfsaktionen wie eben zum Beispiel dieser - man wird in Mexiko oft an einer Supermarktkasse gefragt, on man nicht gern einen Centavo-Betrag dieser oder jener Aktion zugute kommen lassen würde.
Was auch immer dahinter stecken mag, was auch immer hinter den Kulissen vorgehen mag: WAS DABEI HERAUSKOMMT, IST FUER DIE BETROFFENEN WIE DAS GESCHENK IHRES LEBENS!

Dienstag, 3. August 2010

Das neue Mexiko-Forum: Ein Board für Insider, Experten, Interessierte und Freunde

Nur damit nicht irgendjemand irgendwann sagt: "Hätte ich das gewusst!"

Es gibt ein neues Mexiko-Board.
Gedacht ist es als Ergänzung zur bewährten Community, in der man zig-Tausende Beiträge zum Thema "Mexiko" findet.

Die Ausrichtung bzw. der Schwerpunkt des neuen Forums - made by cabronsito - liegt in den Interessen absoluter Mexikokenner. Per Definition geht es um das, was Leute interessiert, die
- in Mexiko leben
- in Mexiko gelebt haben oder
- in Mexiko leben wollen.

Dabei handelt es sich aber nur um eine unzulängliche orientierende Definition.
Generell ist jeder willkommen, der ein wie-auch-immer-geartetes-Interesse am Board haben könnte .... solange es sich um Interesse im positiven Sinne handelt.
"Idiotensicher" im wahrsten Sinne des Wortes ist das Forum.
Und sooo viele "Idioten" gibt es ja gar nicht, wie wir wissen.

>>> ZUM FORUM

Dienstag, 6. Juli 2010

Der Fußball-Weltmeister 2010 kommt aus Europa

Das ist schonmal sicher.
Aber wieviel Hin und Her der Meinungen während des laufenden Turniers hat es gekostet, bis wir zu dieser Einsicht kamen?

Da sind zuerst einmal die Mexikaner. Hier sagt man: "Eine Weltmeisterschaft im Fußball ist eine Europameisterschaft mit Brasilien und Argentinien".
Und ganz so Unrecht haben sie da vielleicht gar nicht, wenn wir einmal die Teilnahme am Halbfinale als Messlatte zu Hilfe nehmen. Denn - abgesehen von der WM 2006 in Deutschland - wir müssen schon bis ins Jahr 1982 zurück gehen, um ein Turnier zu finden, bei dem weder Brasilien noch Argentinien (oder sonst ein amerikanisches Team) das Halbfinale erreichten.

Aber irgendwie lief diesmal alles anders. Plötzlich schallte es aus dem europäischen Medienwald, diese WM wäre eigentlich eine Copa América mit ein paar europäischen Gästen (Anmerkung: Die Copa América ist der amerikanische Bruder der Europameisterschaft, ausgetragen vom südamerikanischen Verband CONMEBOL, wobei die besten mittel-und nordamerikanischen Mannschaften eingeladen werden).
Das Ganze ob des frühen Ausscheidens von Mannschaften wie Frankreich, Italien (Vorrunde) oder auch England und Portugal (Achtelfinale), die allerdings beide gegen europäische Gegner verloren.

2010 nahmen immerhin 13 europäische Mannschaften an der WM teil, vom gesamten amerikanischen Kontinenten kamen nur 8.
Und trotzdem stand es vor dem Viertelfinale 4:3 für Amerika (Ghana als afrikanisches Team besetzte den verbleibenden Platz).
Aber es sollte dicke kommen.
Nach den Viertelfinalen hatte auf einmal niemand mehr Recht.
EM mit Brasilien und Argentinien?
Fehlanzeige, denn die schieden beide aus und nahmen Paraguay gleich noch mit auf den Rückflug.
CA mit europäischen Gästen?
Genauso falsch, denn als Amerikavertreter stand plötzlich nur noch Uruguay im Halbfinale. Und auch die "Urus" mussten sich heute den Holländern geschlagen geben.

Für das Halbfinale Deutschland - Spanien ist die Rechnung denkbar einfach.:

[humor]Miroslav Klose muss die Führung in der Torschützenwertung übernehmen!
Dann passt alles andere.
Denn in diesem Falle würde Miro mehr Tore als David (Villa) geschossen haben und das allein sollte schon reichen.
Spanien gelangen bisher bei der gesamten WM magere 6 Tore, 5 davon gingen auf das Konto von David.
Miroslav dagegen, der immerhin auch noch 1,8 Spiele fehlte, kann trotzdem schon auf 4 versenkte Kugeln zurück blicken. Deutschland allerdings verbuchte bereits 13 Tore, davon eine ganze Menge gegen England und Argentinien.
Was bedeutet, dass bei der deutschen Mannschaft auch andere Leute die Tore machen können, was bei den Spaniern nicht so einfach werden dürfte.
Dementsprechend ist Miroslavs Führung in der Torschützenwertung zweifelsohne gleichbedeutend mit einem Sieg Deutschlands.[/humor]

Aber im Ernst: Sollten die deutschen Jungspunde den Schwung aus dem Argentinienspiel mental mitgenommen haben, sollte es eigentlich reichen. Wenn es gelingt, David Villa genauso wie Lionel Messi zu binden und auch sonst das Spiel so zu bestimmen, sehe ich nicht, was Spanien ausrichten könnte (es geht um TORE MACHEN), außer mit Riesen-Riesen-Megadusel. Selbst wenn "el niño" Torres plötzlich explodieren oder andere bedeutende Veränderungen im Spiel der Spanier stattfinden sollten - Spanien ist nicht so stark (sorry, Gema). Zumindest davon ausgehend, was sie bisher gezeigt haben.

Aber Geschichte wird morgen auf dem Platz geschrieben und nicht hier in diesem Blog.
Weil der Ball rund ist und ein Spiel 90 Minuten dauert.
Oder eben so lange, wie Viktor Kassai entscheidet.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Operation gelungen - Patient .... ein wenig verwirrt

Es muss ja nicht immer Maximilian sein.
Heute war Niklas mit einem kleineren operativen Eingriff dran ... sein erster übrigens.

Gegen Mittag meiner Zeit rief ich die Cabronsita auf dem Handy an und sie wollte mich sofort an Niklas weiterleiten.
Folgender Dialog ergab sich.

Papi?

Hey, mein Held! Hast Du das geschafft!

Papi??!!!!

ja, super, alles ist vorbereitet! Was willst Du sehen, essen, trinken?!!!

Papi??!!!

Was ist denn los?

Aber ich werde doch gerade erst operiert werden!

(Stimme der cabronsita aus dem Hintergrund)
"Niklas, Du wurdest doch schon operiert!!!"

Ich : "Niklas, die OP ist schon vorbei!!!"

was?!!! ....


Er hat es gar nicht mitbekommen.
Das Schlimmste sind die Schmerzen, die er JETZT hat.
Ansonsten alles i. O.

Sonntag, 23. Mai 2010

Von einem, der auszog, das Laufen zu lernen (Video)

Nein, ich hätte dieses Video nicht "erste Schritte" taufen können, denn meine ersten Schritte habe ich schon vor längerer Zeit getan. Neben dem eigentlichen Laufen geht es nun aber vor allem um den Anfang und das Ende dieser außerordentlich komplizierten Aktivität.
Am Anfang steht das Aufstehen ohne jedes Hilfsmittel - das kann ich jetzt (und ist natürlich nicht im Video zu sehen).
Und am Ende steht das nicht-Hinfallen. Entweder ich bleibe einfach stehen oder ich kann mich irgendwo abstützen oder ich setze mich schlichtweg auf meinen Hintern - auch das kann ich jetzt alles (und das ist auch nicht im Video zu sehen).

Von einem, der auszog, das Laufen zu lernen (Video), Video, Maximilian, storytellers, Behinderung, Down-Syndrom, Liebe, Cult on You Tube,Der 19. Mai 2010 war der große Tag. Bis dahin war ich zwar schon öfter ein paar Schritte ganz allein gelaufen, aber da musste immer jemand sein, in dessen Arme ich mich fallen lassen konnte.
Mami bekam zuerst einmal einen Schreck, als sie mich aus der KiTa abholen wollte und man ihr erklärte, dass "Max se soltó!!!"
Denn meistens, wenn man Mami dies erklärt, bedeutete dies bisher, dass ich Durchfall hatte ("se soltó del estómago").
In diesem Fall hatte dieser Ausspruch aber eine andere Bedeutung, denn ich hatte endlich "losgelassen", womit nichts anderes gesagt werden soll, als dass ich frei gelaufen war an jenem 19. Mai. Und ich wollte damit gar nicht mehr aufhören.

Vielleicht wollte ich aber auch einfach nur nicht aufhören, weil mein Treiben so viel Applaus und Begeisterung auslöste. Exakt 3 Jahre und 5 Monate musste ich nämlich erst alt werden, bevor es so weit war.

Papi sagt, die emotionale Anteilnahme ist in diesem Fall doch eine andere. Man wartet, hofft, trainiert und therapiert ... da bleibt dann der übliche Tränchenfluss natürlich nicht aus.
Meine Gedanken gingen bei diesem Großereignis allerdings ziemlich schnell zu Mirjam & Gabriela, denen es leider nicht vergönnt ist, solche Momente miteinder zu erleben. Also widme ich diese meine ersten richtigen Schritte weder Mami noch Papi noch Omi noch Opi noch meinem Therapeuten ..., sondern ich widme sie sowohl Mirjam als auch Gabriela. Ich fühle mich so, als würden wir auf einander zu laufen, auch wenn meine eigenen Schritte noch ein wenig wackelig und betrunken daherkommen.

Hier nun aber endlich die ganze Geschichte auch zum Ansehen:



Der Titelsong nennt sich "Bold Prediction" und ist von Paul Mottram.
Wer errät, warum Papi den ausgewählt hat?

Mittwoch, 31. März 2010

Alles ganz anders und das irgendwie Lustigste, das ich nicht lernen will

Wieder einmal sieht es, was meine Gesundheit anbelangt, anders aus als noch vor wenigen Tagen. Einige werden sich erinnern: es ging um mein Herz.
Da es sich um MEIN Herz handelt, kann ich ganz emotionslos berichten:
Die Operation wird NICHT in diesem Jahr stattfinden, sondern wir werden warten, bis ich 5 oder 6 Jahre alt bin.

Bei Mami und Papi ist da natürlich nix mit emotionslos - die werden schon wissen, warum.

Anscheinend ist das Loch nicht groß genug und der Gesamtzustand meines Herzens zu gut, um eine OP am offenen Herzen zu riskieren. Eine tolle Willkommensnachricht für Omi und Opi, die vor ein paar Stunden ihren Fuß auf mexikanischen Boden gesetzt haben.

Und so hat Papi doch tatsächlich einmal die Möglichkeit bekommen, sich um seine eigene Gesundheit zu kümmern. Der verliert nämlich seit Jahren langsam, aber ganz sicher sein Gehör. Wie bitte? Ja, sein Gehör. Einflüsse: viele. Hauptursache: Vererbung. Das ist nun doktorisch bestätigt. Was bedeutet, dass Papi ein Hilfsmittel braucht. Die Suche nach einem finanziell tragbaren Hilfsmittel hat bereits begonnen.

Damit zum unterhaltsamen Teil:

Dass ein Papiertaschentuch zur Nase gehört wie ein Wal zum Mart, habe ich bestens begriffen. Nur irgendwie bin ich mit der Chronologie bei dieser Aktivität nicht ganz einverstanden. Wenn meine Nase von ihrem Inhalt befreit werden will, dann unterstütze ich sie natürlich dabei. Ohne Vorwarnung und trotz des beim letzten Mal erwähnten fast schon obligatorischen Feuchttuch (welches nach einer halben Stunde in meiner wedelnden Hand normalerweise getrocknet ist).
Wenn Mami oder Papi oder sonstwer sich beeilen, können sie den jetzt Ex-Naseninhalt mit dafür vorgesehenem Papier von meiner Nase abwischen. Sind sie zu langsam, können sie ihn von meinem Ärmel abwischen.

Der Clou kommt aber erst noch. Ist das Papier dann einmal an meiner Nase, schaue ich ganz unschuldig in die Weltgeschichte und mache sonst nichts. Am wenigsten mit meiner Nase. Vor allem Papi zieht dann Grimassen und macht Geräusche, um mich zu animieren, doch bitte genau JETZT die Nase noch einmal durchzublasen - Ihr macht Euch kein Bild (eigentlich bin ICH es, der die Kamera braucht!).
Ist das Papier dann endlich weg von meiner Nase, dann halte ich den Moment für gekommen, noch einmal so richtig loszutrompeten. Und mit "weg" meine ich möglichst weit weg - am besten schon im Müll. Sonst bekäme mein Ärmel ja überhaupt keine Chance mehr.

Und das war's auch schon wieder für heute.
Ich wünsche Euch allen Frohe Ostern

Euer Max

Donnerstag, 25. März 2010

Hart aber herzlich - die neue Odyssee beginnt

So, nun bin ich also schon wieder auf dem Weg in die große Stadt. Fast habe ich diese Reisen vermisst.

So viel gäbe es zu erzählen, so viel zu zeigen, aber Papi hat - zumindest momentan - irgendwie die Lust am Erzählen verloren. Auch wenn er nie so wahnsinnig viele Fotos gezeigt hat, so sei es ohne Kamera irgendwie doch nicht dasselbe, meint er. Und seit Monaten steht er unter einer extremen finanziellen Belastung, noch extremer als sonst. Da fehlt ihm wohl irgendwie die Freude am Sich-Mitteilen. Außerdem soll dies eigentlich kein Jammerblog werden.

Also muss ich kurz ran. Prinzipiell geht es uns ziemlich gut. Ich habe diesen Winter erstaunlich krankheitsfrei überstanden und meine Fortschritte nehmen zu. Was diese kleinen Schritte bedeuten, sehe ich an den Freudentränen in den Augen von Mami & Papi, wenn ich wieder etwas Neues kann.

Großartige Details darf ich hier nicht verraten, denn in etwa einer Woche kommen Papis Mami und Papi - sprich meine Omi und Opi - zu ihrem zweijährlichen Besuch und Mami besteht partout darauf, dass da doch noch die eine oder andere Überraschung drin sein muss. Und Omi & Opi lesen hier mit.

Aber ein paar Kleinigkeiten kann ich Euch doch erzählen. Zum Beispiel, dass ich nicht schlafen kann, ohne mir die Zähne geputzt zu haben. Oder folgende kleine Geschichte, die belegt, dass ich ein sehr guter Imitator bin - Grundlage, um zu lernen: Vor ein paar Wochen erwischte mich Papi dabei, wie ich auf dem Bett saß. An sich nichts Besonderes. Aber in der rechten Hand hatte ich dabei einen kleinen Spiegel. Und in der linken Mamis Lippenstift, mit dem ich mir im Gesicht rummalte. Das hat Laune gemacht!
Mami sitzt übrigens immer an genau derselben Stelle auf dem Bett, wenn sie sich schminkt. Muss ich erwähnen , dass sie den Spiegel mit der Rechten hält?

Mein momentanes Lieblingsspielzeug sind ........... Feuchttücher!
Wenn Mami & Papi nicht aufpassen, mache ich eine ganze Packung leer und verteile den Inhalt fein unregelmäßig in der ganzen Höhle. Aber wenn ich nur eins erwische, dann kann ich damit stundenlang freudestrahlend herumwedeln.

Mittlerweile weiß ich auch, wie man Leute umarmt und tue dies sogar, weil ich glaube, dass die das mögen. Und dass ich mich hierbei auf Leute beschränke, die ich kenne und gern habe, scheint meinen Eltern zu gefallen......


Aber nun sitze ich wieder im Bus.
Heute Nachmittag haben wir den ersten Termin, um zu entscheiden, wie wir die Reparatur meiner Pumpe angehen. 7 Stunden hin, Termin, 7 Stunden zurück, Duschen, zur Arbeit gehen ... das bedeutet es für Mami, die mit mir unterwegs ist. Glücklicherweise ist dieses zur-Arbeit-gehen das letzte vor ihrem wohl verdienten 1-monatigen Urlaub, der Omi & Opi gewidmet ist, mit deren Unterstützung wir wahrscheinlich sogar für eine Woche in den Genuss des Pazifikstrandes kommen werden.

Grund zu klagen also?
Ach, Papi .... lies Dir einfach einmal Tim's Story durch!


Bis demnächst
Euer Max

Samstag, 27. Februar 2010

Claro: Nivea beendet Diskriminierung (wegen Hautfarbe) in Mexiko


Foto: nivea.com.mx

Viele Leute wissen nicht, dass in Mexiko helle Haut (und helle Augen) ein physisch/optisches Körper-Merkmal ist, um auf der so genannten sozialen Leiter ein paar Stufen zu überspringen. Von unten nach oben gesehen.
Der Körperpflegemittelhersteller (was für herrliche Wörter die deutsche Sprache doch bietet!) NIVEA hat jetzt die alkoholfreie Lösung parat, um selbst dem schwärzesten Mexikaner dieses Leiterhüpfen zu ermöglichen. Eigentlich müsste es heißen: MexikaneRIN, denn der "Nivea Aclarado Natural Roll On" ist im Sinne des Erfinders (oder der Nase) für Damen gedacht.

Das spanische Wort "claro" bedeutet neben anderen Dingen auch "hell".
Hell als Gegenteil von dunkel, nicht als angelsächsische Hölle.
Was dem Namen Clara aber nicht unbedingt die Bedeutung von "Die Hell(häutig)e" verleiht, sondern durchaus als "Die Hell(im Kopf)e" verstanden werden kann. Warum gibt es eigentlich keine maskuline Variante von "Clara"? Feminist(inn)en werden es wissen.

Klar scheint jedenfalls, dass der besagte NIVEA-Roller meine Haut weiß macht. Denn was für die Haut an (oder sollte man besser sagen "in"?) den Achseln gilt, sollte doch auch für den restlichen Körper funktionieren, oder?

Meine Damen: Haben Sie sich jemals Gedanken über die Farbe der Haut in Ihren Achseln gemacht? Rasur hin oder her.

Wie auch immer.
Wenn das Produkt hält, was der Hersteller verspricht, muss ich also nur den Dingens über meinen ganzen Körper rollen und schon werde ich Weißglut-weiß, richtig?

Klasse Erfindung, NIVEA!

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Wenn der letzte Rest unseren Nerven den letzten Rest gibt

Es ist so eine Sache mit dem letzten Rest.
Manchmal vollkommen unproblematisch (Flasche leer. Ich habe fertig. Oder mache mir eine neue auf.), kann so ein letzter Rest unser Nervenkostüm doch in gewissen Situationen und unter gewissen Umständen auf eine harte Bewährungsprobe stellen. Vor allem, wenn wir unter Zeitdruck stehen, einen Master (und somit möglicherweise eine Manie) in extremer Sparsamkeit unser eigen nennen, nicht gerade in Vorrats- und Planungdenken ausgebildet wurden und und und ...
Hier ein paar Beispiele:

Die Zahnpasta

Ein Klassiker unter den Restsorgen. Wer kennt sie nicht, diese elastischen Tuben. Wenn der Inhalt einer solchen zur Neige geht, dann wird es lustig. Da wird gequetscht und gedrückt und gefaltet und erneut gequetscht, dass es eine Freude ist. Der wirkliche Erfolg optimaler Nutzung stellt sich aber erst ein, wenn es uns gelingt, dass die Tube an einer oder mehreren Stellen einreißt und der köstliche Inhalt an allen Seiten herausquillt ... auf die Hände, auf die frisch aus dem Schrank gezerrte Kleidung ...

Lösung: Anstatt der Zahnpasta Seife benutzen. Die schäumt genauso schön und gibt es heutzutage auch oft mit hohem Mintaroma-Anteil. Einfach die Zahnbürste anfeuchten, ein wenig auf dem Block Palmolive reiben und schon beginnt das Vergnügen. Einen Kotz- Spuckeimer sollte man allerdings in der Nähe haben.


Das Toilettenpapier

Oh, jetzt muss ich aber! Flitz. Ein Blick auf die Rolle: Das reicht allemal!
Ups! Das kommt ja flüssig! Ohhhhh .... ahhhhh!
Und einmal gewischt, und zweimal gewischt .... und 15-mal gewischt. Und immer noch nicht fertig und immer noch nicht sauber. Scheiße!
Welch unglücklicher Zufall, dass mein zukünftiger Chef und seine Frau im Wohnzimmer darauf warten, dass ich zurück komme; meine Frau gerade zum Supermarkt gefahren ist, um Zahnpasta zu kaufen, die Kinder bereits schlafen und die Vorratspackung mit 367 abgezählten, frischen und herrlich duftenden Rollen 5-lagigen kuschelweich vorgespülten Klopapiers im Keller darauf warten, ihren Weg zum WC-Papierrollenhalter anzutreten.
Der krönende Moment dieser gar nicht so fiktiven Situation ist das Einsetzen der komischen Laute, die mein Telefon von sich gibt und da ich mit der Philosophie lebe, dass jeder Anruf wichtig ist ....

Lösung: Auf dem Thron anstatt des Zepters immer ein gutes Buch mit vielen, vielen Seiten zur wischenden Hand haben.


Das Benzin

Die Reserveanzeige leuchtet auf? Ach ja, ich habe mal gehört oder auf dem Klo gelesen, dass das bedeutet, ich habe noch 50 oder 60 km. Also kann ich die Tankstelle noch locker links liegen lassen. Brummmmm....
Oh! Ein Stau! .....
30 Minuten spaeter stelle ich mir die Frage, ob ein Auto nun im Leerlauf mehr Sprit verbraucht als beim Anlassen im 3-Minuten-Takt. Kann es sein, dass die Anzeige ihre Farbe von orange auf dunkelrot gewechselt hat?
Weitere 10 Minuten fange ich an zu singen, während ich komisch durch die Gegend hopse: "I´m walking ...."

Lösung: An jeder Tankstelle, an der ich vorbeikomme, schnell an die SäeEule fahren und volltanken. Bei meinen Pit Stop-Zeiten wird man über kurz oder lang sogar in der Formel 1 auf mich aufmerksam werden.


Die Babymilch

Ja, dieses Pulver in der Dose mit der praktischen Plastikminikelle zum genauen Abmessen der Portionen. Verdammt nochmal, was komme ich da ins Fluchen, wenn nicht mehr ausreichend Pulver in der Dose ist, um die Kelle anständig zu füllen. Am Anfang des Endes geht es ja noch, da ich mich daran erinnere, dass einhalb und einhalb gleich einganz sind und bringe einfach den Dopplereffekt zum Einsatz. Aber dann .. ein Drittel, ein Viertel, ein Achtzehntel ....

Lösung: Auf gar keinen Fall schon die neue Dose öffnen und den kläglichen Rest der zur Neige gehenden einfach umschütten!


Die Batterie

Drei Viertel voll? Das sollte genügen, um meine Videokamera während der einstündigen Messe und der folgenden 18-stündigen Fiesta zu betreiben! Ich will ja nur das Wichtigste filmen.
Vor der Kirche: Cabronsito, kannst Du mal bitte ....?
In der Kirche: Cabronsito, versäum aber nicht dies, jenes und sowieso ....!
Wieder vor der Kirche: Cabronsito, warte mal! Noch einmal mit Tante Nr. 37!
Immer noch vor der Kirche: Papi, darf ich auch mal?
Blink, blink, blink .... aus die Maus.
Rechtzeitig zum Restetrinken aus fast leeren Bierflaschen komme ich dann bei der Fiesta an, aber immerhin mit vollem Tank, Schaum vor dem Mund, 5 Litern fix und fertig zubereiteter Babymilch und dem Kofferraum voll Toilettenpapier.

Lösung: Immer ein etwa 30 Kilometer langes Kabel (es kann ja sein, dass jemand die Kirche nicht im Dorf gelassen hat) in der Hemdtasche mit sich führen und den Akku ununterbrochen mit Strömlingen vollpumpen.

Freitag, 4. Dezember 2009

Blogtipp: Nothing for UnGood oder Little Mirror, Little Mirror on the Wall

Wenn Ihr in der Lage seid, über das Attribut "deutsch" auch einmal zu lachen (wenn es denn ein solches Attribut gibt), dann habe ich etwas für Euch, was Euch ein paar recht heitere Stunden bescheren wird.

Johns bierernste Artikel bei Nothing for Ungood.

Blogtipp: Nothing for UnGood oder Little Mirror, Little Mirror on the Wall, Blognamen, Blogs, Deutschland, Folklore, Fotos, Klamauk, funny pics, Sprache, storytellers,

Als Einsteiger empfehle ich die "Topppostings" - zu finden in der rechten Navigationsleiste.
gefunden vía Paul


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Dienstag, 1. Dezember 2009

Es bestehen gute Chancen, dass Du Dich in Mexiko befindest, wenn ...

- neben der Toilette ein Mülleimer steht, mit dem Du nichts anzufangen weißt

- die meisten der kleineren Geschäfte und Futterbuden nach einem Familienmitglied benannt sind

- sich Dir der Kandidat für die nächste Kommunalwahl an eine Hauswand gemalt vorstellt

- Dein Haus nicht mehr unter Strom steht, sobald 2 Regentropfen fallen

- Du schwimmend durch die Scheibe Deines Autos aussteigen kannst, sobald 3 Regentropfen fallen

- Du an einer blau-gelb-weiß-grün-roten Uniformenschwemme erkennst, dass die Schule wieder begonnen hat

- ein Drittel Deiner Schrankkapazitäten durch Weihnachtsaccessoires besetzt ist

- Dir ein angelsächsischer Dialekt begegnet, der Begriffe wie "Tenk Juhs", "Burr Gerr Kien", "Ehpol" u.v.m. beinhaltet

- der Polizist, der Dich gerade wegen überhöhter Geschwindigkeit angehalten hat, berechtigt ist, Dir bei Sofortentrichtung des Bußgeldes einen Rabatt von 75% einzuräumen

- Du, um sechs Mal pro Jahr zur Bank gehen zu können, Deinen kompletten Jahresurlaub verbraten musst

- Dir dann trotzdem noch 45 freie Nicht-Wochenend-Tage bleiben

- Du die 3 mit voller Wasserauslastung der Waschmaschine weichgespülten BHs der Nachbarin an Deinem Eingangstor zum Trocknen aufgehängt findest

- Du Dir für 15.000 Euro einfach ein anderes Haus kaufen kannst, falls Dir das nicht gefällt

- Du mit einer Stunde Verspätung der erste bist, der bei der Fiesta ankommt - inklusive Gastgeber

- bei dieser Fiesta im kleinsten Kreis etwa 200 Leute auflaufen und

- Du nach 10 Jahren Ehe schon ungefähr die Hälfte der Familie ersten Grades Deines Partners kennst.


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