Update:
Es ist jetzt 20:12 und vor etwa 2 Minuten kam der Anruf, dass die beiden nun endlich "drin" sind. Meine Mami ist also mittlerweile knapp 23 Stunden vor Ort.
Wir 3 Männer - mittlerweile alle schon wieder gesund - haben die letzte Nacht allein in der Höhle verbracht. Für mich, wenn ich einmal genau nachdenke, die allererste komplette Nacht ohne Mami, von Krankenhausaufenthalten einmal abgesehen.
Was ist passiert?
In Aguascalientes wird demnächst ein neues Hospital unter der Regie des "Instituto Mexicano de Seguro Sociál" (kurz IMSS) gebaut werden. Dieser Umstand hat die Schaffung einer ganzen Menge Arbeitsplätze als Folge. Immer noch heißbegehrte Arbeitsplätze, wie sich herausstellte. Wohl weniger wegen der Bezahlung selbst als wegen der Jobsicherheit und der Sozialleistungen.
Da man im IMSS viel Wert auf familiäre Bindungen legt, hat man sich folgendes System bei der Vergabe der Arbeitsplätze ausgedacht:
Jeder Mitarbeiter darf einen Familienangehörigen empfehlen, wobei den Mitarbeitern mit der längsten Zugehörigkeit der Vorzug gegeben wird.
Wie es der Zufall will, ist meine Mami beim IMSS beschäftigt und ihre Zugehörigkeit könnte man so bezeichnen, dass Mami sich zu 100% um mich kümmern können wird, wenn ich 10 Jahre alt werde (ich bin gerade 3 geworden).
Nun hat meine Mami eine Schwester - aus deren Bauch übrigens in den nächsten Tagen mein/e jüngste/r Cousin/e kommen wird, die trotz Universitätsstudiums und ursprünglich ganz anderer Pläne für ihr Arbeitsleben mittlerweile doch die Sicherheit eines Jobs im IMSS vorziehen würde. Also hat Mami sich vorgenommen, sich um die Angelegenheit zu kümmern.
Man sagt, das Interesse wäre eigentlich gar nicht sehr groß gewesen, beim IMSS vorstellig zu werden, und das aus gutem Grund. Angeblich hätte der Verantwortliche beim "sindicato" (Gewerkschaft, zuständig für die Einstellungen und Verträge) gegen ein geringes Entgelt bereits Zusagen für alle zu vergebenden Stellen gemacht. Dieses Pro-Kopf-Entgelt kann man etwa mit 1500 multiplizieren, denn um so viele Arbeitsplätze geht es ungefähr.
Da man in Mexiko aber anscheinend doch einige Dinge verbessern möchte, hat man gestern ein Signal gesetzt. Der genannte Beamte wurde kurzerhand entmachtet und es sollen Leute aus der Zentrale des IMSS in Mexiko-Stadt kommen und die Angelegenheit über die Bühne bringen. Um 10:30 Uhr heute sollen die Tueren geöffnet werden, wobei aber schon vorher "fichas" vergeben wurden.
Als diese Information durchsickerte, liefen die Telefonleitungen unserer Stadt heiß.
Gestern Abend gegen 19:00 standen schon etwa 200 Leute Schlange, um eine dieser begehrten "fichas" zu ergattern. In diesem Moment sind es über 2000.
Und meine Mami entschied sich kurzerhand, sich unters Volk zu mischen, obwohl sie niemanden fand, der heute für sie arbeiten könnte - so etwas geht im IMSS - da alle in Frage kommenden Kolleginnen selbst in der Schlange stehen.
Die Entscheidung wurde kurzerhand gegen 9 Uhr gestern Abend getroffen. Papi packte Mami alles zurecht, was von Nutzen sein könnte: Campingstuhl, Schlafsack, Kaffee & Tee etc.
Das meiste davon war unnötig, wie sich herausstellte, denn - wie auch immer sie es bewerkstelligt hat - Mami fand einen Parkplatz für ihr Auto direkt neben der Schlange. Der Campingstuhl, den sie jemand anderen benutzen ließ, markiert ihren Platz und sie verbrachte den größten Teil der kalten Nacht schlafend im Auto, wie sie uns gerade per Telefon berichtete.
Ihre "ficha" hat sie und meine Tante, die anwesend sein muss, ist mittlerweile vor Ort. Für die Zeit, die Mami wegen dieser Aktion nicht an ihrem Arbeitsplatz sein kann, gibt es eine Sondergenehmigung. Es dürfte also in diesem Moment einige unangenehme Szenen geben im IMSS Aguascalientes, da das Gros der Angestellten entschuldigt fehlt.
Jetzt fehlt nur noch, dass die ganze Aktion auch von Erfolg gekrönt wird. Aber selbst im Falle eines negativen Ausgangs ist Mami meine Heldin Tages.
Hier in der Höhle wäre ihr übrigens wahrscheinlich das Auto aufgebrochen worden, denn Mamis Auto übernachtet auf der Straße und als ich mich mit Papi in aller Frühe auf den Weg in meine KiTa machte, entdeckten wir, dass unserem Höhlennachbar die Autoscheibe eingeschlagen wurde, um das Radio zu klauen. Und Mami "vergisst" nur allzu gern, ihr Radio zu verstecken, wenn sie ihr Auto für längere Zeit abstellt.
Habt eine feine Restwoche
Euer Max
Donnerstag, 21. Januar 2010
Was Mamis Abwesenheit in der vergangenen Nacht mit einem korrupten Beamten zu tun hat
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Freitag, 4. Dezember 2009
Teletón México en vivo / live
Keine Ahnung, warum da ein Google-Rank NULL vorliegt.
Definitiv nicht aufgrund von Diskriminierung seitens Google.
Die in Mexiko Lebenden werden stöhnen, aber vielleicht interessiert es andere Leute, die nicht genau wissen, was so ein Teletón ist:
TELETON MEXIKO LIVE
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Dienstag, 3. November 2009
Zehn komma Null
Langsam sehe ich etwas klarer, nachdem ich ein paar Leute interviewt habe.
Es geht um das Thema (Schul-)Notenvergabe in Mexiko.
(Siehe auch Die Lernbremse wird schon jetzt gezogen ,
Der Schock am Ende der extremen Ferien und
Öffentliche Schulen in Mexiko besser als ihr Ruf?)
Fakt: Ich halte gerade Niklas´ erste Prüfungsergebnisse (gibt´s alle 2 Monate) der primaria in der Hand.
Sechs Mal 10,0.
Durchschnitt = 10,0.
Von den 6 Qualifikationen erlauben nur 2 eine "Pi mal Daumen"-Beurteilung: Sport und Kunst.
Bei den anderen 4 gab es jeweils ein eindeutiges schriftliches Examen. Diese liegen mir vor und ich muss zugeben, dass ich ein wenig (positiv) erstaunt bin.
Von diesen 4 materias sind m.E. 2 wirklich wichtig - man kann das diskutieren, aber ich sehe diesen Punkt so wie wohl die meisten Menschen - Español und Mathematik.
Ich will hier nicht weiter ins Detail gehen.
Niklas´ Fortschritte wie ich sie beobachte sind großartig und mittlerweile ist mein Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Schule ordentlich gestärkt.
Was ist nun aber mit diesem: "Naja, man schiebt den Kindern schon irgendwie ein gutes Resultat zu."?
Anscheinend ist das Humbug. Zumindest seit einiger Zeit.
Ich habe mit so einigen Leuten gesprochen und das Fazit lautete: "Heutzutage muss man sich selbst in der primaria gute Noten verdienen." Und zwar durch Leistung.
Die Examen - wie bereits erwähnt - lassen keinen Platz für entweder/oder. Es gibt - mit den genannten Ausnahmen - nur richtig oder falsch.
Jetzt will ich diesen ersten Test aber nicht überbewerten, obwohl ich natürlich stolz und sehr erfreut bin, dass Niklas (als einziger in seiner Klasse) so gut abgeschnitten hat. Zu einem wichtigen Teil hat sicherlich seine Vorbildung in der (privaten) "Mondo Peque" damit zu tun.
Wenn "Wie der Vater, so der Apfel, wenn er in der Nähe des Stammes bleibt" nicht so doof klingen würde, hätte ich auch das gesagt.

Wichtig: Ich bin beruhigt und jetzt sicher, dass Niklas eine vernünftige Basisbildung erhalten (und er sie auch annehmen) wird, trotz Schulausfall und auch wenn man sie vielleicht am Ende nicht mit einer in Deutschland vermittelten vergleichen kann. (Wovon ich noch immer gar nicht so überzeugt bin.)
Genauso wichtig: Maximilian geht es endlich etwas besser!!!
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Dienstag, 20. Oktober 2009
Mexiko - USA: Gouverneure von Kalifornien & Baja California Schwarzenegger und Osuna unterzeichnen "Memorandum of Understanding" (span.)
SACRAMENTO.- El gobernador de Baja California, José Guadalupe Osuna Millán y el gobernador de California, Arnold Schwarzenegger acaban de firmar el memorando de entendimiento que les permitirá avanzar las relaciones en áreas como son: agricultura, seguridad, recursos renovables, medio ambiente, salud, intercambio educativo, entre otros.
En un marco de camaradería el gobernador Osuna Millán resaltó la relación comercial que existe entre California y Baja California, donde la entidad mexicana es el principal socio comercial de California seguido por Canadá y Japón.
Por su parte el gobernador Arnold reconoció los beneficios que traerá este convenio en específico en la agricultura con un mayor movimiento comercial, en protección civil donde mandarán unidades de bomberos a México y en energía eólica.
En este último punto el gobernados Osuna resaltó a la empresa Sempra Energy y otra compañía de origen español como las que estarían produciendo energía eólica para exportar a California que debe cumplir para el 2012 con nuevas reglamentaciones ambientales.
En unos momentos más el gobernador Osuna Millán visitará al alcalde de la ciudad Kevin Johnson.
Quelle
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Und so sah es aus beim Treffen (Vidly-Video von Arnold Schwarzenegger):
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Dienstag, 22. September 2009
Der Influenza-Filter filtert ganz schön heftig
"Filtro sanitario" nennen es die meisten Leute in Mexiko, was dafuer verantwortlich war, dass Niklas heute nicht in die Schule gelassen wurde.
Es hat wieder begonnen, seit gestern ist die so genannte Schweinegrippe wieder in aller Munde. Man erwartet die zweite große Welle.
Dementsprechend ließ der Filter, der nichts anderes bedeutet, als dass jedes Kind einzeln auf Anzeichen von Influenza geprüft wird, Niklas heute nicht durch seinen schmalen Ausgang, weil dieser in genau dem Moment der Filterung ein wenig hustete. Na prima!
Wahrscheinlich aber eine richtige Maßnahme, denn Grippesymptome zeigen sich - auch seit gestern - bei einer Menge Leute. Wenn ich die statistisch nicht relevanten Familienangehörigen und Freunde nehmen würde, deren Kinder heute nicht eingelassen wurden, müsste man von etwa 50% ausgehen.
Bei Aufwärtstrend würde die Schule schon bald geschlossen werden.
Niklas hat natürlich nichts und vergnügt sich seit heute früh bei meiner Schwiegermutter. Zumindest die Hausaufgaben haben wir besorgt und so wird er nicht allzu viel verlieren. Morgen sehen wir dann auf´s Neue, was passiert.
Montag, 21. September 2009
Ein Moment, in dem man nicht umhin kann, den deutschen Regulierungswahn als sinnvoll zu akzeptieren
Es geht hier nicht um Lappalien, mit denen man in Deutschland versucht, selbst die kleinste Ecke des Lebens der Bevölkerung zu ordnen und organisieren.
Es geht hier um den Vergleich mit Mexiko.
Es geht hier um grundlegende und wirklich wichtige Dinge, bei denen Leben und Gesundheit geschützt werden sollen.
Es geht um Verkehr.
Und es geht weniger darum, dass - oder eben nicht - Regeln existieren, sondern um die Realität, wie die Regeln eingehalten und Zuwiderhandlungen bestraft werden. Eine Langzeit-Erziehungsmaßnahme, die m.E. in Deutschland erfolgreich statt gefunden hat. In Mexiko nicht.
Gerade eben auf dem Weg zu Maximilians KiTa nähere ich mich einer kleinen Ampelkreuzung an einer Schnellstrasse. "Klein", weil dort fast nie jemand kreuzt.
Die Ampel wird rot, bevor ich ankomme, also lasse ich das Auto langsam ausrollen.
Ein Blick in den Rückspiegel befördert ein "Ohhh, ohhhh!" auf meine geistigen Lippen.
Da kommt ein Auto angejagt, welches keine Anzeichen von sich gibt, anhalten zu wollen. Der Platz zum Durchheizen ist da, denn es gibt eine Rechtsabbiegerspur, auf der kein Auto steht. Eine exklusive Rechtsabbiegerspur, der man nicht geradeaus folgen kann, weil man dann gegen Beton knallen würde. Man muss schon mitten auf der Kreuzung wieder links einschlagen, um auf die Geradeausspur zurückzugelangen.
Es ist eines dieser Autos, bei denen man annehmen kann, dass sie nicht versichert sind. Und ja, es hält nicht, sondern knallt auf dem beschriebenen Weg an mir vorbei. Die Ampel war weder dunkelgelb noch hellrot. Nein, sie war einfach nur rot.
Dumm nur, dass in diesem Moment doch jemand die Kreuzung kreuzte. Ein einsamer, verlorener Radfahrer. Von dem ich nicht weiß, ob er noch lebt, denn er wurde mehrere Meter durch die Luft gewirbelt. Das Letzte, was ich sah, war, dass der Wahnsinnsfahrer zumindest die Höflichkeit besaß, anzuhalten. Dann verließ die Szene meinen Rückspiegel, denn die Ampel war mittlerweile wieder grün.
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Samstag, 19. September 2009
Schießerei in U-Bahn Mexiko-Stadt (18. September 2009) Security Cam Video

Story Highlights
°Shooting took place at the Balderas station in central Mexico City
°Luis Felipe Hernandez Castillo, 38, had been writing graffiti
°When police tried to stop him he drew a gun and began firing
°Witnesses heard Hernandez Castillo yelling anti-government slogans
>>>Kompletter CNN-Artikel<<<
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Freitag, 4. September 2009
Niklas-News: Die Lernbremse wird schon jetzt gezogen
Das, was im Zusammenhang mit dem Schock am Ende der extremen Ferien zu befürchten war, bestätigt sich. Schon in den ersten Tagen erkennt man dies an der Masse der Hausaufgaben, die Niklas machen muss. Nehmen wir nur das Beispiel des Unterrichtsfachs Español: Die Kinder sind gerade dabei, die einzelnen Buchstaben zu lernen! Anhand der üblichen Methode. Die entsprechenden Buchstaben in Bildern entdecken, sie ausmalen und ausschneiden, sie nachzeichnen; Wörter, die mit den entsprechenden Buchstaben beginnen, in Zeitschriften finden, die Wörter ausschneiden und ins Heft kleben usw...
Wie früher schon erwähnt - Niklas kann bereits lesen und (wenn auch noch etwas holperig) schreiben. Aber ich hoffe einfach, dass man es schafft, im Laufe der Monate das für die nächste Stufe (Segundo de Primaria) erforderliche Niveau zu erreichen.
Bereits häufiger sprach ich über die Diskrepanz zwischen der schulischen Ausbildung in Mexiko und Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Wo bzw. wann bzw. warum bleiben die mexikanischen Schüler/Studenten auf der Strecke, wenn sie schon so früh (erfolgreich) beginnen, auf der anderen Seite aber der europäischen Schülern deutlich unterlegen sind, wenn sie die Schule oder Universität beenden? Ich glaube, das ist nicht nur ein Umstand auf dem Papier und eine Frage der Anerkennung, sondern schlichtweg ein Fakt.
Einer der sicherlich sehr vielschichtigen Gründe ist ohne Frage der Schulausfall, denn in Mexiko ist die Zeit zwischen den Ferien zerrissen von schulfreien Tagen. Mit verschiedenen Hintergründen. Da sind zuerst einmal offizielle und nicht ganz so offizielle Feiertage, um die man häufig auch noch gewaltige Brücken baut und von denen bei weitem nicht alle im offiziellen Schulkalender der SEP aufgeführt sind. Nicht zu reden von all den Festivals zu jedem denkbaren und undenkbaren Anlass, bei denen die Kinder zwar zur Schule gehen, aber nichts weiter tun außer zu feiern. Und dann sind da diese famosen "Lehrerversammlungen", immer auf einen Freitag gelegt.
Heute ist ein solcher Freitag. Das Schuljahr ist noch keine 2 Wochen alt. Mexikoweit Schulausfall, zumindest für Primaria und Secundaria. Was genau die Lehrer bei diesen Versammlungen treiben, habe ich mir bisher nicht Mühe gemacht, herauszufinden, weil es mich nicht interessiert.
Und diese schulfreien Tage summieren sich. Prinzipiell habe ich überhaupt nichts dagegen, denn es geht um relativ kleine Kinder, die auch Kinder sein sollen. Da ist ab und zu ein langes Wochenende bestimmt gar nicht verkehrt. Nur muss man auf der anderen Seite eben doch sehen, wie viel Zeit mit all diesen freien Tagen verloren wird. Und der Versuch, diese zu kompensieren, indem man den Kindern bei diesen Anlässen einen Sack voller Hausaufgaben mitgibt, der größer als der des Weihnachtsmanns ist, ist meines Erachtens keine gute Lösung.






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Mittwoch, 1. Juli 2009
Niklas News: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil
Ich bin ein wenig geschockt.
Positiv gemeint, falls es das gibt.
Über eine zu Ende gehende Etappe im Leben eines jungen Menschen (in Mexiko) wird dieser Tage zu berichten sein. Wahrscheinlich mit Fotos untermalt.
Aber das ist (noch) Zukunftsmusik.
Ich habe mir nie all zu viele Gedanken darüber gemacht, wie ein Kind eigentlich das Lesen lernt. Und dabei war ich die ganze Zeit so nah dran. Am besten fängt man mit dem "A" an. Man lässt es malen, zeichnen, kopieren usw.
Dann nimmt man den nächsten Buchstaben.
Als nächsten Schritt kombiniert man Buchstaben: la-le-li-lo-lu, ma-ne-pi-pa-po.
So geht das immer weiter.
Ich will diesen Beitrag nicht unnötig ausdehnen.
Wenn man es nebenbei noch schafft, das Interesse eines Kindes am Lesen zu wecken, dann hat man wohl etwas richtig gemacht.
Und genau da ist Niklas.
Der vor Kurzem 6 Jahre alt wurde und dessen - nach deutschen Maßstäben und mexikanischen Fakten- Einschulung im August stattfinden wird.
Seit etwas mehr als einer Woche versucht Niklas alles zu lesen, was ihm an Buchstabensalat vor Augen kommt. Holperig, Silbe für Silbe, aber mit 6-und-ein-wenig-Jahren liest er einfach alles! Sei es das Wort auf dem Werbeplakat am Straßenrand, sei es der Markenname des Autos vor uns, sei es das Wort auf dem Angebotszettel des Supermarktes, der Partei oder des Reiseveranstalters.
Zum Resultat kommt er immer.
Es glaube niemand, dass ich etwas mit diesen Fortschritten zu tun hätte. Lesen direkt und als solches haben wir nie geübt. Ich berichtete bereits mehrfach, wie ausgelastet Niklas in seinem zarten Alter schon mit (schriftlichen) Hausaufgaben ist. Ihn dabei zu unterstützen, füllte den Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten aus.
Irgendwie macht es den Eindruck, als müsse das Lesen nur noch ein wenig flüssiger werden. Und dann?
Warten wir´s ab.
Niklas ist kein Wunderkind.
Das, was er kann, wird beim Eintritt in die Schule (primaria) in Mexiko als Grundkenntnis erwartet.
Ich bin schon gespannt, wo-wann-und-warum die große Bremse (im mexikanischen Bildungssystem verankert)kommt, denn nach dem bisherigen am Alter gemessenen Verlauf der schulischen Bildung laut Niklas und Freunden müssten mexikanische Schulabgänger ihren Namensvettern in Zentraleuropa (Deutschland etwa) weit überlegen sein.
Was ziemlich utopisch klingt und - momentan - wohl auch utopisch ist.
Über die Jahre werde ich dran bleiben an diesem Thema und irgendwann, vielleicht im Jahre 2019, auch eine fundierte Meinung äußern können. Wenn bis dahin nicht Utopie zur Realität geworden ist. Oder trotzdem. 















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Donnerstag, 25. Juni 2009
Niklas News: Öffentliche Schulen in Mexiko besser als ihr Ruf? Und ein etwas anderes Ferienprogramm.
Zumindest in Einzelfällen scheint dies so zu sein.
Zugegeben - bei der Entscheidung, die bei Niklas bittere Tränen auslöste, fällten wir aufgrund familiärer Empfehlungen und weniger aufgrund eigener Erfahrungen.
Heute nun hatte ich Gelegenheit und Zeit, mich ein wenig mit Niklas´ neuer Schule vertraut zu machen. Und mein Eindruck war ein sehr, sehr positiver.
Hier ein paar Stichwörter: sehr sauber, sehr, gepflegt, sehr bunt, sehr höflich, sehr freundlich, sehr viel Grün, sehr gute Laune ...
Nichts zu spüren von den üblichen Klischees bezüglich staatlicher mexikanischer Schulen a la Schimpfwortfestival, schmuddelig % Co.
Ich muss dazu sagen, dass "Jean Piaget Aguascalientes" eine Riesenbewerberliste hat und es nicht einfach ist, dort unterzukommen. Außerdem ist die Schule in einem der besten Wohnviertel der Stadt untergebracht. Und zum Glück in unserer Nähe, wenn auch in entgegengesetzter Richtung zu Maximilians Kinderkrippe und dem Rehazentrum (Niklas´bisherige Schule bzw. Vorschule war sozusagen Tür an Tür mit den beiden genannten Einrichtungen).
Mein schlechtes Gewissen gegenüber Niklas ob dieses Schulwechsels ist somit wie weg geblasen. Vor allem, da 2 Cousinen und ein Cousin in die selbe Schule gehen (was für uns den Vorteil hatte, uns zumindest über die hohe Qualität der Bildung ein Bild bilden zu können). Zwar nicht mehr lange, aber bis diese Cousins und Cousinen die Schule verlassen, wird Niklas seine eigenen Freunde gefunden haben. Ich bin sicher, dass es ihm dort gefallen wird.
Wann genau es los geht, ist noch unklar. "Konsultieren Sie bitte die Medien" sagte mir die Direktorin in Bezug auf den Schulanfang, denn die Influenza hat nicht nur den noch aktuellen Schulkalender Mexikos etwas durcheinander gewirbelt, sondern könnte anscheinend auch Einfluss auf den des kommenden Schuljahres haben.
Dazwischen liegen die großen Sommerferien, die offiziell in zwei Wochen beginnen.
Bisher nahm Niklas immer an einem Ferienprogramm in einem großen Park in Aguascalientes teil - wie immer zusammen mit Cousins und Cousinen. Eine tolle Sache, aber für diese kommenden Ferien haben wir uns für etwas anderes entschieden.
Die relativ lange Phase der großen Angst vor dem großen Wasser scheint bei Niklas endgültig vorbei zu sein. Deshalb halten wir es für an der Zeit, dass er richtig schwimmen lernt. Es gibt eine Schwimmhalle mit entsprechendem Angebot ganz in unserer Nähe und Niklas ist eingeschrieben und ausgerüstet.
Eine Stunde jeden Tag. Zuerst 4 Wochen lang, dann geht es für Niklas - ratet mal, mit wem! - nach Acapulco. Eine Woche lang. Und dann kommt noch eine Woche, die Gratiswoche im "Angebot" des Curso de Verano naemlich, in der Schwimmhalle.
Mal sehen, ob´s fruchtet.
















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Dienstag, 23. Juni 2009
Florence Cassez bleibt in Mexiko im Gefängnis - eine Überraschung
"Innerhalb von 3 Wochen" - schrieb ich am 9. März 2009.
Gestern war der 22. Juni 2009.
Und Mexikos Präsident Calderón verkündete, dass die französische Staatsbürgerin Florence Cassez, die der Mitwirkung an Entführungen (in Mexiko) durch die Bande Los Zodiaco beschuldigt und gerichtlich für schuldig erklärt wurde, nicht nach Frankreich überführt werden sondern ihre Haftstrafe (60 Jahre) in einem mexikanischen Gefängnis verbüßen würde.
Der Fall wurde im März anlässlich des Staatsbesuchs des französischen Präsidenten Sarkozy in Mexiko zum Politikum. Und ich bin überzeugt davon, dass die Mehrzahl der nationalen (Mexiko) und internationalen Beobachter davon ausgingen, dass Cassez irgendwie den Weg in die Heimat - in Handschellen oder auch nicht - finden würde.
Und gerade weil es sich um einen in Mexiko eigentlich "schon vergessenen" Fall handelt, überrascht die gestern verkündete Entscheidung der mexikanischen Regierung doch etwas.
Sofort wird ihr diese Entscheidung als Wahlkampfstrategie vorgeworfen, aber diese Beschuldigung passt nur zur Hälfte ins Bild. Und zwar der Hälfte, die den von Calderón beschrittenen Weg gegen die organisierte Kriminalität untermalt.
Ob dies der "richtige Weg" ist, werden die Historiker eines Tages be- oder widerlegen.
Das persönliche Schicksal der Frau Cassez einmal beiseite gelassen, kann ich mir allerdings ganz ehrlich ein "Hut ab!" kaum verkneifen.
Florence Cassez hinter Gittern - Foto: Le Figaro
Bevor jemand aufschreit: Das "Hut ab!" gilt dem politischen Mumm des mexikanischen Präsidenten in diesem "Spiel"; nicht der Realität, die Frau Cassez bevorsteht!
Florence Cassez dramatisiert in ihren Botschaften an die Welt wahrscheinlich kaum, wenn sie behauptet, dass Calderón sie zum Tode verurteilt hätte. Wenn sie behauptet, dass sie in einem mexikanischen Gefängnis sterben würde.
Ein wenig erinnert das Ganze an die mexikanischen "Grünen" (PVEM), deren momentane Strategie in der Forderung nach Neueinführung der Todesstrafe in Mexiko besteht. Und die gerade (innerhalb derselben politischen Wahlkampfspiele) dafür stark gerügt wurden, da diese Forderung im krassen Gegensatz zu der in den Statuten der Partei verankerten Grundauffassung steht.
Die eigentliche Überraschung kommt aber erst noch.
Einerseits fehlt es in Frankreich natürlich nicht an Initiativen, die Frau Cassez unterstützen (Bsp.: liberezflorencecassez.com [Google Rank 4]); auf der anderen Seite veröffentlichten die mexikanischen Medien heute die Information, dass das Gros der französischen Bevölkerung die Entscheidung der mexikanischen Regierung verstehen würde.
Nicht mehr, nicht weniger.
Trotzdem ein wenig schwierig zu glauben.
Und auch ein wenig schwierig zu finden, die Umfrage im Figaro
Aber sie existiert tatsächlich und auch wirklich mit dem genannten Resultat:
Umfrageresultat in "Le Figaro"
Eine Menge Fragen stellen sich da.
Und es tut sich ein weites Feld zur Diskussion auf.
Eine abschließende Bemerkung an alle hiesigen Leser, die an der Mexiko-Community teilhaben:
Ich persönlich finde es schade, dass - obwohl die trolligen Gründe verständlich sind - momentan über solche Dinge nicht ernsthaft diskutiert wird.

























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