Donnerstag, 31. Juli 2008

Mexiko: Dominic Binder, Josef Jassan und das Festival der Klischees

Soll man drüber lachen?
Oder weinen?
Sich ärgern?
Oder es einfach ignorieren?
Selten habe ich einen so lieblosen, ignoranten und schlecht durchdachten Artikel gelesen, wie den bei newsclick.de, den ich ausnahmsweise einmal komplett kopieren werde, die Unterstreichungen stammen aus meiner Feder:


WARTJENSTEDT. Keinen breitkrempigen Sombrero, sondern eine Flasche superscharfer Chilisauce hatte er im Gepäck: Nach einjährigem Aufenthalt in Puebla/Mexiko ist Austauschschüler Dominic Binder jetzt wohlbehalten nach Wartjenstedt heimgekehrt.

Doch fast wäre es anders gekommen. Er habe mit Klassenkameraden in einem Straßencafé nahe des Armenviertels zu Mittag gegessen und sich mit ihnen schon wieder auf dem Rückweg zur Schule befunden, als ein mit Pistole und Baseballschläger bewaffneter Räuber die Gruppe überfallen habe. Der 15-Jährige zur SZ: "Wir sind in alle Richtungen weggerannt. Einer von uns hat sein Handy fallenlassen, das hat der Typ dann mitgenommen."

"Auf keinen Fall", sagt der Gymnasiast, würde er wieder eine so lange Zeit in diesem lateinamerikanischen Land verbringen, einem Land krasser Gegensätze. "Da gibts nur sehr arm oder sehr reich", berichtet er. Seine Gastfamilie gehört zu den Reichen. Deren Haus steht in einer von Wachpersonal und hohen Mauern gesicherten Eigenheimsiedlung. ("Man konnte nur bis zur nächsten Grundstücksmauer sehen").

Für jede Fahrt steht ein Privatchauffeur zur Verfügung, alle Hausarbeiten besorgt die "Muchacha", eine junge Haushälterin. Die ist auch fürs Kochen zuständig – seitdem hat sich Dominics Geschmack gründlich geändert. Kannte er zuvor nur vergleichsweise lasch gewürzte Speisen, schätzt er nun scharfe Kost.

Denn neben der Hauptbeilage Tortillas, eher flauen Maisfladen, kamen in Puebla häufig chilidurchsetzte Rind- und Geflügelgerichte auf den Tisch. Chili sind rote Gewürzschoten, deren Schärfe ungeübten Essern Tränen in die Augen treibt. Trinkwasser lieferte ein Händler in 20-Liter-Kanistern. Binder: "Tequila war nicht mein Fall, aber das Bier schmeckte besser."

Der Wartjenstedter ging in Puebla in die deutsche Schule, die hauptsächlich Kinder deutscher VW-Mitarbeiter besuchen. Dort lernte er zwar perfekt Spanisch, erhielt aber kein Latein, das er im Gymnasium Salzgitter-Bad neben Englisch als zweite Fremdsprache hat. Binder: "Das hole ich jetzt nach." Ein Computer-Lernprogramm für Latein hat er sich schon besorgt.

Als schönste Eindrücke seines Auslandsaufenthalts nennt der Jugendliche mehrwöchige Reisen mit seiner Gastfamilie nach Acapulco und Cancun. Mit Raymondo Ramirez (16), dem Sohn seiner Gastgeber, der zuvor ein Jahr bei Binders in Wartjenstedt gelebt hat (SZ berichtete), habe er sich prima verstanden. Doch der sei schon wieder zu einem anderen Austauschprogramm nach Kanada geflogen. "Daheim", sagt Dominic, "gefällt es mir am besten." Nur dass er wieder im Haushalt helfen müsse, falle ihm schwer.


Daheim - hätte Dominic vielleicht von vornherein bleiben sollen.
Und das auch in Zukunft tun.
Oder aber vorsichtig sein, mit welcher Art von Journalisten er hinterher spricht.

5 Kommentare:

Thorsten hat gesagt…

Also ich verstehe nicht unbedingt, was du gegen diesen Artikel hast. Er ist zwar klischeehaft geschrieben, aber vieles von dem trifft doch auch zu bzw. ist die persönliche Meinung dieses Junegen.

Andreas hat gesagt…

Ich finde den Artikel auch nicht schlecht. Da sieht man doch das die sogenannten Klischees auf irgendetwas aufbauen.

No Ghosts Here hat gesagt…

Ich weiss nicht, der Dominic war EIN JAHR in Mexiko.
In Puebla, ok.
An der Deutschen Schule, ok.
Wieviele Eindruecke vom Land Mexiko kann er bekommen haben, wenn er Acapulco und Cancún als "schoenste Erlebnisse" beschreibt?
Warum wird der Mariachi-Touri-Sombrero erwaehnt?
Wieviele Chilisorten kennt Ihr, die ROT sind?
Mexikanisches Bier schmeckt gut?
FLAUE Maisfladen?
Aber jetzt scharfe Kost bevorzugen?
Fast waere er nicht wohlbehalten nach Hause gekommen?
Weil in der NAEHE des ARMENVIERTELS ...?
Wieviele Leute kennt Ihr, die auf keinen Fall wieder so eine lange Zeit in Mexiko verbringen wuerden?
Seit wann ist das typische Condo mit Mauer drumrum und Wachpersonal = Sehr reich?
Und daneben gibt es dann nur sehr arm?
Gibt´s da wirklich keine Mitte, wenn auch zugegebenermassen Kluft und Quantitaet etwas extrem sind?
Nach "muchacha" und "Privatschauffeur" ist anscheinend (weil er es erwaehnt) der Umstand, dass er nun wieder im Haushalt mit anpacken muss, eine der schlimmsten Sachen an der Rueckkehr?
War die Bedingungen im Spanischunterricht perfekt oder hat er pefektES Spanisch gelernt?

und
und
und....

Geschmack und sonstige Vorlieben eines 15-jaehrigen mal ausgeklammert ... wieviel glaubt Ihr, hat der Junge von Mexiko kennengelernt? Vom Mexiko abseits der Deutschen Schule und der reichen Gastfamilie. Von Mexiko kennengelernt, um sich ein Urteil zu erlauben? Und wieviel Muehe hat sich Eurer Meinung nach Josef Jassan gemacht, etwas ueber Mexiko zu erfahren, bevor er den Artikel schrieb?

Das Bild, welches in dem Artikel vermittelt wird, ist in meinen Augen total verzerrt, auch wenn es zu einem guten Teil auf der persoenlichen Meinung Dominics beruht.

Aber das ist nur meine Meinung.
;-)

Hollito hat gesagt…

Was der wohl gesagt hätte, wenn er seine Zeit in Tijuana oder Juarez verbracht hätte? ;-)

Hollito hat gesagt…

Oh, und ganz vergessen:
Auch wenn ich nur ein doofer Tourist bin, allerdings mit familiärer Bindung in MX:
Ich würde im Leben nicht darauf kommen, Aca als mein "schönstes Erlebnis" zu bezeichnen. Ich war da, aber ich muss da bestimmt nicht wieder hin. Da gibt es wirklich schönere Ecken in MX...
Das ist so, als wenn jemand das Hofbräuhaus und Schloß Neuschwanstein als die Höhepunkte seines einjährigen Aufenthalts in D beschreiben würde. Da würde auch jeder sagen: "Aber das ist nicht Deutschland!"
Die übrigen Anmerkungen vom Cabronsito kann ich auch nur unterstützen...sorry, aber Puebla ist ja nun wirklich harmlos und die "deutscheste" aller Städte in MX.
"Privatchauffeur"? Der Sohn der Gastfamilie ist schon wieder weg, in Kanada? Oh ja, das alles klingt nach dem "echten" MX. ;-)

 
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