Dienstag, 26. August 2008

Maximilian News: Kleine Dramen am Rande - Maximilian ist doch kein Auto!

Das Zunähen der Wunde scheint problemlos verlaufen zu sein, wenn es auch etwas verspätet zustande kam.
Dann aber haben wir wohl eine Krankenschwester erwischt, die .... na, ich sag´s besser nicht. Nur zwei Kinder auf der Station heute Nachmittag, da kann man ja erst einmal für zwei Stunden durch die Gegend schnattern gehen.
Dann kommen zwei Notfälle rein, und plötzlich ist man von den Dingen überfordert.
U.a. stellt man plötzlich fest, dass ein Medikament für Max fehlt - die Bestellung wurde einfach verschludert. Um 18 Uhr sollte es zugeführt werden. Ein kleines Fläschchen. Ein besonderes kleines Fläschchen, so besonders, dass es sogar eine schwarze Plastiktüte übergezogen bekommt, um es vor dem wenigen Licht zu schützen, das es auf der Station gibt.
Ihr ahnt es schon - es handelt sich um das Medikament.
Jenes, welche die gefährliche Entzündung unter Maxs Wunde bekämpfen soll und damit bereits anscheinend gut begonnen hat (sagt die Ärztin).
Da tickt die cabronsito natürlich aus, und zu Recht, würde ich sagen.

Was nun?
Zum Glück war gerade eine Tante anwesend, die bei Maximilian bleiben konnte.
Was der cabronsita erlaubte, sich zu bewegen. Ihr wisst schon - ab zum Direktor. Aber selbst der kann nichts machen, wenn das Medikament nicht vorrätig ist. In der Apotheke des größten Hospitals der Stadt.
Dann eben selbst kaufen in der benachbarten kommerziellen Apotheke.
Auch nicht vorrätig, ist eben kein Aspirin, dieses kleine Fläschchen.
Mittlerweile ist es 18 Uhr, die ersten Tropfen sollten sich jetzt in Maxs Venen befinden.

In ihrer Hektik rennt die cabronsita einem der vielen befreundeten Ärzte über den Weg. Was denn los wäre, fragte er sie. Ahhh. Dringend notwendig?
Komm mit! Wir rufen mal die Klinik Nr. 2 (IMSS) an. Jawohl, die haben es.
Schnell mit dem dortigen Direktor gesprochen, der kennt die cabronsita auch, was vielleicht ausschlaggebend für sein okay war. Medikament kommt - gleich zwei Fläschchen - mit der nächsten Ambulanz, die gleich zu Euch startet. Prima. Danke!

Ambulanz kommt 25 Minuten später an.
Mit allem, was vorgesehen war.
Außer unserem Medikament, versteht sich.

Erfahren hat die cabronsita davon durch einen Anruf der Sekretärin des Direktors, als sie gerade ausparkte, um nach Hause zu kommen (sich darauf verlassend, dass das Medikament ankommen würde).

In diesem Moment erfahre ich auch, was passiert war.
Ganz einfach - die Ambulanz hatte die Klinik 2 bereits verlassen, als man mit dem Medikament nach unten kam.
Und nun?
Die cabronsita natürlich zurück in ihr Hospital.
Dort war mittlerweile der Nachtschicht-Direktor anwesend. Genauso hilfsbereit für seine Mitarbeiter. Wo genau ist das Medikament jetzt gelandet? (in der Direktion der Klinik 2).
Okay, sagt die cabronsita, dann fahre ich da eben hin. Kann ich das Rezept haben?
Nix da, sagt der Ambulanzfahrer unserer Klinik, der zufällig anwesend war und gerade seinen Dienst begonnen hatte. Es gibt gerade eine Menge gefährlicher Punkte in der Stadt, weil es schlimm regnet. Ich fahre und hole dir das Zeugs. Geht das in Ordnung, Chef?

Dann war´s nur noch eine Unterschrift unter der Autorisierung für die Fahrt.

Das Medikament ist jetzt angekommen.
Mehrere Stunden zu spät.
Mehrere Stunden außerdem, während derer die cabronsita sich hätte ausruhen können, was wichtig gewesen wäre, denn es ist noch ein wenig härter geworden mit unserer Organisation, da eine unserer Hauptstützen bei der Max-Wache wegen einer eigenen Verletzung ausgefallen ist.

Und Maximilian?
Tja, die Tante, die während der Jagd nach dem Medikament bei ihm geblieben war, kennt er nicht besonders gut. Weshalb er geheult und gejammert hat. Immerhin ausreichend dafür, dass die arme Tante die Station selbst heulend verließ.

Himmelherrgott!!
Im Automobilbau ist es schlimm, wenn die Produktionsstrasse gestoppt werden muss, weil wegen irgendwelcher Fehler ein paar Teile nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen.
Aber da geht es nur um Geld!
Verschlampt, das Medikament zu bestellen!!!!!
Ich hoffe ehrlich, dass wir mit dieser Krankenschwester nichts mehr zu tun haben werden - es war in nun 2 Wochen und 3 Tagen das erste Mal, dass wir sie sahen, vielleicht besteht ja Hoffnung. Mit ALLEN anderen sind wir sehr zufrieden gewesen.
Selbst mit der grummeligen Chef-Nacht-Krankenschwester, die immer fein alle Leute rausschmeißt, die abends nichts mehr auf der Station zu suchen haben, mache ich mittlerweile Scherze.

Keine Nachrichten sind in den nächsten Tagen bitte als gute Nachrichten anzusehen.
Ich erwähne das lieber, damit sich niemand Sorgen macht, sollte ein kleiner Riss im Informationsfluss hier entstehen. Die Idee ist, dass ich morgen ganz früh ein wenig arbeite, dann den ganzen Tag bei meinem Superhelden verbringe, um dann abends noch einmal ein wenig zu arbeiten. Ob ich dann danach noch gelaunt, gewillt oder kräftig genug bin, mich mitzuteilen, wage ich zu bezweifeln, zumal der folgende Tag genauso aussehen wird. Aber man weiss ja nie.

Wichtige Neuigkeiten werden selbstverständlich verkündet werden, und sei es im Telegrammstil.

Und jetzt Gute Nacht!

5 Kommentare:

luposine hat gesagt…

Ich glaube, wenn man da der Krankenschwester an die Gurgel geht, kommt man mit ner Affekttat durch....

Als wäre nicht alles so schon schlimm genug auch noch solch unnötigen Zerreißproben für die Nerven, das müsste nun wirklich schon gar nicht mehr sein.... :wüt:

Weiterhin alles Gute für euch, wir sind gedanklich alle bei euch!!

Liebe Huggels, Eveline *drückdrückdrück*

Jochen hat gesagt…

Ich mag mir garnicht die Verzweiflung der armen Leute vorstellen die ohne persönliche Beziehungen und finanzielle Mittel in eine solche Situation kommen. In Oaxaca komme ich immer am Krankenhaus vorbei wenn ich die Kids in die Schule bringe - vor der Tür lagern die aus den Bergdörfern angereisten Familienangehörigen auf Pappkartons.

Euch wünsche ich weiterhin viel Kraft im Kampf mit den Absurditäten des mexikanischen Gesundheitssystems - zum Wohle von Maximilian!

Anonym hat gesagt…

So ein Chaos dürfte doch eigentlich nicht sein :(
Ich schließe "Minimax" und Euch, die Eltern in meine Gebete ein - mehr kann ich leider nicht tun.

Daumendrückende Grüße,
Peter
--
http://lobotomie.myblog.de/

snudi hat gesagt…

Hallo Cabronsito...
Ich kenn Dich ja kaum, persönlich überhaupt nicht, in diesem Blog hab ich bis jetzt so gut wie nie gelesen, nur im Mexiko-Forum bin ihc hin und wieder über Deine Beiträge gestolpert. Trotzdem geht mir Euer Schicksal sehr sehr nahe, ich kann mir gut vorstellen wie schlimm dass für Euch sein muss, bewundere Euch aber auch, welche Kraft ihr freizusetzen scheint.

Das mit dem Medikament ist eine unglaubliche Schweinerei. Ich hab grad mit einem Kollegen über die schlechte Service-Auffassung gegenüber Konsumenten gesprochen. OK, gehört irgend wie dazu, Lateinamerika. Aber wenn es um die Gesundheit noch dazu eines Kindes geht macht mich das sehr sehr traurig. Und wir sind in einem Land, das sich (langsam aber sicher) auf dem Weg in die erste Welt befindet (oder besser befinden möchte).

Aber wenn dann noch versucht wird das zu verstuschen (schwarze Folie), dann macht mich das gegenüber meiner neuen Wahlheimat immens wütend. Kein verantwortungsgefühl, kein Gewissen.

Trotz allem wünsch ich Euch alle Kraft der Welt und alles Gute. Werde im Gedanken bei Euch sein...

Helmut hat gesagt…

Ich schließe mich Evelines Wünschen an und darf dir sagen: in Gedanken bin ich auch weiterhin bei euch und Maximilian...

Liebe Huggels
Helmut

 
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