Freitag, 31. Oktober 2008

Australien: Down-Syndrom? - Dann kannst du nicht bleiben! ... Der Fall des Dr. Bernhard Moeller

Und wieder sorgt ein ein Fall von behördlich angeordneter Diskriminierung für Aufsehen. Dr. Bernhard Moeller, seit zwei Jahren im australischen Horsham (Victoria) lebend und arbeitend, ist dem Immigration department des Bundesstaates nicht willkommen. Der Grund dafür ist seine familiäre Begleitung.

Nein, nicht Frau Isabella ist es, die der Behörde ein Dorn im Auge ist, sondern Lukas, 13-jähriger Sohn der beiden.
Was für einen Anlass kann ein Junge mit 13 Jahren bieten, einer sich schon längst heimisch fühlenden Einwandererfamilie die Daueraufenthaltsgenehmigung zu verweigern?
Ist er vielleicht ein Krimineller?
Oder jemand, der ansteckende tödliche Krankheiten nach Ozeanien geschleppt hat?
Ein Terrorist gar?

Selbstverständlich nichts dergleichen.
Lukas´ Vergehen besteht darin, dass er angeblich einen hohen Kostenfaktor darstellt.
Zu hoch, um bei der Einwanderungsbehörde Victorias willkommen zu sein.
Denn Lukas hat ein Chromosom mehr als die meisten Leute.
Anders gesagt, den Bürokraten fehlt ein Chromosom im Vergleich zu Lukas, was scheinbar eine gravierende kollektive geistige Behinderung im Amt ausgelöst hat.

Dr. Moeller, Bernhard, Likas, Australien, Down-Syndrom
Familie Moeller
Foto: AP

Down-Syndrom nennt man das, was Lukas von den meisten anderen Menschen ein klein wenig unterscheidet.
Keine Krankheit, kein Verbrechen. Nun, es soll Leute geben, die es als terroristischen Akt der Natur bzw. der Schöpfung ansehen, aber eine solche Sichtweise würde sehr, sehr viele Dinge in Frage stellen, oder?

Ein nicht namentlich genannter Sprecher der Einwanderungsbehörde Victorias wird in den Australian News mit feinen Aussagen zitiert:

"A medical officer of the commonwealth assessed that his son's existing medical condition was likely to result in a significant and ongoing cost to the Australian community,...”

“This is not discrimination. A disability in itself is not grounds for failing the health requirement - it is a question of the cost implications to the community.

“It is long-standing government policy that high-cost medical conditions are a consideration in visa decisions.”


Das klingt nach Verteidigungsposition, nicht wahr?
Die gute Nachricht ist, dass das Immigration department allen Grund zu einer solchen Haltung hat.
Denn es bekommt jetzt aufgrund seiner Entscheidung - man entschuldige mein ungewaschenes Deutsch - so richtig auf den Sack.
Von Leuten, die man nicht einfach so ignorieren kann.
Victorias Premierminister John Brumby zum Beispiel hat sich eingemischt. Genauso wie die föderale Gesundheitsministerin Nicola Roxon. Dass Down Syndrome Victoria executive officer Catherine McAlpine Sturm laeuft, ist wohl eher eine Selbstverständlichkeit.

Das letzte Wort scheint also auf gar keinen Fall gesprochen zu sein in diesem Fall.
Warten wir ab, wie die Geschichte weiter geschrieben wird.
Viel Glück, Dr. Moeller, Isabelle und Lukas!

5 Kommentare:

Thorsten hat gesagt…

Cabronsito, also auch wenn ich im allgemeinen Deine Ansichten sehr schätze, diesmal bin ich nicht deiner Meinung.
Es sieht in diesem Fall sehr nach Diskriminierung eines behinderten Kindes aus, ist aber tatsächlich einfach die Konsequenz der australischen Gesetze. Australien ist im allgemeinen ein sehr offenes Land mit eindeutigen Einwanderungskriterien. Da ein jeder Bewohner Australiens automatisch Anrecht auf medizinische Versorgung hat, ist eines der Kriterien, dass Einwanderer keine Krankheiten oder Behinderungen haben dürfen die absehbar dauerhaft Kosten verursachen. Das ist also keine "Verteidung" wie du im Blog schriebst, sondern Tatsache. Eine mexikanische Schwägerin von mir wurde das auch zum Verhängnis. Ihr chronisches Leberleiden war letztendlich der Grund, weshalb ihr das Einwanderungsvisum verweigert wurde. Das ist natürlich ungerecht aus Sichtweise der Betroffenen, denn die können ja nichts dafür. Aber man muss da auch das Land verstehen, denn warum soll es sich absichtsvoll Kosten aufhalsen (Ich weiss, das klingt jetzt wieder sehr kalt, aber auch ein Land muss auf das Geld achten und Regeln aufstellen)?
Wenn Australien jetzt in diesem Fall eine Ausnahmeregelung machen würde, wäre das auch unfair allen anderen abgelehnten Bewerbern gegenüber.

jule hat gesagt…

Thorsten: Australien hat einen Mangel an medizinischen Fachkräften und Dr. Moeller ist Arzt.

Und sagen wir mal so: Ich denke, die Kosten, die ein chronischer Ärztemangel verursacht, sind höher durch die Kosten die jemand mit DS oder einer anderen Behinderung verursachen könnte.

Zweitens: Asylanten, egal ob behindert oder nicht, kosten. Und zwar jedes Land. Die Frage ist nur, wie man eine effizente Kosten-Nutzenrechnung aufstellen kann, dass der Asylant vom Land profitiert und das Land vom Asylanten.

Zu dem Thema Einwanderung könnte man sovieles aufzählen...

In diesem Fall sieht es eher so aus, als dass die Einwanderungsbehörde lieber den Tod von Menschen in den Kauf nimmt, weil sie einem Arzt, der zufälligerweise einen Sohn mit DS hat, das Bleiberecht verweigert und damit den Australiern ärztliche Behandlung...

Thorsten hat gesagt…

Dazu kann ich wiederum zwei Sachen entgegnen:
1. Dr. Moeller ist kein Asylant. Asylante sind im Heimatland Verfolgte. Und dabei geht es dann tatsächlich nur um die Verfolgung und nicht um Kranheit, Behinderung oder sonst was
2. Dass ein Arzt in einem Ärztemangelland herausgeworfen soll, ist tatsächlich falsch. Aber dann sollte das der Aufreger sein und nicht die Tatsache, dass sein Sohn Down-Syndrom hat.

Andreas hat gesagt…

@thorsten: Du hast insoweit Recht, als es hier nicht um die Diskriminierung in einem besonderen Einzelfall geht. Die entsprechenden Gesetze sind schlicht per se diskriminierend für alle Menschen mit Behinderungen oder Krankheiten.

Das betrifft übrigens nicht nur Australien. Wie man gerade vorgestern lesen konnte, wird in der Schweiz ganz ähnlich entschieden: "Geistig Behinderter erhält keinen Schweizer Pass".

Hollito hat gesagt…

Entwarnung:

Deutscher Arzt mit behindertem Kind kann bleiben

 
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