Samstag, 4. September 2010

Wenn Unbegreifliches passiert

Und wieder ist eins vollbracht.
Eines dieser Wunder, die die Damen und Herren im weißen Kittel jeden Tag unzählige Male auf diesem Planeten vollbringen.
Und je näher ich dran war, desto unfassbarer wurde es für mich.
Nahe dran ist dabei ja noch eine glatte Untertreibung - denn das Wunder fand sozusagen in mir drin statt.

Und besser hätte es anscheinend kaum laufen können.

Noch am Dienstagabend erfuhren wir, dass man die Behandlung per Vene bezüglich der Langzeitfolgen als zu risikoreich ansehen würde, also wurde von vornherein auf OP am offenen Herzen umdisponiert. Um 8 Uhr sollte es losgehen am Donnerstag, es wurde kurz nach 9 daraus.

Papi meint, für ihn sei das Beeindruckendste an dem ganzen Prozess meine Verabschiedung gewesen. Als ob ich zu einer feinen fiesta aufbrechen würde, verabschiedete ich mich strahlend und winkend von Mami und Papi, als die Ärzte mich in die Katakomben entführten, die zum Operationssaal führen. Da war nichts mit Medicomania. Und das immerhin in dem Moment, in dem es Eltern das Herz zerbrechen will. In dem Gedanken wie "Ist es das letzte Mal, dass ich mein Kind lebend sehe?" unvermeidlich erscheinen.

5 Stunden waren für die OP angesetzt, aber bereits nach 3-einhalb Stunden wurden Mami und Papi gerufen - der Eingriff wäre schon beendet. Ein kurzes und banges Restwarten und die Frau Doktor erschien mit der frohen Nachricht im Gepäck: Alles sei bestens verlaufen, ich war bereits dabei aufzuwachen und in etwa einer Stunde könnten sie mich sehen. Gleichzeitig klärte sie Mami und Papi darüber auf, dass es eine weise Entscheidung gewesen war, eine "richtige" Operation durchzuführen, denn aus verschiedenen Gründen hätte bei der "Regenschirmvariante" per Vene große Gefahr bestanden, dass sich das Implantat bald wieder gelöst hätte. Und dann hat man ein echtes Problem. Gar nicht so sehr, weil das Loch wieder unverschlossen ist, sondern vielmehr weil das Implantat dann irgendwo im Blutkreislauf herumschwimmt. Überleben unwahrscheinlich.

Direkt nach der OP kam ich auf die Intensivstation. Ein Aufenthalt hier für mindestens 24 Stunden ist obligatorisch nach einer solchen Prozedur. Und trotzdem erfüllte ich nicht einmal dieses Soll, auch hier ging es schneller. Der erste Anblick meines Körpers war trotz aller Vorbereitung und Erfahrung ein Schock für Mami und Papi. Dabei geht es nicht um die ganzen Schläuche, an die mein Körper angeschlossen war oder um die Sauerstoffmaske. Es ist die Operationswunde, die einfach furchtbar aussieht, obwohl es sich um eine blitzsaubere Sache handelt.

In der Nacht auf der Intensivstation bekam ich etwas erhöhte Temperatur, was Papi, der sich zu der Zeit im Hospital aufhielt, aber nicht in Panikzustände versetzte, da alles im Rahmen des Normalen und zu Erwartenden lag. Mit immer noch ein wenig erhöhter Temperatur wurde ich dann schon nach 20 anstatt der oben angesprochenen 24 Stunden auf mein neues Zimmer verlegt. Jetzt war Mami bei mir und ich zeigte ihr und den vielen Besuchern, wie bärenstark ich bereits wieder war. Nicht zu fassen!

Und wenn jetzt keine Probleme mehr auftreten, dann komme ich schon am Montag, sprich übermorgen, nach Hause. Und mein Leben geht irgendwie nicht nur weiter, sondern auf eine gewisse Weise beginnt es noch einmal von vorn. Und das ist fantastisch.

Danksagung

Ich möchte nicht versäumen, folgenden Personen und Institutionen meinen zutiefst empfundenen Dank aussprechen:

- dem Patrocinato Corazón Amigo für die finanzielle Absicherung
- dem Hospital Cardiológica de Aguascalientes für das Bereitstellen der notwendigen Räumlichkeiten und Ausrüstung
- dem kompletten medizinischen Team - namentlich genannt sein sollen Frau Dr. Issadora Marmolejo und Dra. Brenda - für ihre hervorragende Arbeit
- allen Leuten, die ihr Blut für mich gespendet haben; Allen, die versucht haben, ihr Blut für mich zu spenden und Allen, die bereit waren, ihr Blut für mich zu spenden
- allen Leuten, die - in welcher Form auch immer - Anteil an meiner Situation genommen haben und nehmen.


Mit ein wenig Glück wird es in den nächsten Tagen auch ein paar Fotos geben.

Und damit wünsche ich Euch ein feines Wochenende

Euer Max

7 Kommentare:

Roland hat gesagt…

Lieber Max -

Du weisst gar nicht, wie es uns freut, dass Du so schnell wieder auf dem Dampfer bist, denn auch wir waren en suspenso wie's mit Dir geht während Deiner Operation und jetzt danach.

Und klar: wenn man sich so wohl fühlt in dieser cabrón Familie, dann muss man alles tun, damit man weiter dabeibleiben und weitere cabrón Abenteuer erleben kann - mittendrin.

Gute Besserung von uns vieren

Elisabeth hat gesagt…

WOW WOW WOW - du bist ein super-toller-mega-starker Max!!!!
Ich freue mich mit dir, deinen Eltern und allen anderen, dass alles so toll geklappt hat und du schon einen Termin fürs Nachhausegehen hast!
Ganz viele liebe Grüße aus Österreich!
Elisabeth

Sven hat gesagt…

Auch von mir ein GROSSES WOW!!!
Super gemacht! Jetzt werd schnell wieder komplett fit. Und liebe Gruesse an Deine Eltern, die sicher genauso tapfer waren wie Du!

Natascha hat gesagt…

wir freuen uns für und mit dir lieber Max - und natürlich auch mit NIklas und deinen Eltern!!!!!
Pass auf dich auf und mach weiter so bärenstark :-)
Liebe Grüße,
Natascha, Andreas, Jana & Max

Jeremy-Jermaine hat gesagt…

hab euren blog über youtube entdeckt :) und bin begeistert... sooo ein starker junge :)... da können sich unsere jungs die hand geben hihi..

LG Nike+ Jeremy

Andreas hat gesagt…

Hallo Max,

habe gerade Deinen Auftritt am Día de la Independencia auf YouTube gesehen - Hut ab (bzw. auf ;-))!

Die OP scheint ja schon Jahre hinter Dir zu liegen...

LG,

Andreas

No Ghosts Here hat gesagt…

Der dazugehoerige Blogpost - den ich noch nicht schreiben konnte - fällt leider nicht so positiv aus, Andreas. Der Ausflug am Día de la Independencia endete am nächsten Vormittag leider vorzeitig - mal wieder in der Notaufnahme.

Später mehr.

 
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