Dienstag, 17. Juni 2008

Spargelzeit in Mexiko oder Kann ein Zufall zufaellig sein?

In Mexiko ist das ganze Jahr ueber Spargelzeit. Man gehe einfach in den Woll-MART oder einen seiner Kollegen und suche nach den Staebchen im Glas, z. Bsp. der Marke La Pasiega. Nur aufpassen muss man, dass man nicht aus Versehen Bambus erwischt, denn das Zeug kommt aus China.
Wie Baumstaemme erscheinen die Spargelstangen von La Pasiega. Nachdem man sie zu Streichhoelzern verarbeitet hat. Man darf mir aber glauben, dass sie irgendwie den Geschmack von echtem Spargel wiederzugeben wissen. Mangels frischen Spargels Grund genug, im Winter 2005 bei einem Sonderangebot in besagtem Woll-MART zuzuschlagen, 10 Peso irgendwas kostete seinerzeit das 330g (Netto) - Glas.
Und zehn dieser Glaeser traten gemeinsam mit mir den Heimweg in die Hoehle an.
Von diesem Moment an kam das musikalische und lyrische Kunstwerk, welches von den 10 kleinen sonnengebraeunten Menschlein handelt, zum Einsatz. Auf meine Spargelglaeser bezogen, versteht sich.
Bis auf das letzte Glas.
Dieses verschob sich ob der nach Einkaeufen immer wieder eintretenden Neu-Hierarchie im Hoehlenregal immer weiter nach hinten, bis es eines schoenen Tages vergessen war, wohl auch deshalb, weil im selben Regal seit ewigen Zeiten nur 9 und nicht 10 Sauce Hollandaise (ich mache mir jetzt nicht die Muehe, den Plural zu finden) im Tetrapack auf ihren Einsatz warteten.

Die Monate gingen ins Land, aus ihnen wurden Jahre. Das Glas Spargel schlummerte so vergraben in den Tiefen des Hoehlenregals, dass selbst eine Siebenmeilenschaufel es nicht ohne weiteres geschafft haette, es von ihrem verlorenen Posten zu befreien.

Bis der 17. Juni 2008 seine 24-Stunden-Schicht antrat. Kurz nach der Halbzeit selbiger bzw. waehrend der Halbzeit zwischen den das Tor nicht treffen koennenden Rumaenen und den das Tor sehr gut treffen koennenden Hollaendern nahm eine verhaengnisvolle, hunger-appetit-kombinierte Kette von Gedanken und Assoziationen Anlauf, sich den Weg durch meine schlaffen Hirnwindungen zu bahnen.
Resultat: Da muss doch noch irgendwo ein Glas Spargel ......... !

Gegraben, gefunden, ausgegraben.

Nun gibt es ja bekanntlich ein paar Produkte, bei denen manche Leute nach zweieinhalb vergangenen Jahren seit Kauf nach einem gewissen Datumsstempel suchen, bei Joghurt oder Fernsehern etwa.
Um nicht aus der Reihe zu tanzen, tat ich dasselbe.
Und konnte nicht so recht glauben, was ich da tatsaechlich auf den Deckel aufgepraegt fand:

Verfallsdatum, Spargelzeit in Mexiko

3 Kommentare:

Thorsten hat gesagt…

Womit Du sie selbstverständlich nicht gegessen hast, da ja gestern der letzte "gute" Tag war ("best before")...

No Ghosts Here hat gesagt…

Ich hatte ueberlegt, ob ich den Satz noch anhaengen soll, der darueber Auskunft gibt, dass mir der heute vertilgte Spargel nicht schlechter (und auch kaum besser) als der aus dem ersten Glas der Zehnerserie geschmeckt hat, Thorsten.

Ich hab´s nicht getan, aber man nehme diesen Kommentar als Ersatz fuer die Unterlassung.
;-)

jule hat gesagt…

Zufälle gibt es nicht - wenn etwas passieren soll, wird es genau dann passieren.

Oder wie oft hast du schon gedacht: "OH, XY hab ich schon länger nimmer gesehen/geschrieben/angerufen.." und 2 min später meldet sich XY...
;-)

 
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